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Im Entenweiher bei Marthalen haben sich zwei Biber breit gemacht

Die Biber haben den Öliweiher bei Marthalen im Zürcher Weinland als Lebensraum entdeckt und ihre Spuren der Anwesenheit hinterlassen. Dies, obwohl der Weiher vom Menschen gut besucht wird.

Wenn man in der Fachliteratur Informationen über Biber sucht, so ist zu erfahren, dass die Wildtiere als sehr scheu und nachtaktiv gelten. Doch es zeigt sich einmal mehr jüngst im zürcherischen Marthalen, dass das angeblich so scheue Wildtier auch ein Kulturfolger ist und damit von seinen eigentlich grundsätzlich angeborenen Eigenschaften auch abweichen kann.

Er zeigt wenig Scheu

Ein oder gar mehrere Biber haben in letzter Zeit den Öliweiher mitten in Marthalen in Beschlag, respektive in Besitz, genommen. Gemäss dem Marthaler Biberfachexperten Hans-Kaspar Ryser handelt es sich wahrscheinlich um zwei Tiere, welche sich den Weiher und seine Umgebung als künftigen Lebensraum ausgesucht haben.

Dies, obwohl der Weiher direkt an die gut befahrene Dorfstrasse mit vielen Fussgängern sowie an das Sekundarschulhaus grenzt. Zudem ist der Weiher, welcher von einem schönen Weg umgeben ist sowie über mehrere Sitzbänke verfügt, auch ein beliebtes Ziel von Spaziergängerinnen. Eltern mit ihren Kindern wie auch ältere Besucher schätzen das Gewässer mit zwei Weihern (zirka 80 und 3000 m2) und der kleinen Insel (zirka 80m2), wo man die Enten bewundern und auch füttern kann.

Doch der Biber sieht wohl im Menschen keinen Feind, so dass er sich durchaus wohlzufühlen scheint. Nebst dem eher weichen Ufergehölz sind zahlreiche Bäume bereits angefressen und einzelne gar gefällt worden. Das Gemeindewerk hat sofort den Handlungsbedarf erkannt, damit der Nager nicht alle Bäume um den Weiher fällt. Sie wurden vorsorglich mit Drahtgeflechten vor den scharfen Zähnen des Bibers geschützt.

Doch entlang des Baches im Einlauf- und in der Umleitung um den Weiher gibt es reichhaltiges Bachgehölz, das sich nicht schützen lässt. Denn der Biber ist als Pflanzen- und Rindefresser scharf auf die Baumrinde und die zarten Knospen an den Ästen. Bis zu einem Kilogramm Rinde kann er pro Tag fressen, wenn ihm vor allem während des Winters andere pflanzliche Nahrung vorenthalten wird.

Nicht an Entenschmaus interessiert

Auch darf der Biber für seine Nachhaltigkeit gerühmt werden, indem er vom gefällten Holz und Geäst möglichst viel verwendet. So nutzt er es nach dem Abfressen der Rinde weiter, entweder um Dämme oder auch Burgen zu bauen. Damit versteckt er die nur unter Wasser zugänglichen Gänge zu seinem Bau. Wie es aufgrund der Ablagerung von Holzstücken scheint, nutzt er die rund 80 Quadratmeter grosse Insel, um dort seinen unterirdischen Bau zu errichten. Dabei müssen die zahlreichen im, auf und um den Weiher wohnenden und sich im Wasser tummelnden Enten keine Angst vor den scharfen Zähnen des Bibers haben, da dieser ein Vegetarier ist und selbst an Festtagen auf einen Entenschmaus verzichtet.

Ganz hat wohl der Biber seine Scheu noch nicht verloren. Bis anhin wurde er während des Tages noch nie gesichtet. «Ich habe ihn auch in der Dämmerung noch nie gesehen», erklärt Manfred Mischer, welcher in Steinwurfnähe zum Weiher wohnt. Doch andere Passanten haben ihn in der Nacht beim Überqueren der am Weiher vorbeiführenden Stationsstrasse bereits mehrere Male vor die Augen bekommen.

Am Rand der Insel hat der Biber mit dem Bau seiner Burg begonnen. Der Zugang ist getarnt.
Am Rand der Insel hat der Biber mit dem Bau seiner Burg begonnen. Der Zugang ist getarnt.

Die Weiher sind künstlich geschaffen

Gemäss den Aufzeichnungen von Martin Lee geht man davon aus, dass der Öliweiher im 17. Jahrhundert künstlich angelegt worden ist. Der Weiher wird mit Wasser vom Abistbach versorgt, wobei mit einem entsprechenden kleinen Wehr der Zufluss geregelt wird. Der Grossteil des Bachwassers umfliesst den Weiher. Zuerst wurde das künstlich angelegte Gewässer als Hanfwalke genutzt, wo die steifen Hanftücher eingelegt und danach weich geklopft worden sind. Erst später wurde das Wasser des Weihers als Energielieferant für den Betrieb einer Sägerei und Trotte in der «Oeli» genutzt.

1954 konnte der Weiher samt Umgebung durch die Gemeinde erworben werden und wurde entsprechend auch wieder hergerichtet. Seit her dient er als idyllische Anlage.

Der Biber kehrt zurück:

Nachdem der Biber in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet war, konnte er sich der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entlang von Gewässern wieder ansiedeln. Im Jahr 2020 lag der Biberbestand schweizweit bei etwa 3500 Tieren, mit steigender Tendenz. In dem sich der Biber ausbreitet, gestaltet er aktiv artenreiche Lebensräume mit und verhilft seltenen Tieren zur Rückkehr, beispielsweise dem Eisvogel, der Geburtshelferkröte oder der Ringelnatter. Von Bibern bewohnten Gewässern profitieren auch Fische. Allerdings verursacht das Nagetier auch Schäden, indem er Bäume fällt oder Wege untergräbt. Zudem kommt es auch zu Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen. Ansprechstelle bei Biberschäden sind der Wildhüter oder die Jagdverwaltung der Region. Der Biber als einheimische Tierart ist geschützt und darf nicht bejagt werden.

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