«Na ja, es ist nicht risikofrei», kommentiert Franziska Hauenstein ihre Arbeit. Konzentriert schlägt sie Nägel ein – Millimeterarbeit mit dem Kopf direkt neben dem Pferdehuf. Ob der Nagel auf dem richtigen Weg ist, hört die Hufschmiedin am Klang der Schläge. Gleichzeitig behält sie ihr Umfeld im Blick. Würde das Fluchttier Pferd erschrecken und einen Satz machen, wären das 600 Kilo Pferd gegen 60 Kilo Frau.

Schläge sind selten

Aber Franziska Hauenstein beruhigt: «Schläge bekomme ich eigentlich nie.» Auf einem Wägelchen mit Rädern rollt sie flink um die Pferdebeine herum. «Damit wäre ich schnell ausser Reichweite der Pferdehufe. Immer in Richtung anderes Bein – dorthin schlägt das Pferd nicht.» Aber eben, solche Eskapaden sind selten. Ab und zu klopft sie sich den Hammer auf die Finger, weil ein Pferd den Huf zurückzieht; grössere Verletzungen gab es keine in den zehn Jahren, die sie nun schon als Hufschmiedin arbeitet.

Sie ist ihre eigene Chefin

Lieber als über Verletzungsgefahren spricht die 26-Jährige über die angenehmen Seiten ihres Berufs. «Es ist einfach schön, wenn du fertig bis mit der Arbeit und ein sauber beschlagenes Pferd vor dir steht.» Die Bauerntochter liebt Pferde, das war der Hauptgrund für ihre Berufswahl. Auch Tiermedizinische Praxisassistentin oder Bereiterin wären in Frage gekommen, da fürchtete sie aber ein Leben als «Gango». Jetzt ist sie ihre eigene Chefin, trägt dafür auch die ganze Verantwortung und muss am Feierabend noch Büroarbeit machen. «Aber es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.» Offenbar gut, denn sie strahlt.

Wer sich den Schmied als Kraftprotz vorstellt, muss sein Bild neu ausrichten beim Anblick dieser 162-Zentimeter-Frau am Amboss. Franziska Hauenstein erzählt ein Beispiel: Als sie einmal in einem neuen Stall ein Pferd beschlug, kam ein anderer Pensionär dazu, beäugte die Hufschmiedin und wollte ohne jede Ironie wissen: «Ja hält denn das?» «Sicher hält das», antwortete Franziska Hauenstein gelassen. Gute Arbeit, das ist ihre Antwort auf Vorurteile.

Eisen- und Barhuf-Fraktion

Als wichtigste Eigenschaften einer Hufschmiedin nennt sie Geduld und ein gutes Auge. Sie pflegt auch die Hufe unbeschlagener Pferde und nimmt weder für die Barhuf- noch die Eisen-Fraktion Partei. «Es muss für das Pferd und seinen Einsatz passen», sagt sie. «Wenn es ohne Eisen geht, ist es gut. Aber ein Tier mit empfindlichen Sohlen ist barhuf sicher nicht glücklich. Und schliesslich hat sich das Beschlagen seit Jahrtausenden bewährt.»

T-Shirts zwicken

Wenn Franziska Hauenstein an einem Tag acht Pferde beschlagen hat, spürt sie das am Abend in den Knochen. «Man sollte die Arbeit nicht scheuen», kommentiert sie ihren Beruf. Ins Fitnesstraining geht sie nicht, die Arbeit hält sie fit. T-Shirts in Standardgrösse zwicken sie an den Oberarmen und erinnern daran, dass sie mehr Muskeln hat als die Durchschnittsfrau, auch wenn das auf den ersten Blick nicht auffällt. «Ja, es braucht Kraft. Aber die Technik ist wichtiger», sagt sie. «Am Anfang war ich viel mehr ‹abegchrampfet› als heute. Mit der Zeit bekommst du Routine, du arbeitest präziser und sparst Energie.»

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Kundenstamm wächst

Der Kundenstamm von Franziska Hauenstein wächst. Ihr Teilzeitpensum bei der Post hat sie gekündigt und lebt vom Sommer an ausschliesslich von ihrer Tätigkeit als Hufschmiedin. Sie arbeitet sechs Tage die Woche, am Abend setzt sie sich ihre Limite für den letzten Termin um 17.30. Das reicht. Denn da sind auch noch ihre eigenen beiden Pferde, die auf dem Landwirtschaftsbetrieb ihrer Eltern eingestellt sind. Der Vater macht den Stall am Morgen, für alles andere ist die Tochter zuständig.

Die beiden Freibergerstuten sind Nachkommen ihres ersten Pferdes, das sie mit zwölf Jahren bekam. So lernte sie die Arbeit des Hufschmieds kennen. Sie konnte ihn in der Oberstufe während zwei Schnupperwochen begleiten. Danach war sie sich in ihrer Berufswahl sicher und startete als 16-Jährige die vierjährige Lehre als Hufschmiedin.

Es macht einfach Freude

Das ist nun zehn Jahre her. Ob Franziska Hauenstein bis zur Pensionierung als Hufschmiedin unterwegs ist, daran studiert sie jetzt nicht herum. «Im Moment bin ich absolut zufrieden. Reich werde ich nicht dabei, aber es macht mir Freude.»