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Regelmässiger «Alpsegen» des Zürcher Münsterpfarrers für die stillgelegte Stadt

Christoph Sigrist, Pfarrer am Zürcher Grossmünster greift in der Not auf eine alte bäuerliche Tradition zurück. Durch den Milchtrichter erteilt er den Städtern in der Corona-Krise den «Alpsegen».


Es sind garstige Zeiten, auch für die Menschen in der Stadt Zürich. Wo sonst Hektik und Lebensfreude das Strassenbild dominieren, ist derzeit kaum ein Mensch anzutreffen.

Stärkung verängstigter Herzen

Um den Städtern in dieser schwierigen Situation Mut zuzusprechen, hat sich der Münsterpfarrer Christoph Sigrist etwas besonderes einfallen lassen. Er spricht von einer der Terrassen der beiden Türme einen Segen, und zwar im gleichen Stil, wie dies auf vielen Schweizer Alpen getan wird, durch einen Milchtrichter, auch Folle genannt. Erstmals tat er dies am Freitagaben. Hier finden Sie das Video dazu.

Der Stadtsegen soll, so Sigrist gegenüber dem «Tages-Anzeiger», in schwierigen Zeiten «verängstigten Herzen und ermatteten Seelen» guttun. Wie der Alpsegen soll er dabei helfen, dankbar dafür zu sein, was einem tagsüber gelungen ist, und die Menschen für den nächsten Tag stärken, ermutigen und ihnen Zuversicht verleihen.

Toggenburger Version des Alpsegens

Seine Fassung orientiere sich am Betruf, den Roland Bischof auf der Toggenburger Alp Hoor nach seines Vaters Überlieferung zu singen pflege. Der Alpsegen ist ein Brauch aus katholischen Regionen, aber der Münsterpfarrer fasst ihn weiter: «Meine Fassung fusst auf dem katholischen Ursprung und vereint ihn mit der reformierten Tradition des Grossmünsters und der pluralen, interreligiösen Bevölkerung der Stadt Zürich», so Sigrist. Hier finden Sie den vollständigen Stadt-Alpsegen von Christoph Sigrist:

Bhüeti Gott

Es walti Gott und sini Geischtchraft
Mänsch und Hab, und alles, wo da ume isch,
bhüet Eus d’Müettere und Vätere i Jesus Christus,
Chind und Chegel,
Alti und Jungi,
Richi und Armi
Chranki und Gsundi,
bhüet Eus die,
wo glaubed und die wo nöd glaubed,
die wo eus allne Städtvätere und Stadtmüettere sind,
Stadtchind, Stadtschwöschtere und Stadtbrüedere.

Bhüet eus Gott alli Chrischte und Chrischtinne
Bhüet Eus Gott alli Muslimas und Muslime
Bhüet Eus Gott alli Jüdinnen und Jude,
Bhüet Eus Gott alli Schwöschtere und Brüedere
mit ihrem hinduistischen Glaube,
em buddhistische und em shintoistische Glaube.
All eusere heilige Tier, Fisch, Pflanze i eusere Stadt
I euserem Land und uf de ganze Erdä.

Bhüeti Gott
Bhüet eus Gott vor böser Stund
Eus alli im ganze Rund
Bhüet eus Gott vor Wetterschlag
Vor Chranked, Durscht und jedere Plag
Mer sind wach, achtsam und tapfer
Hebed zuenand
I Gott’s Name

Bhüeti, bhüeti, bhüeti Gott.

«Die Stadt steht seit 14 Tagen still. Und sie ist still geworden, sehr still», schreibt Sigrist im Begleittext zu seiner neuen Form der Segenssprechung, «in die Stille des Abends singen bis heute Sennen und Bauern im Alpstein – und auch in anderen Orten der Schweiz – den Alpsegen von den Alpzimmern aus der Höhe ins Tal. Damit besingen sie die Dankbarkeit über das getane Tagwerk und bitten Gott um Bewahrung und Schutz vor Unheil und Gefahren durch die Nacht.

Tägliches Hoffnungsbrot

Im Vorfeld von Ostern würden die abendlichen Segensklänge zu täglichem Hoffnungsbrot, das Stadt und Land stärkt, ermutigt und Zuversicht verleiht. Der Zürcher Stadtsegen als ökumenisches Zeichen lasse Ostern schon jetzt in die Tage vor Palmsonntag und Karfreitag hinein erklingen, so der Pfarrer.

Den Stadtsegen will Sigrist nun bis an Ostern regelmässig auf allen vier Seiten der Terrasse dem nach Karl benannte Turm rufen. Die genauen Daten: Freitag, 3. April, Montag bis Donnerstag 6. -9. April und Karsamstag am 11. April jeweils um 18.05 nach der Gebetsglocke. An Ostern, 12. April ist der Zeitpunkt noch offen.

 

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