"Meine Frau ist der Pferdenarr. Ich bin der Tüftler und will hochstehende Hautpflegeprodukte herstellen", sagt Roman Kalberer aus Braunau TG, der studierte Zahlenmensch, der im Finanzbereich arbeitet und das Business mit der Stutenmilch und den Hautpflegeprodukten nicht zu seinem Haupterwerb zählt. Die Idee kam von seiner Frau Katrin Kalberer, die Pferde liebt und acht eigene hält. Ihr sei der hohe dermatologische Wert von Stutenmilch bewusst gewesen. Als er auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für seine Geschäftskunden war, kam dem Ehepaar die Idee, eine wertvolle Creme, angereichert mit Stutenmilch, herstellen zu lassen. Also entschied sich Kalberer, einen Produzenten zu suchen, der ihm die Creme herstellt.
Durch seine Frau lernte der Geschäftsmann die Pferdezüchter Manuela und Albert Kuster aus Schönholzerswilen TG kennen. Als sich das junge Paar bereit erklärte, den Versuch zu wagen und ein paar ihrer Stuten nach klaren Vorgaben zu melken, war dies der Startschussfür ein erfolgversprechendes Produkt, schildert Roman Kalberer den Geschäftsbeginn im Jahr 2014.
Fast wie Muttermilch
Stutenmilch ähnelt stark der menschlichen Muttermilch. Sie ist sehr nahrhaft und enthält neben Vitamin A, B, B2, B6, B12, C und E auch Mineralstoffe, ungesättigte Fettsäuren, Proteine, Eisen sowie Spurenelemente. Die Eiweisse in der Stutenmilch entlasten den Stoffwechsel der Haut und sorgen dafür, dass diese mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Diese stabilisieren den Stoffwechsel der Haut und wirken Entzündungen entgegen. Veränderte oder entzündete Hautbereiche werden normalisiert. Da die Zellerneuerung direkt beeinflusst werde, wirken sich die Produkte sehr positiv auf Ekzeme, Akne, Psoriasis und Neurodermitis aus.
Mehr Informationen unter:
www.karoka-wellness.ch
Tierwohl steht im Vordergrund
"Diese Geschichte über den Start tönt heute so einfach und unproblematisch", sagt Roman Kalberer mit einem Lachen. Tatsächlich sei der Weg aufwendig und mühsam gewesen. Es brauchte sehr viel Energie, Zeit und Geld, bis das Produkt ihren hohen Anforderungen entsprach. Besonders schwierig sei es gewesen, die richtige Konsistenz hinzukriegen. Auch einen angenehmen Duft zu finden, der nicht aufdringlich und doch stark genug war, den Geruch von Gelée Royal und der Stutenmilch zu überdecken, habe eine ganze Weile gedauert.
Roman Kalberer hat hohe Ansprüche an die zu verarbeitende Stutenmilch. Um diese Ansprüche zu wahren, hat er ein eigenes Label gegründet. "Fair Horse" heisst es und gibt dem Produzenten klare Richtlinien vor, wie die Fohlen zusammen mit den Stuten auf einer grossen Weide gehalten werden müssen. Erst drei Monate nach der Geburt, wenn die Ernährung des Fohlens weitgehend von Stutenmilch auf Festnahrung umgestellt sei und es sich hauptsächlich von Gras, Heu und Stroh ernähre, darf der Stute Milch abgenommen werden. Von den 20 Litern Stutenmilch, die pro Tag anfallen, darf nur ein Bruchteil davon, maximal 1,5 Liter für die Weiterverarbeitung abgenommen werden. Damit bleibe jederzeit genügend Milch für das Fohlen zur Ver-
fügung.
Im ersten Jahr hatten Manuela und Albert Kuster fünf Stuten mit fünf Fohlen. Sie entwickelten eine einfache Melkanlage, wo die Stuten Futter erhalten, während sie gemolken werden. Gleichzeitig verweilen die Fohlen nahe der Stuten in einem sogenannten "Kindergartenabteil". Das Prozedere verlaufe in einer ruhigen Atmosphäre und kaum seien die Stuten zurück bei den Fohlen, beginnen diese zu saugen, erklärt Manuela Kuster. Später werde die Milch im Nebenraum gekühlt, vakuumiert und tiefgefroren. Schliesslich entstehe daraus ein gefriergetrocknetes Pulver, das zur Herstellung für Kosmetika jederzeit zur Verfügung stehe, ergänzt Kalberer. Insgesamt produzierten Kusters Stuten im ersten Jahr 440 Liter Stutenmilch.
Hilfe bei trockener Haut
Der kleine Produktionsbetrieb Luminaris im aargauischen Dullikon stellt 13 verschiedene Stutenmilch-Produkte her. Anfangs setzte man bei der Produktewahl auf Schönheitsprodukte. Heute sind vor allem Hautpflegeprodukte für sehr trockene Haut, Neurodermitis, Ekzeme, Akne und Psoriasis nachgefragt. Als bestes Pferd im Stall bezeichnet Kalberer die Balance-Creme, die richtiggehend vollgepumpt sei mit Stutenmilch und bei Hautproblemen sehr erfolgreich eingesetzt werde. Zukünftig werde nochmals eine Konzentration stattfinden auf die anderen Kernprodukte wie Gesichts-, Body- und Augencremes.
Kalberer freut sich, dass seine Produkte bei den beiden Drogerie-Grossisten Voigt und Galexis gelistet und damit in sämtlichen Schweizer Drogerien zu kaufen sind. Produkte mit hohem Stutenmilch-Einsatz, zum Beispiel Bio-Stutenmilch-Kapseln und Schönheitsbad wolle man bewusst auslaufen lassen, da man keine industrielle Produktion fördern, sondern klein und exklusiv bleiben will.
Weil das Sortiment gestrafft und der Lagerbestand zuerst abgearbeitet werden mussten, konnten Kusters im vergangenen Sommer weniger Stutenmilch abliefern. Manuela Kuster hofft, dass sie wieder auf die gewohnte Menge aufstocken können. Sie findet es wichtig, dass die wertvolle Stutenmilch auch in der Heilmittelproduktion eingesetzt wird.