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Hofübergabe: Kommunikation ist wichtig, um Konflikte zu vermeiden


Kampf ist eine Kommunikationsform. Fehlt es im Zusammenleben an gewaltfreier Kommunikation, kann es im Konfliktfall zum Kampf kommen. Auf physischer oder aber auch auf psychischer Ebene. (Bild Pixabay)

Kampf ist eine Kommunikationsform. Fehlt es im Zusammenleben an gewaltfreier Kommunikation, kann es im Konfliktfall zum Kampf kommen. Auf physischer oder aber auch auf psychischer Ebene. (Bild Pixabay)

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Verschiedene Generationen haben unterschiedliche Vorstellungen für den Betrieb. Über Ängste nicht zu sprechen, löst keine Konflikte, sondern kann zukünftiges Handeln lähmen.

 

Publikationsdatum: 13.05.2020 / 12:49 Uhr
Autor
Simone Barth

Hans und Gertrud bewirtschaften seit über 25 Jahren ihren mittelgrossen Betrieb mit Milchproduktion, Ackerbau und einer Obstanlage in der vierten Generation. Die wirtschaftliche Lage ist ausreichend. Es bestehen jedoch keine grossen Reserven für eine Weiterentwicklung oder Investitionen. Schon bald zeichnet sich ab, dass der älteste Sohn Peter traditionsgemäss den Hof übernehmen wird. Im zwanzigsten Altersjahr kommen bei dem ausgebildeten Landwirt jedoch Zweifel auf. Er stellt sich folgende Fragen:

  • Will ich wirklich diese Herausforderung annehmen?
  • Kann ich in Zukunft den Betrieb so weiterführen wie dies meine Eltern bis heute getan haben?
  • Muss (oder kann) ich umstrukturieren?
  • Werde ich eine gute Zusammenarbeit mit meinen Eltern schaffen?
  • Wird ein friedliches Zusammenleben möglich sein?

Inhalte eines Gesprächs

Die Fragen, mit denen sich Peter auseinandersetzt, sind wichtig. Er muss sie ernst nehmen, was er auch tut. Er plant, mit seinen Eltern das Gespräch zu suchen und über seine Zweifel zu sprechen. Ein mutiger Schritt, den längst nicht alle Betriebsnachfolger machen. Aber er ist wichtig.

Was Peter mit seinen Eltern bespricht: Die beiden Generationen unterhalten sich über die finanzielle Lage des Betriebs. Weiter sind mögliche neue Betriebszweige, die für Peter in Frage kämen, ein Thema. Zudem bespricht Peter mit seinen Eltern, mit welchen Rahmenbedingungen in Zukunft zu rechnen ist. Peter traut sich auch, zu äussern, dass es für ihn derzeit schwierig ist, all diese Aspekte richtig einzuschätzen. Für eine definitive Entscheidung zur Weiterführung des Betriebs seien noch zu viele Fragen offen.

Wie wird das Zusammenleben mit den Eltern?

Was Peter mit seinen Eltern nicht bespricht: Peter plagen grosse Ängste, was das Zusammenleben mit seinen Eltern angeht. Er hegt den Wunsch, den Betrieb nach seinen Vorstellungen gestalten zu dürfen. Er fragt sich, wie es sein wird, wenn er dereinst der Arbeitgeber ist und die Eltern Arbeitnehmer werden. Er zweifelt auch daran, dass seine Eltern in der Lage sind, von ihrem Werk, der bisherigen Führung des Hofs, loszulassen.

Auch über die Geschwister redet man nicht

Für die Eltern im Gegenzug ist im jetzigen Zeitpunkt eine Hofübergabe fraglich. Sie befürchten bei Peter eine Überlastung, da er noch jung und unerfahren ist. Zudem hat er noch keine Partnerin, was in den Augen der Eltern zur Betriebsführung ein Muss ist. Sie stellen sich bewusst immer wieder die Frage, wie es ihnen ergehen wird, wenn sie nicht mehr das Sagen haben. Trotz alledem wünschen sie sich einen Einstieg von Peter, da sie im Alltag oft an ihre physischen und psychischen Grenzen stossen. Was ebenfalls nie thematisiert wird, sind Fragen rund um die Vorstellungen und Erwartungen von Peters Geschwistern in Bezug auf die Zukunft und das Zusammenleben auf dem Hof.

Der Trugschluss des Verschweigens

Die Liste der nicht besprochenen Themen ist lang. «Zusammengefasst gesagt, über die anstehenden äusserlichen Probleme haben sie gesprochen. Befürchtungen, Ängste, aber auch Wünsche und Träume wurden nicht mitgeteilt», erklärt Stefan Moser, Landwirt, und Coach bei der landwirtschaftlichen Beraterorganisation Aufbruchteam. Alle Beteiligten hätten aus Angst vor Verletzungen die Auseinandersetzung gemieden. Alle Beteiligten hoffen, dass es dann schon irgendwie geht. Doch das sei meist ein Trugschluss.

Konflikte angehen

Den Konflikt angehen. Es tönt so banal, ist aber nicht in jedem Fall so einfach. Stefan Moser nennt sechs aufeinanderfolgende Stationen, wie ein Konflikt funktionell angegangen werden kann.

  • Gefühle wahrnehmen: Dazu gehören Angst, Frust, Enttäuschung, Wut oder auch Traurigkeit.
  • Ursache erkennen: Ereignisse, Verhalten, Äusserungen oder Schweigen können Ursache für das schlechte Gefühl sein.
  • Bedürfnisse erkennen: Welche werden erfüllt, welche nicht?
  • Gespräch führen: Die oben gewonnenen Erkenntnisse mitteilen. Dabei in Ich-Botschaften reden.
  • Das Gegenüber anhören: Die andere Meinung akzeptieren und die Gefühle respektieren.
  • Vereinbarungen treffen: Im Gespräch Lösungen suchen, die alle annehmen können und sich danach ausrichten können.

Ein möglicher Ablauf, wie eine Konfliktsituation, die aufgrund unausgesprochener Bedürfnisse entstanden ist, lösbar wird. (Grafik BauZ)

Nach einer Reise entschieden

Zurück zu Peter und seinen Eltern. Der junge Landwirt entscheidet, eine Reise zu machen. Nach einem halben Jahr in Kanada kehrt er voller Lebenslust und Tatendrang zurück. Er hat während seines Auslandaufenthalts viel gelernt. Er bringt Motivation und neue Ideen für den eigenen Landwirtschaftsbetrieb mit in seinem Gepäck. Und nun weiss er: «Ich will zu Hause einsteigen.»

Wie geht es weiter?

Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Wie geht die Geschichte nun weiter, wenn die Familie einer offenen Gesprächsführung und möglichen Konflikten weiterhin aus dem Weg geht? Welche Gefahren birgt das Verschweigen von Erwartungen, Ängsten, Zweifeln, Wünschen und Bedürfnissen?

«Dazu gibt keine Regel», sagt Stefan Moser. In seiner Tätigkeit ist er immer wieder mit ähnlichen Beispielen konfrontiert. «Es gibt keine verlässlichen Prognosen, wie es in solchen Situationen weitergehen kann. Es ist in jeder Familie unterschiedlich, wie mit nicht ausgetragenen Konflikten umgegangen wird», weiss Moser.

Zeit heilt eben doch nicht

Seine Beratertätigkeit hat ihm eine wichtige Erfahrung mitgegeben: «Aufgeschobene Konflikte lösen sich selten von alleine. Gerne werden durch weiteres Ignorieren neue Konflikte geschaffen. Dadurch werden die alten verstärkt und gegebenenfalls können sie durch eine Kleinigkeit eskalieren.» So entstünden Streitigkeiten, die schwer zu meistern seien. Oder im schlimmsten Fall werde jemand der Beteiligten krank. «Die Zeit alleine löst Konflikte selten», so der Coach und sagt: «Es ist jedoch nie zu spät, aufgestaute Konflikte auszusprechen und Lösungen anzugehen.»

«Aufgeschobene Konflikte lösen sich selten von allein.»

Stefan Moser, Landwirt und Coach aus Goldiwil BE

Stefan Moser erklärt, dass gegenseitiges Schweigen eine Lösung verhindere, mit der alle Parteien zufrieden sein könnten. Die Menschen und der Betrieb könnten sich nur schwer oder gar nicht entwickeln. Eine Win-win-Situation, von der alle auf dem Hof profitieren könnten, ist nicht möglich.

Der Vater ist Viehzüchter, der Sohn mag Pferde

Stefan Moser erzählt von einem weiteren fiktiven Fall, dem mangelnde Kommunikation zugrunde liegt: Rolf ist ein begeisterter Viehzüchter. Er nimmt mit seinen Kühen regelmässig an Ausstellungen teil und hat auch schon Preise gewonnen. Sein Sohn Alain hat an der Viehzucht kein Interesse. Ihn zieht es zu den Pferden hin. Der Vater bemerkt schon seit einiger Zeit, dass das Engagement seines Sohnes bei der Viehzucht immer mehr nachlässt. Er befürchtet, dass Alain die Viehhaltung nach der Übergabe aufgeben könnte. Seine Befürchtungen äussert Rolf aber nicht, aus Angst, dass er damit seinen Sohn nur noch darauf aufmerksam machen könnte. Er möchte sein Lebenswerk weitergeführt sehen.

Schweigen macht das Zusammenleben schwierig

Alain denkt über den Betriebszweig Pensionspferde nach. Mit Freude würde er einen grosszügigen Pferdestall bauen, die Ausbildung zum Reitlehrer machen und Plätze für Pensionspferde anbieten. Aber auch er schweigt. Er glaubt zu wissen, dass sein Vater enttäuscht wäre, würde er diesen Betriebszweig aufbauen wollen. Welche Risiken birgt ein solches Verhalten?

«Dass alles beim Alten bleibt», sagt Stefan Moser. Nämlich: Die Viehzucht wird vom Sohn weitergeführt. Die Erfolge werden immer kleiner, die Milchleistungen sind unbefriedigend. Es schleichen sich immer mehr Differenzen zwischen Vater und Sohn ein, meistens um Kleinigkeiten. Beide sind unglücklich, sie werden mürrisch, was die ganze Familie zu spüren bekommt. Das Zusammenleben unter einem Dach wird schwierig.

Das kann zusätzlich helfen

Stefan Moser vom Aufbruchteam ist selber Landwirt und kennt die Herausforderungen im Zusammenleben auf einem Betrieb. Er rät, sich einzugestehen, dass da ein Konflikt vorliegt, auch wenn das nicht einfach ist. «Welchen Anteil am Konflikt trage ich?», ist die Frage, die es zu stellen gilt. Und weiter: «Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn ich den Konflikt anspreche?» Wichtig sei, bei einer Aussprache, die eigenen Bedürfnisse klar und unmissverständlich zu äussern. Es helfe, wenn man sich vorstellt, wie es sein wird, wenn dieser Konflikt gelöst ist. So hat man ein Ziel vor Augen. Was auch immer helfe, sei eine Aussensicht einer befreundeten Person einzuholen. Oder sich durch einen Coach begleiten zu lassen.

Stefan Moser (hinten) im Gespräch mit Rüedu Schüpbach. Die beiden Landwirte sind zusammen als Coaches unterwegs.(Bild sb)

Die Angst zu enttäuschen lähmt

«Es könnte aber auch sein, dass der Sohn die Kühe verkauft und das neue Standbein aufbaut», zeigt Moser einen weiteren Ausgang der Geschichte auf. In diesem Fall wäre der Vater schwer enttäuscht. Er kann sich nicht damit abfinden, dass auf dem Betrieb keine Kühe mehr stehen. Pferde beginnt er zu hassen. Das wiederum löst beim Sohn ein schlechtes Gewissen aus. Er fühlt sich sehr unwohl und es wird immer schwieriger, Entscheidungen zu treffen, aus Angst, den Vater nochmals zu enttäuschen. Erfolg mit dem neuen Standbein ist so kaum möglich.

Überall fehlt die Kommunikation

Unabhängig vom Ausgang der verschiedenen Geschichten, hier liegt immer «der gleiche Hund ­begraben». Es ist die mangelnde oder gar ganz fehlende Kommunikation. «Ein Phänomen, dem wir in unserer Beratertätigkeit beim Aufbruchteam immer und immer wieder begegnen», sagt Stefan Moser. Simone Barth

Weitere Informationen: www.aufbruchteam.ch

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