Ins, das 3600-Seelen-Dorf mit den schönen alten Bauernhäusern, kennt man vor allem wegen Albert Anker. Das ehemalige Wohnhaus des berühmten Schweizer Malers – in dem sich heute ein Museum befindet – lockt jedes Jahr einige Touristen hierher.

Im Tipi übernachten

Etwas ausserhalb, ganz ruhig und im Grünen, liegt der Bauernhof von Kathrin und Hans Niklaus. Hier finden Gäste mitten zwischen Neuenburger-, Bieler- und Murtensee eine ganz besondere Unterkunft: Sie schlafen im Tipi. Sie habe keine besondere Vorliebe für die USA, sagt die Gastgeberin mit einem Lachen auf die Frage, warum es gerade ein Tipi werden sollte. Und doch: «Tipis haben mich schon immer fasziniert.»

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Verhandelt wird mit der Frau

Gefunden haben sie das Zelt bei der Firma «Zeltwelt.ch», die bereits Tipis und Jurten in der ganzen Schweiz aufgestellt hat. Im Nachbardorf Müntschemier etwa steht ein ganz ähnliches Modell, in dem eine Spielgruppe stattfindet. «Der Zeltbauer hat uns gesagt, dass das Tipi bei den amerikanischen Ureinwohnern jeweils der Frau gehört hat. Er hat deshalb nur mit Kathrin verhandelt», erinnert sich Hans Niklaus amüsiert zurück. Gestört habe ihn das aber nicht. 

Ämter mochten die Farbe nicht

«Bevor wir unser Tipi stellen durften, mussten wir ein derart detailliertes Baugesuch einreichen, als ob wir ein Einfamilienhaus bauen wollten», erzählt der Landwirt mit einiger Ironie in der Stimme. Skeptisch waren die Behörden etwa wegen der Farbe Weiss. Es hiess, das Zelt müsse beige sein, diese Farbe hatte der Zeltbauer aber nicht im Angebot.

Schlussendlich durfte es dann doch Weiss werden. Nachdem alle Ämter endlich grünes Licht gegeben hatten, konnte das Abenteuer Agrotourismus im Tipi starten. Besonders aufregend war das Aufstellen und dann natürlich das Probeschlafen, das sich die Bauernfamilie nicht nehmen liess.

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«Man hat trotzdem Komfort»

Kathrin Niklaus hat den elterlichen Hof zusammen mit ihrem Mann übernommen. Gäste zu empfangen war für sie nichts Neues. Schon ihre Mutter hatte früher ein Bed & Breakfast auf dem Betrieb. Seit Juli 2020 empfängt die Familie nun Gäste in ihrem Tipi. Tipi, das klingt ursprünglich, aber an Komfort mangelt es den vier Gästen nicht, die im Zelt Platz haben. «Man hat trotzdem Komfort, richtige Betten, richtige Duvets», erklärt Kathrin Niklaus.

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Den Gästen steht ein eigenes Badezimmer mit Dusche im Wohnhaus zur Verfügung und ein Zimmer, in dem sie frühstücken oder sich bei Regenwetter aufhalten können. Im Preis von 50 Franken pro Person und Nacht ist ein reichhaltiges Frühstück inbegriffen. Bei schönem Wetter lässt es sich zum Beispiel wunderbar am grossen Tisch unter dem Apfelbaum frühstücken.

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Das Seeland ist ein Veloland

Es lohnt sich auf jeden Fall, Velos nach Ins mitzubringen oder sie zu mieten. Das grösstenteils flache Seeland ist ideal für Fahrradtouren entlang von See- oder Flussufern. Man kann die Seele an einem der vielen schönen Strände baumeln lassen, pittoreske Altstädte wie Murten, Erlach, Le Landeron oder La Neuveville entdecken, Gemüsefeldern entlang oder durch Weinberge wandern oder in den nahegelegenen Jura fahren. 

«Wir hatten bislang ganz unterschiedliche Gäste», erzählt Kathrin Niklaus. Darunter waren Familien, Velofahrer, Jugendliche und sogar Pilger, denn ganz nahe am Betrieb führt der Jakobsweg vorbei. «Es bereitet mir Freude, all die Leute kennenzulernen und ihnen die Landwirtschaft näherzubringen», sagt die Bäuerin und Floristin. Weil die Bauernfamilie wegen ihrer Milchkühe selbst nicht so oft weg kann, sei es schön, wenn die Leute zu einem kämen.

Betriebsspiegel

Name: Kathrin und Hans Niklaus, St. Jodelweg 54, 3232 Ins

LN: 27 Hektaren

Kulturen: Kartoffeln, Zuckerrüben, Brotweizen, Kunstwiese, Gras

Tierbestand: 23 Montbéliarde-Milchkühe, Mastrinder

Weitere Betriebszweige: Milchproduktion, Ackerbau, Futterbau, Agrotourismus

Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar 

Spezialitäten aus der Dorfkäserei

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«Letzten Sommer haben wir viele schöne Abende mit den Gästen verbracht», erinnert sich Hans Niklaus. Ausserdem haben sie Freunde aus Holland, die bereits seit vielen Jahren bei ihnen ein Zelt aufstellen und auch auf dem Hof mit anpacken. «Wenn sie nicht kommen, ist es kein richtiger Sommer», sagt der Landwirt schmunzelnd.

Nicht alle Gäste stehen abends neben dem Bauernpaar im Stall und schauen ihnen beim Melken der 23 Montbéliarde-Milchkühe zu. «Einige interessieren sich gar nicht für die Landwirtschaft, das ist auch in Ordnung so», sagt Kathrin Niklaus. Wer Fragen hat oder einen Einblick bekommen möchte, hat diese Möglichkeit auf jeden Fall.

Auch kulinarisch kann man gleich selbst testen, welche Produkte aus der Milch vom Hof entstehen. Die Familie liefert als einer von noch sechs Lieferanten in die Käsereigenossenschaft Ins. Der Dorfkäser stellt daraus neben Emmentaler viele Spezialitäten wie Kümmel, Lauch- und Trüffelkäse, verschiedene Fonduemischungen, Joghurts und Quark her. 

Ein zweites Tipi wäre möglich

Der allergrösste Teil der Begegnungen mit den Gästen sei positiv gewesen, berichten Kathrin und Hans Niklaus. Solche, die zuerst skeptisch waren, in einem Tipi zu übernachten, waren bald begeistert. Wegen der Corona-Pandemie verlief das erste Jahr mit dem neuen Angebot noch eher ruhig. «Ich hatte noch ein bisschen auf den Herbst gehofft, aber der fiel dann irgendwie ins Wasser», sagt Kathrin Niklaus.

Nun wünschen sich die Eltern der 14-jährigen Jasmin und des 12-jährigen Lars einen besonders schönen Sommer 2021, damit möglichst viele Gäste den Weg zu ihnen nach Ins finden. Vorgesorgt haben sie auch schon: Die Baubewilligung wurde gleich für zwei Tipis erteilt, vielleicht steht eines Tages noch ein zweites auf dem Hof.

Das Angebot der Familie Niklaus

  • Im Tipi haben vier Personen Platz, man schläft auf Matratzen in Duvets und Decken.
  • Ein grosser Tisch unter dem Apfelbaum lädt zum Frühstücken oder Picknicken ein.
  • Gästedusche und -WC befinden sich im Wohnhaus.
  • Zusätzlich steht ein Gästezimmer (mit Kühlschrank und Wasserkocher) fürs Frühstücken oder Aufenthalt bei schlechtem Wetter zur Verfügung.
  • Im Preis von Fr. 50.– pro Person und Nacht ist das Frühstück inbegriffen.
  • Das Tipi hat Rauchklappen, wie die Tipis der nordamerikanischen Ureinwohner. Feuer gemacht werden darf darin aber nicht.

Weitere Informationen: http://bnb-instipi.ch

AgroTourismus «Schweiz geniessen – Landwirtschaft erleben»

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