ABO

Versicherung gegen Trockenheit: «Kurzfristig können wir solche Extremereignisse tragen»

Jeder zweite Versicherte mit Trockenheitsabdeckung meldete bis Ende Juli einen Schaden bei der SH Group. Hinzu kamen parametrische Deckungen. Wie gross das Ausmass des Schadens ist, wird sich aber erst mit der Ernte der Sommerkulturen zeigen.

3,2 Grad über der mittleren Monatstemperatur der Referenzperiode, regional weniger als 20 Prozent des durchschnittlichen Juliniederschlags und mancherorts über 140 Prozent der üblichen Sonnenscheindauer: So lautet die Kurzfassung des Klimabulletins von Meteo Schweiz für den Juli 2026.

Damit reiht sich der vergangene Monat ein in Wochen geprägt von Trockenheit und Hitze in weiten Teilen des Landes. Das hinterlässt Spuren und ist auch für die Versicherung Schweizer Hagel spürbar.

Viele Auszahlungen wegen Regendefiziten

Die Versicherung deckt Regenmangel bzw. Schäden durch Trockenheit mit verschiedenen Produkten ab. «Bis Ende Juli 2026 haben wir knapp 1100 Schadenmeldungen im Zusammenhang mit Trockenheit erhalten», gibt Adrian Aebi, CEO der SH Group Auskunft. Diese Zahl sei im Verhältnis zu den rund 2200 Versicherungsverträgen mit Trockenheitsdeckung zu sehen, fährt er fort.

«Das bedeutet, dass etwa jeder zweite Versicherte einen Schaden gemeldet hat.» Zusätzlich bestünden bei Schweizer Hagel rund 600 Verträge mit einer parametrischen Deckung für fehlenden Niederschlag. Hier braucht es keine Schadenmeldung durch den Versicherten und die Schadensabschätzung im Feld entfällt. Stattdessen erfolgt die Auszahlung automatisch auf der Basis von regionalen Wetterdaten.

«Zur genauen Anzahl der betroffenen Verträge können wir aktuell noch keine Angaben machen», so Aebi. Er gehe aber davon aus, dass bei einem grossen Teil der Verträge eine Auszahlung erfolgen werde.

Winterkulturen besser als befürchtet

Die gesamte Schweiz sei von der starken Trockenheit betroffen, beobachtet der CEO der SH Group. Die meisten Schadenmeldungen stammten jedoch aus den westlichen Landesteilen, wo auch die meisten Versicherungsverträge mit einer Trockenheitsdeckung abgeschlossen worden seien. «Viele Landwirte haben vorsorglich Schäden an Winterkulturen – Weizen, Gerste und Raps – gemeldet», berichtet Adrian Aebi. «Die Erträge waren glücklicherweise meist besser als befürchtet.» 

Deutlich stärker betroffen seien indes die Sommerkulturen, insbesondere Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen sowie das Grasland. Einzelne Betriebe hätten sehr grosse Ertragseinbussen zu verzeichnen. «Da ein Grossteil der stark betroffenen Kulturen noch nicht geerntet wurde, ist es aktuell noch zu früh, um das gesamte Ausmass der Schäden zu beziffern», hält Aebi fest.

«Die SH Group ist kerngesund»

Nach einer erfreulich tiefen Schadenbelastung im Vorjahr dürfte demnach 2026 für die SH Group/Schweizer Hagel teurer werden. Zwar ist die Genossenschaft auch im Ausland aktiv, mit Niederlassungen in Frankreich, Italien und Portugal. Aber die Trockenheit betrifft einen Grossteil Europas.

«Die SH Group ist kerngesund und gut aufgestellt», versichert Adrian Aebi und sagt weiter: «Kurzfristig können wir solche Extremereignisse tragen und stehen unseren Versicherten zur Seite.» Der Bund gewährt seit 2025 und befristet auf acht Jahre eine Prämienverbilligung von 30 Prozent auf Versicherungen gegen Trockenheit und Frost. Dies im Sinne einer Anschubfinanzierung, um die Verbreitung von Ernteversicherungen in der Schweiz zu fördern.

Für die Anpassungen braucht es alle

Mittelfristig reiche eine Versicherung jedoch nicht aus, um den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft zu begegnen, stellt Adrian Aebi klar. Es sei noch zu früh, um Angaben zu möglichen Prämienerhöhungen zu machen. Viel wichtiger erscheine es der SH Group, die richtigen Lehren aus dem Extremsommer zu ziehen.

«Dazu sind alle Akteure der Wertschöpfungskette, inklusive Konsument(innen) sowie die öffentliche Hand und wir Versicherer aufgerufen. Ohne Anpassungen wird es nicht gehen.» Damit die Landwirtschaft auch unter den Bedingungen des Klimawandels produzieren kann, sei ein ganzes Bündel von Massnahmen notwendig, ist er überzeugt.

Aebi nennt die Entwicklung neuer Anbaumethoden, die Förderung hitze- und trockenheitsresistenter Kulturen und Sorten sowie den Ausbau der Bewässerung dort, wo es sinnvoll und möglich ist.

Auf dem Weg zu mehr Klimaresilienz unterstützen

Die Antwort der SH Group/Schweizer Hagel auf diese Herausforderung heisst HagelAdapt. Mit diesem Programm will die Versicherungsgenossenschaft die Landwirtschaft auf dem Anpassungsweg unterstützen. Dazu gehören mitfinanzierte Projekte, Weiterbildungen, Veranstaltungen oder Rabattaktionen mit Partnern.

Seit 2025 besteht z. B. das Betriebsnetz Trockenheit in Zusammenarbeit mit AgroImpact in der Westschweiz. Das Ziel dabei ist, Trockenheitsschäden besser zu verstehen und Betriebe bei der Umsetzung von Massnahmen für eine höhere Klimaresilienz zu unterstützen. «Es ist zudem wichtig zu betonen, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht auf Trockenheit und Hitzewellen beschränkt sind», bemerkt Adrian Aebi. «Sie zeigen sich auch in der Zunahme von Frost, Starkniederschlägen und anderen extremen Wetterereignissen.» 

Weiterlesen

  • Noch sind die Seidenraupen klein, ausgewachsen werden bis zu neun Zentimeter gross.

    70 000 Seidenraupen kann der Luzerner Bauer Daniel Spengler gleichzeitig aufziehen

    Die Fluck Seidenfarm in Menznau LU gehört zu den vier grössten Seidenfarmen der Schweiz. Bis zu 70 000 Raupen könnte die Familie Spengeler gleichzeitig aufziehen.
    Show more
    ABO
  • Düngung optimieren: Aargauer Modell spart Mineraldünger und Kosten auf Höfen

    ABO
  • Mehr Ruhe im Schweinestall: Diese FiBL-Praxistipps verbessern Ruhe und Fleischqualität