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Schweizer Produkte haben einen Mehrwert – aber es fehlt das ökologische Engagement, finden Umweltverbände

Lebensmittel aus der Schweiz sind besser – nicht nur aus Qualitätsgründen. Das ist die Botschaft der Mehrwertstrategie Suisse-Plus vom Verein Qualitätsstrategie. Drei Umweltverbände vermissen bei den Vereinstätigkeiten ökologisches Engagement und sind ausgetreten.


Heute ist die Auswahl der Produkte so gross, dass sich die Werbung vor allem darauf konzentriert, zu überzeugen: Dieses Angebot ist besser als das andere. Um gegen (billigere) Import-Lebensmittel anzukommen, setzt der Verein Qualitätsstrategie VQS auf Mehrwerte. Dies wurde an der diesjährigen, virtuell durchgeführten Mitgliederversammlung des VQS bestätigt. 

Abheben dank Differenzierung

Es geht unter anderem darum, sozusagen Gutes zu tun und darüber zu reden, z. B. hinsichtlich gesetzlicher Vorgaben zum Tier- oder Umweltschutz. «Die Chance für die Schweizer Landwirtschaft ist, sich auch in Zukunft durch Vorsprung und Differenzierung von Importen abzuheben», erklärt Urs Schneider, Präsident von Agro Marketing Suisse (AMS) auf Anfrage. Dabei bieten sich in den Bereichen Umwelt, Qualität, Tierwohl und Fairness Möglichkeiten, so Schneider. 

Die inneren Werte betonen

Für Urs Schneider geht es bei der Bewerbung von Schweizer Produkten um mehr, als «nur» die hohen Standards von Labels und Gesetzesvorgaben:

«Um das geht es auch. Aber es geht noch weiter. Wir müssen den Konsumenten auch bewusst machen, dass sie mit der Berücksichtigung von einheimischen Produkten weit mehr als hohe Produktqualität bekommen. Hinter diesen Produkten verbergen sich auch Arbeitsplätze, Landschaftspflege oder Traditionen, um nur einige Beispiele zu nennen. Bei Suisse Garantie machen wir das zum Beispiel gerade mit der Kampagne «Auf die inneren Werte» kommt es an oder Französisch «L’essentiel est invisible pour les yeux», das finde ich eine wunderbare Botschaft. Auch die Werbung der Branchen und Labelorganisationen geht in die gleiche Richtung.», führt er aus. 

WWF, Pro Natura und BirdLife sind raus

Gemäss dem Tätigkeitsbericht des VQS sind die Mitgliederzahlen 2020 stabil, es gebe zwei Neumitglieder (Gallo Suisse und Proviande) und drei Austritte (BirdLife, Pro Natura und WWF).

Urs Schneider sieht hier einen Zusammenhang mit der «Kampagne gegen die Landwirtschaft». «Scheinbar ist ihre neue Strategie auf Konfrontation statt Kooperation und Dialog ausgerichtet. Das ist absolut unverständlich und schlussendlich kontraproduktiv.», findet der Präsident von AMS.

Pro Natura und BirdLife begründen ihren Austritt aus dem VQS mit mangelndem ökologischen Engagement. «Der Mehrwert einer Mitgliedschaft ist aus Sicht Naturschutz für uns nicht gegeben. Wir erwarteten vom Verein ein sichtbares Engagement für eine ökologischere Landwirtschaft, das heisst insbesondere einen Beitrag zur Erfüllung der Ziellücken auf Grundlage der Umweltziele Landwirtschaft UZL. Dieses Engagement ist für uns nie sichtbar gewesen.», schreibt Pro Natura auf Anfrage. Ähnlich klingt es bei BirdLife: «Für BirdLife Schweiz ist der sorgsame Umgang mit der Natur zentral. Dieser Aspekt ist aus unserer Sicht auch ein zentraler Pfeiler einer Qualitätsstrategie für die Landwirtschaft. Die Tätigkeiten des Vereins Qualitätsstrategie tragen diesem Anliegen aus unserer Sicht zu wenig Rechnung. Der Verbleib im Verein Qualitätsstrategie Schweiz ist für BirdLife Schweiz aus diesem Grund nicht mehr opportun.»

Eingefrorene AP 22+ stimmt den Detailhandel kritisch

Die Vertretenden von Coop und Migros machten an der MV deutlich, dass die Detailhändler die Weiterentwicklung von Suisse-Plus angesichts der Sistierung der AP 22+ kritisch sehen. Diese Aussage habe ihn erstaunt, meint Urs Schneider dazu. Seiner Meinung nach ist die Weiterentwicklung der Mehrwertstrategie vom Markt her eine Notwendigkeit und unabhängig von den politischen Diskussionen um die Agrarpolitik. 

«Intelligentes Vorgehen» des Ständerates

In der Zwischenzeit habe man das aber «ausgeräumt» und ein Rückzug des Detailhandels stehe «nicht mehr zur Debatte». Die Sistierung bedeute schliesslich nicht, dass die AP 22+ nicht weiterentwickelt werde, gibt er zu bedenken. Vielmehr müsse man bei der künftigen Agrarpolitik aus verschiedenen Gründen nochmal über die Bücher. «Gleichzeitig hat der Ständerat mit der Parlamentarischen Initiative Absenkpfad festgelegt, dass man die Problematik Belastungen im Wasser rasch löst. Das ist ein intelligentes Vorgehen.», ist Schneider überzeugt. 

Faire Zusammenarbeit wird betont

Anne Challandes, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, betonte in ihrem Vortrag an der MV, wie wichtig eine gute und faire Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette sei. Eine entsprechende Passage ist auch in der Charta zur Qualitätsstrategie zu finden, die »von  vielen Unternehmen und Organisationen der Schweizerischen Land- und Ernährungswirtschaft unterstützt wird», wie der VQS schreibt.

Entscheidend sind die einzelnen Branchen

Wie funktioniert diese Zusammenarbeit bisher? «Die beiden grössten Detailhändler sind im Vorstand des Vereins Qualitätsstrategie und auch im gemeinsamen strategischen Ausschuss des Vereins und von Agro-Marketing Suisse vertreten. Sie arbeiten aktiv mit und man ist bestrebt Lösungen, von denen alle gleichermassen profitieren, zu finden. Wichtig ist das strategische Überlegungen auch auf Produktmanagerebene ankommen. Das entscheidende passiert nämlich in den einzelnen Branchen.», meint Urs Schneider dazu.  

Die Mehrwerte sollten gleichwertig sein

Für Urs Schneider bestätigen die Entwicklungen in der EU rund um den Green Deal und der Strategie «From Farm to Fork», dass die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft auf dem richtigen Weg ist. «Die Initiative «Suisse Plus» haben wir lanciert im Wissen, dass andere Länder nicht schlafen und gerade auch in der EU Entwicklungen im Gange sind.»

Anhand von Gesprächen und verschiedenen Erhebungen stelle er fest, dass man in allen Branchen «sehr aktiv» ist. Das habe ihn erstaunt und erfreut, kommentiert Schneider. Er betont, die Mehrwerte müssten über alle Branchen hinweg etwa gleichwertig sein. «Es nützt nichts, wenn einige Super sind und andere schlecht. Zudem werden wir klären müssen, was kommunikativ noch nötig ist. Das Thema Mehrwert wird uns über Jahre hinweg beschäftigen», ist er überzeugt. 

Was ist Suisse-Plus?

Vor einem Jahr wurde die Mehrwertstrategie Suisse-Plus vom Verein Qualitätsstrategie lanciert. Die Vision der Strategie ist ambitioniert:

«Die Konsumenten und Konsumentinnen ziehen Nahrungsmittel aus der Schweiz importierten Nahrungsmitteln deutlich vor. Sie erkennen und schätzen deren Einzigartigkeit und inneren Werte und sind bereit, dafür mehr zu bezahlen als für vergleichbare Produkte aus dem Ausland.»

Alle Sektoren und Branchen sollen mit Suisse-Plus Mehrwertprojekte verfolgen, die mit den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDG) der Agenda 2030 in Einklang stehen. 

Markus Zemp präsidiert den Ausschuss

Die Mehrwertstrategie Suisse-Plusist in Weiterentwicklung begriffen. Für die Umsetzung und die Inhalte sind die Branchen selbst zuständig. Die Schwerpunkte und übergeordneten Ziele legt ein Strategieausschuss fest, zu dessen Präsident (Präsident Proviande) gewählt worden ist.

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"Suisse-Plus": Die Schweizer Landwirtschaft setzt auf Mehrwerte
27.09.2019
In Delémont hat die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft heute ihre Mehrwertstrategie Suisse-Plus lanciert.
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