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VKMB: «Wir wollen viele Hände und Köpfe in der Landwirtschaft»

Die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) kritisiert die neuen Ausbildungsanforderungen in der Vorlage zur Agrarpolitik 2022+ scharf. Auch die Haltung des Bauernverbands stösst beim VKMB auf Unverständnis.


Höhere Hürden für den Bauern-Beruf könnten den Nachwuchsmangel in der Landwirtschaft verschärfen, warnte Regina Fuhrer-Wyss, Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung. An einem Mediengespräch legte sie am Dienstag in Bern den Standpunkt der VKMBs dar.

Wertvolle Quereinsteiger

Über den Nebenerwerbslandwirtschaftskurs (NEK/NELA) gelangen heute gemäss Fuhrer-Wyss Leute mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Kontakten ausserhalb der Landwirtschaft zur Direktzahlungs-Berechtigung. Davon profitiere der Dialog zwischen Konsumenten und Produzenten und auch die Quereinsteiger in ihrer Ausbildung.

Um die Wichtigkeit und den Wert von NEK/NELA-Absolventen zu illustrieren, hatte die VKMB zwei «typische» Quereinsteiger eingeladen; Stephan Koch-Mathis, ein Bergbauernsohn aus Root LU und Thomas Urech aus Hallwil AG, ein studierter Sozialanthropologe. Koch-Mathis hat nach einer Ausbildung als Wirtschaftsinformatiker und einigen Jahren in der Industrie und EDV den Hof seiner Eltern im Berggebiet übernommen, Urech arbeitet Vollzeit als Gemüsebauer auf einem Pachtbetrieb. Beiden ist der Kontakt zu Menschen ausserhalb der Landwirtschaft ein Anliegen; Koch-Mathis bietet eine Form von solidarischer Landwirtschaft sowie Grillkurse an und führt Events durch, Urecht veranstaltet Feste, Führungen und vertreibt Gemüseabos. Beide sind sich einig, dass der NEK/NELA für sie in Anbetracht ihres damaligen Alters und ihrer finanziellen Lage der richtige Ausbildungsweg gewesen sei. «So sieht man auch neue Möglichkeiten für den Hof und kann viel lernen für die Weiterführung», so Urech. Auch habe er den Austausch mit den vielfältigen anderen Kursteilnehmenden geschätzt.

Stand heute: Vielfalt der Ausbildungen

Regina Fuhrer-Wyss erklärte, heute sei jeder zweite Betriebsleiter mehr als 50 Jahre alt. Daher sei in Zukunft die Sicherung des Nachwuchses zentral. Es gebe viele Motivierte und Interessierte, denen man den Zugang zur Landwirtschaft nicht nehmen sollte.

Geht es nach dem Vorschlag des Bundes, werden in Zukunft nur noch Bauern mit Fachausweis (also einer höheren Berufsbildung) DZ erhalten. Das EFZ oder EBA würden nicht mehr ausreichen. Die Bäuerinnen-Ausbildung und der NEK/NELA sollen durch drei Pflichtmodule in Betriebswirtschaft ergänzt werden.

Diese Verschärfung kritisiert die Kleinbauern-Vereinigung. Man begrüsse zwar, dass das System mit der Zulassung von NEK/NELA-Absolventen zur Weiterbildung Fachausweis an Durchlässigkeit gewinne, räumte Küttel ein. Mit dem praktischen Ausschluss von Quereinsteigern und Praktikern sei aber auch die flächendeckende Bewirtschaftung (gerade im Berggebiet) infrage gestellt.

Nicht einig mit dem Bauernverband

Wie die meisten Teilnehmenden an der Vernehmlassung der AP 22+ beurteilte laut Barbara Küttel auch der Schweizer Bauernverband SBV die neuen DZ-Anforderungen als zu anspruchsvoll. Allerdings sei von Seiten SBV ein Kompromissvorschlag vorgelegt worden, mit dem die VKMB genauso wenig zufrieden ist:

Der SBV bewirke quasi die Abschaffung des NEK/NELA, indem er die DZ auf das Ausbildungsniveau EFZ statt Fachausweis beschränken wolle. Innerhalb der Landwirtschaft sei dieser Quereinsteigerkurs schon länger in der Kritik, da er als Konkurrenz zur klassischen Ausbildung gesehen werde. Auch das EBA würde in der Version des SBV nicht mehr ausreichen. Somit würden Quereinsteiger und Praktiker aus der Landwirtschaft gedrängt, so Küttel.

«absolut nicht in Ordnung»

Präsidentin Fuhrer-Wyss findet bereits die Bezeichnung des Quereinsteiger-Kurses als «Nebenerwerbslandwirtschafts-Kurs» stossend: «es ist absolut nicht in Ordnung, den NEK/NELA auf diese Weise herunterzuspielen». Er sei kürzer, aber auch intensiver und viele Absolventen würden später hauptberuflich einen Betrieb führen.

Ausbildung an Herausforderungen anpassen

Die Kleinbauern-Vereinigung fordert, dass die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft gestärkt werden. «Der Bund findet, es fehle die Betriebswirtschaft in der heutigen Ausbildung. Wir finden, Nachhaltigkeit, Ökologie, Klima oder bodenschonendes Arbeiten sind vernachlässigte Themen», erklärte Regina Fuhrer-Wyss. Daher sollen Grund- und Weiterbildung in diesen Bereichen ausgebaut werden.

Die Präsidentin redete auch ein Bisschen aus dem Nähkästchen und erzählte, sie habe selbst bei der Steuererklärung für ihren Betrieb Hilfe in Anspruch genommen. «Deshalb bin ich doch nicht eine schlechtere Bäuerin», stellte Fuhrer-Wyss klar. Gerade in Sachen Betriebswirtschaft könnten sich laut ihr eher praktisch veranlagte Menschen Unterstützung holen, etwa von Ackerbaustellenleitern, bei Schulen, in der Familie oder auch bei Agro-Treuhändern. 

Gute Rückmeldungen aus der Praxis

Angesprochen auf die Chancen, die sie sich für ihr Anliegen ausrechnet, sagte Fuhrer-Wyss entschlossen: «wir bleiben dran». Schliesslich bekomme sie viele Rückmeldungen von Bauern und Bäuerinnen, die die geplanten Ausbildungsverschärfungen nicht verstehen würden. Die Kommunikation des Anliegens sei allerdings schwierig, da das Thema komplex sei. Ihr Motto ist dagegen leicht verständlich: «wir wollen viele Hände und Köpfe in der Landwirtschaft haben.», fasste Fuhrer-Wyss zusammen.

Ausbildung heute

Die VKMB -Geschäftsleiterin Barbara Küttel erläuterte den Stand der Dinge in Sachen Ausbildung. Heute gebe es verschiedene Ausbildungswege, die für Direktzahlungen (DZ) berechtigen; etwa das Berufsattest (eine 2-jährige Ausbildung), das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis EFZ, eine höhere Berufsbildung oder die Bäuerinnen-Ausbildung. Weiter bestehe die Möglichkeit, mit einem anderen Beruf über einen Nebenerwerbslandwirtschaftskurs (NEK/NELA oder auch DZ-Kurs) oder mit mindestens drei Jahren praktischer landwirtschaftlicher Tätigkeit einzusteigen. Hinzu kommen noch Ausnahmeregelungen für Härtefälle (beispielsweise bei einem Unfall des Betriebsleiters, damit ein Ehepartner übernehmen kann) oder für Kleinstbetriebe in den Berggebieten.

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