Landwirtschaft und Nebenerwerb sind in der Schweiz so eine Sache. Von Generation zu Generation wird weitergegeben, dass es doch gescheiter wäre, den Betrieb so zu vergrössern oder zu erweitern, dass man nicht zusätzlich «auswärts arbeiten muss». Lieber wird in der Nachbargemeinde teuer Land dazu gepachtet.
Ein Gast aus Deutschland bei der Landi Sursee
In Deutschland sei man da ein wenig entspannter, erklärte der Bayer Armin Högenauer vergangene Woche in Sursee LU vor einem vollen Saal Landi-Agrar-Kunden. In vielen Regionen sei ein Nebenerwerb eine Option, genauso wie ein zusätzlicher Betriebszweig. Anstatt Pouletmast oder einer Biogasanlage sind viele deutsche Bauern – in einigen Regionen gegen 50 Prozent – noch ausserhalb der Landwirtschaft aktiv.
80 Prozent auswärts: Abstand vom Betrieb zuhaben, tut gut
Er selbst treibt es quasi auf die Spitze – und das macht ihn auch als Referenten unterhaltsam. Armin Högenauer hat 80 Hochleistungs-Kühe im Nebenerwerb und braucht dafür keine Angestellten. Seine Frau Monika Högenauer hilft ihm abends. Tagsüber arbeitet die Bäuerin in Teilzeit in einem Krankenhaus als Pflegefachfrau in der Endoskopie. «Die Frauen müssen raus», ist Högenauer überzeugt. Dies führe zu Abwechslung und mehr Zufriedenheit. Es brauche keine «Magd» im Stall, die Kühe würden selbstständig fressen.
Landwirt Högenauer arbeitet in einem Pensum von rund 80 Prozent als Betriebsleiter mit 14 Mitarbeitenden in einem Pelletwerk. Morgens brauche er gut eine Stunde im Stall, abends vielleicht zwei. Dies natürlich nur, wenn keine aussergewöhnlichen Arbeiten anfallen und auf dem Feld ebenfalls nichts anstehe. Daneben engagiert er sich als Gesellschafter von «Vitamin-D3-Milch» und bei Lucapell, einem Pellet-Handel mit zwei LKWs im Fuhrpark.
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Ein bayrisches Energiebündel
«Wie ist das möglich?», fragte sich da so mancher Zuhörer. Viel Technik ist sicher eine Antwort, aber auch effiziente Abläufe, kaum Probleme oder Zwischenfälle – etwa dank gesunder Tiere oder gut gewarteter Maschinen. Und dann dürfte auch noch der Mensch eine Rolle spielen. Wenn Högenauer im selben Tempo arbeitet, wie er referiert, hilft es auch: Ein Energiebündel, das mit seiner Entschlossenheit aber auch mal aneckt, wie er offen berichtete. Sei es bei der Betriebsübernahme oder in der Zusammenarbeit mit Dienstleistern auf dem Hof oder Partnerbetrieben.
«Den Wald mag ich nicht, das bringt nichts»
Der Hof von Familie Högenauer liegt im Landkreis Lindenberg-Lech auf rund 560 m ü. M. Der 44-Jährige führt den Betrieb seit 2007 mit seiner Frau. Die drei Kinder sind 20, 16 und 10 Jahre alt. Und ja, er hat auch Hobbys. Dazu gehört vor allem das Tanzen.
Armin Högenauer ist kein Freund von Grünland. Möglichst alles «umreissen», also in die Fruchtfolge nehmen, lautet seine Devise. Von den 52 ha Betriebsfläche werden rund 45 ha für Silomais, Wintergerste, Kleegras und Luzerne genutzt. Dazu kommen einige Aren Wald. Zum Glück ist es nicht mehr: «Den mag ich nicht, das bringt mir nichts.»
Eine fruchtbare Milchviehherde
Högenauer hat in den vergangenen rund 18 Jahren einiges investiert und optimiert. Ursprünglich standen auf dem Betrieb rund 35 Fleckvieh-Kühe mit einer Milchleistung von 6500 Kilo. Heute hat Högenauer 80 Hochleistungs-Holsteinkühe mit Melkroboter. Gefüttert wird eine Mischung mit viel Mais-Shredlage und rund 40 Prozent Luzerne und Kleegrassilage. Dazu Rapsschrot, eine Getreide-Hofmischung aus Gerste, Zuckerrübenschnitzeln und Körnermais. Die Galt-Kühe bekommen die gleiche Mischung, einfach mit Gerstenstroh und Heu verdünnt.
Die Herde leistet so 11 340 Kilo Milch im Schnitt bei 4,37 % Fett und 3,58 % Eiweiss, die Zellzahlen liegen zwischen 90 und 160. Das Erstkalbealter beträgt knapp 24 Monate, die Zwischenkalbezeit 412 Tage. Die Non-Return-Rate ist aktuell bei fast 90 Prozent. Hervorragende Fruchtbarkeit also, obwohl er nur einmal täglich, und zwar abends, besamt. Als Eigenbestandsbesamer macht er das selbst. Eingesetzt wird in rund zwei Dritteln der Fälle gesextes Sperma für die Nachzucht, ein Drittel wird mit Weissblauem Belgier belegt.
Hof ist nicht quersubventioniert
Auch für die nächsten Jahre hat Armin Högenauer Pläne – das Verwalten ist nicht sein Ding. Ob der Landwirtschaftsbetrieb über den Nebenerwerb quersubventioniert werde, wollte ein Schweizer Berufskollege in der abschliessenden Fragerunde wissen. Nein, war die klare Antwort. Betrieb und Nebenerwerb sind buchhalterisch strikt getrennt. «Nicht den Problemen nachlaufen, sondern sich um Lösungen kümmern», so sein Motto auf dem Betrieb. Und «das haben wir schon immer so gemacht» sei ein Spruch, der in einer Unternehmung nichts zu suchen habe.
Tierarztkosten nicht der Rede wert
Armin Högenauer arbeitet in einer Art Arbeitskreis mit, wie wir es auch in der Schweiz kennen. Dabei werden in Online-Meetings regelmässig Kennzahlen verglichen. Jede Veränderung der Leistungskurve wird diskutiert und Lösungen werden eruiert. Eine Eigenschaft der Högenauer-Herde ist die hervorragende Gesundheit. Die Tierarztkosten betragen lediglich 0,6 Cent pro Kilo Milch.
Er probiere immer wieder aus und wechsle rabiat und emotionslos Anbieter und Produkte, bis es wirklich passe. Etwa beim Zitzenpflegemittel («unbedingt mit Minze») oder der Mortellaro-Vorbeugung («Desinfektionsmatte, nicht Bad»). Als einen gewichtigen Faktor für die gute Tiergesundheit erwähnt Högenauer ein im Stall installiertes Vitamin-D3-Lichtsystem. Die Kühe haben also gefühlt auch unter Dach ein wenig Sonnenlicht.
Keine Nachzucht von «mühsamen» Kühen
Beim Zuchtziel hat sich Högenauer den Charakter und das Wesen der Kühe fett markiert. Von «mühsamen» Kühen wird nicht nachgezogen, auch wenn die Papiere gut aussehen. Nutzungsdauer, Robustheit, AMS-Sekundärmerkmale, Inhaltsstoffe und Milchleistung sind weitere wichtige Parameter. Pingelig ist er beim Thema Feldhygiene (Schnitthöhe mindestens 8 cm, scharfe Messer, hohe Pickup, kurzes Häckseln, Feld sauber hinterlassen, nur in den Morgenstunden und damit kühl häckseln und einbringen). Wichtig ist auch die Klauenpflege (dreimal im Jahr im Lohn). Bei den Liegeboxen setzt er auf Sandbettwaben. Eingestreut wird ein Holzpelletabrieb. So würden die Kühe eben und trocken liegen, der Keimdruck sei gering. Desinfiziert wird flüssig. Kalk brauche es nicht zur Desinfektion.
Arbeitserleichterung durch Technik bedeutet in seinem Fall einen Melkroboter, einen automatischen Futterzuschieber, ein passendes Stalllayout und einen Einstreuwagen. Potenziale auf seinem Betrieb sieht er noch im Kälberbereich und im Jungviehstall. Die Kälber bekommen angesäuerte Milch ad libitum. Diese Umstellung sei ein Quantensprung in der Entwicklung der Jüngsten gewesen.
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