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Kriebelmücke: Vorsicht vor dem Blutsauger

Mit der schwül-warmen Witterung zeigen sich vermehrt wieder Kriebelmücken. Sie können bei den Tieren eine schwere Toxikose auslösen. Am besten geschützt sind die Tiere noch immer im Stall.

Plötzliche Regengüsse mit anschliessend rasch ansteigenden Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit begünstigen das massenhafte Auftreten der blutsaugenden Kriebelmücken. «Um diese Zeit, zwischen Mitte April und Anfang Juni, besteht die grösste Gefahr für Weidetiere, von Kriebelmücken befallen zu werden», sagt Jim Weber, Tiermediziner bei der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. Bei einem Massenschlüpfen können sich schwarze Schwärme um die Tiere bilden, vor allem, wenn sich die Weiden unmittelbar in der Nähe von flies­senden Gewässern befinden, die der Parasit für seine Entwicklung benötigt.

Landwirt(innen) würden mit ihrem Auftreten häufig ein typischerweise rasch auftretendes apathisches Verhalten an ihren Tieren beobachten; wenig behaarte Körperstellen zeigen sich übersät mit roten, punktförmigen Einstichstellen, die verkrustet sein können. Im schlimmsten Fall kommt es zu vereinzelten Todesfällen.

Vergiftung bei Massenbefall

Im Speichel der zwei bis sechs Millimeter grossen Kriebelmücken befinden sich verschiedene Giftstoffe. «Da Kriebelmücken mit ihren Mundwerkzeugen Verletzungen setzen, um aus dem entstehenden Blutpool zu saugen, sind die Stiche schmerzhaft und versetzen die Weidetiere in Panik», so Jim Weber. Bei einem Massenbefall von mehreren Tausend Mücken könne es beim gestochenen Tier zu Vergiftungssymptomen kommen, die einem anaphylaktischen Schock ähneln. Man spricht dann von einer Kriebelmücken-Toxikose. Die betroffenen Tiere würden sehr apathisch wirken – ein eher untypisches Verhalten, was nicht gleich auf die Kriebelmücke zurückzuführen sei. Vielmehr würden die unzähligen Bisse an den unbehaarten Stellen wie Euter, Schenkelinnenseite, Flotzmaul, Ohren oder Genitalbereich und das saisonale Auftreten auf einen Befall mit dem Parasiten hinweisen. «Die Speichelgifte führen zur Gefässschädigung und haben somit Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System, was schliesslich zum Tod des Tieres führen kann», setzt er fort.

Werden genannte Symptome bei den Tieren beobachtet, soll unverzüglich der Tierarzt gerufen werden, um Schlimmeres zu verhindern. Dieser wird eine symptomatische und den Umständen angepasste Therapie einleiten.

Jungrinder sind häufiger betroffen

Jungrinder sind besonders empfänglich für eine Kriebelmücken-Toxikose. «Vergiftungssymptome können auch bei älteren Tieren auftreten, vor allem wenn diese noch nie Weidegang und somit keinen Kontakt mit der Kriebelmücke hatten, um eine gewisse Immunität aufzubauen», stellt Jim Weber fest.

Kriebelmücke: Vorsicht vor dem Blutsauger
Eine schmerzhaft-entzündlich geschwollene und verfärbte Euterhaut infolge zahlreicher Kriebelmücken-Stiche, die als rote, verkrustete Punkte zu erkennen sind.

An schwül-warmen Tagen sind die weiblichen Mücken (nur diese stechen) besonders während der Nachmittags- und Abendstunden sowie am späteren Vormittag aktiv, sagt Veronika Maurer von der Veterinärparasitologie beim FiBL. Weidende Tiere sollten dann beobachtet werden, besonders wenn sie sich auf windgeschützten Weiden mit Büschen und Bäumen in der Nähe von Gewässern befinden. «Wenn es regnet, sammeln sich die Kriebelmücken an Bäumen. Sobald es aufhört zu regnen, treten viele Mücken aufs Mal auf, was gefährlich werden kann.»

Repellents wirken nur kurzfristig

Insektenabwehrende Mittel (Repellents)können nur kurzfristig helfen: «Präparate, die prophylaktisch auf dem Rücken aufgetragen werden, wirken meist nur wenige Tage bis Wochen. Dann ist eine Wiederholung nötig. Sie sind aber auch gegen andere auf der Haut vorkommenden Parasiten wie Fliegen, Milben und Haarlinge wirksam», weiss Jim Weber.

Repellentien sind teilweise freiverkäuflich, teilweise nur bei der Tierärztin erhältlich. Diese wird entscheiden, welche Behandlung in der jeweiligen Situation angemessen ist. Früher ging man dagegen mit Dieselöl vor, vor allem bei Pferden. Weber rät von solchen Mittelchen ab. «Es sollten nur Präparate eingesetzt werden, die spezifisch als Repellentien bei der jeweiligen Tierart zugelassen sind und von denen die Absetzfrist bekannt ist. Alles andere ist unsicher bezüglich der Lebensmittelsicherheit, die der Landwirt einhalten muss», konstatiert er.

Stall schützt am besten vor schmerzhaften Stichen

Veronika Maurer empfiehlt in den kritischen Zeiten die Kühe einzustallen, da die Kriebelmücke Innenräume meidet. Das sei überhaupt der sicherste Schutz, sagt sie. Rückzugsorte wie Unterstände oder Weidehütten könnten auch helfen. Kühe seien häufig am besten geschützt vor Stichen, weil sie sich in den Abendstunden sowieso beim Melken befinden.

Steckbrief

Weltweit leben etwa 2400 Arten von Kriebelmücken. Sie sind zwischen zwei und sechs Millimeter gross und besitzen einen blaugrauen bis schwarzen Körper. Je nach Witterung und Mückenart sind pro Jahr zwei bis vier Generationen zu erwarten. Eier, Larven und Puppen entwickeln sich in langsam fliessenden Gewässern mit Pflanzenbewuchs. Im Frühling sammeln sie sich in Bäumen und Sträuchern in der Nähe der Gewässer. Nach einer Schlechtwetterperiode, bei rasch ansteigenden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit kann es zu Massenflügen kommen. Überfallartig und geräuschlos werden dann weidende Rinder, Schafe und Pferde angeflogen und innerhalb kürzester Zeit gestochen.  [IMG 2]

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