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"Wir leisten einen Beitrag von 200'000 Franken gegen die Pflanzenschutz-Initiativen"

Die Fenaco hat ein weiteres erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich. Aber man ist trotzdem beunruhigt. Das Unternehmen fürchtet die Auswirkungen einer allfälligen Zustimmung zu den Pflanzenschutz-Initiativen, wie Martin Keller im Interview mit der BauernZeitung erklärt.


Publiziert: 16.05.2019 / 16:23

Herr Keller, die Landwirtschaft kommt unter verstärkten gesellschaftlichen Druck. Fokus ist stets eine Extensivierung, beunruhigt Sie das?

Martin Keller: Was für mich und die Fenaco im Vordergrund steht, ist die Produktion von gesunden, sicheren und qualitativ hochstehenden Lebensmitteln, welche die Konsumentinnen und Konsumenten aus Überzeugung kaufen. Deren Wünsche sind unser Leitfaden.

Wie meinen Sie das?

Wenn der Trend in Richtung reduziertem Einsatz von chemischen Pflanzenmitteln geht, dann nehmen wir das auf und helfen den Landwirten bei der technischen Umsetzung. Dabei steht nicht im Vordergrund, ob wir ein paar Kilo Pflanzenschutzmittel mehr oder weniger verkaufen. Deren Anteil an unserem Umsatz und Ergebnis liegt heute schon bei unter einem Prozent.

Trotzdem wehrt sich Fenaco gegen Trinkwasser- und  Pestizidverbots-Initiative?

Ja. Denn wenn plötzlich wirkungsvolle Instrumente für die Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung stehen, um die Qualität zu produzieren, welche die Kunden wollen, dann haben wir ein Problem. Deshalb intervenieren wir. Es ist nicht möglich, die heutige Nachfrage und die Qualitätsansprüche mit einem Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu gewährleisten. Es ist möglich mit weniger, es ist möglich mit alternativen Technologien und wir investieren viel, um diese zu fördern. Die Bestrebungen sollen jedoch nicht dazu führen, dass weniger Lebensmittel in der Schweiz produziert werden, und stattdessen mehr importiert wird. Das BLW hat von ökologischer Intensivierung gesprochen. Das ist die Richtung, die wir unterstützen.

Werden Sie sich am Abstimmungskampf beteiligen?

Ja, wir sind der Allianz gegen die Initiativen beigetreten, engagieren uns finanziell und wenn nötig werden wir selber nach vorne stehen.

Wie gross ist Ihr Budget für den Abstimmungskampf?

Wir haben uns entschieden, in der nun laufenden Kampagne "Wir schützen, was wir lieben" einen Beitrag von 200 000 Franken zu leisten. Das ist eine neue Dimension für uns und als Ausnahme zu betrachten. Wir schätzen die Risiken für unsere Genossenschaftsmitglieder als so gross ein, dass durch die Initiativen in Frage gestellt ist, ob wir künftig die nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln noch sicherstellen könnten. Es gibt viel Erklärungsbedarf, deshalb engagieren wir uns als wichtiger Akteur in der Land- und Ernährungswirtschaft gegen die Vorlagen.

Migros steigt immer stärker in die Produktion ein, wohl auch, weil sie so die Bedingungen noch enger kontrollieren kann. Trägt sich Fenaco auch mit solchen Gedanken?

Nein. Aus unserer Sicht ist der bäuerliche Familienbetrieb der Kern des Erfolgs der Schweizer Landwirtschaft, das gilt übrigens auch international, wie mir meine acht Berufsjahre im Ausland gezeigt haben. Fenaco gehört den Schweizer Bauern und hat den Auftrag, diese zu unterstützen, also werden wir ganz sicher nicht selber bauern.

Gehört sie immer noch den Bauern? Es gibt ja immer mehr ausserlandwirtschaftliche Mitglieder.
Es ist aus Sicht der fenaco ganz wichtig, dass eine Mehrheit der Basismitglieder in der fenaco-Landi Gruppe aktive Bauern sind, damit diese unsere Unternehmensgruppe im Sinne des genossenschaftlichen Zweckauftrags steuern können. In manchen Landi ist das Stimmrecht deshalb den aktiven Bäuerinnen und Bauern vorbehalten. Die Landi entscheiden selber über ihre Mitgliederstrukturen.

Nur rund die Hälfte der aktiven Bauern in der Schweiz sind Landi-Mitglieder. Glauben Sie daran, dass Sie noch mehr dieser Skeptiker überzeugen können?
(Lacht) Ich kann nur davon reden, wie stark sich die fenaco für die Bäuerinnen und Bauern einsetzt. Letztlich ist es die unternehmerische Freiheit jedes Einzelnen, ob er Landi-Mitglied werden will, wo er seine Produktionsmittel kauft und an wen er seine Landwirtschaftsprodukte verkauft. Ich bin überzeugt, dass man als Betrieb von der Landi-Mitgliedschaft profitiert und wir werden dranbleiben.

Der Anteil des ausserlandwirtschaftlichen Umsatzes von Fenaco nimmt tendenziell zu. Ist das auch ein Zeichen, dass Fenaco von einer abnehmenden Bedeutung der Landwirtschaft ausgeht?
Nein, unsere DNA ist das Agrargeschäft, zusammen mit unserer verarbeitenden Lebensmittelindustrie. Wir sind 2018 in allen vier Geschäftsfeldern Agrar, Lebensmittelindustrie, Detailhandel und Energie gewachsen. In allen vier Bereichen, die wir gleichberechtigt behandeln, investieren wir stark. Unser Auftrag ist es, Produktionsmittel möglichst günstig anzubieten und landwirtschaftliche Produkte zu möglichst fairen und marktkonformen Preisen zu übernehmen. Wenn es der fenaco gelingt, Angebot und Nachfrage nach Schweizer Lebensmitteln in ein Gleichgewicht zu bringen und zu halten, ist dies der grösste Hebel für positive bäuerliche Einkommen. Daran arbeiten wir jeden Tag.

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