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Düngung optimieren: Aargauer Modell spart Mineraldünger und Kosten auf Höfen

Das Vorbild der Düngeberatung im Aargau soll nun weiteren Kantonen dienen, um Hof- und Recyclingdünger optimaler einzusetzen, die Stickstoff-Effizienz zu verbessern und Mineraldünger zu sparen.

Seit vielen Jahren bietet der Bauernverband Aargau (BVA) eine Fachberatung für Landwirte und Abgebende von Hof- und Recyclingdüngern an. Die Erfahrungen seien positiv, das Potenzial noch immer gross, sagt Fachberater Othmar Vollenweider vom BVA. Allerdings hätten die Bauern in den letzten Jahren schon viel gemacht, um den Einsatz von Hof- und Recyclingdüngern bezüglich Zeitpunkt und Mengen zu optimieren. «Damit lässt sich viel Kunstdünger und Geld sparen, bei gleichen Erträgen.»

Zumal diese Dünger von den Abgebenden, wie flächenknappen, tierintensiven Betrieben oder Vergärungsanlagen, in der Regel kostenlos geliefert werden. Gerade in trockenen Jahren wie aktuell böten solche flüssigen Volldünger viele Vorteile gegenüber Kunstdüngern. «Das aktuelle Wetter ist allerdings eine grosse Herausforderung für eine wirksame Düngung.»

Mehr Lagervolumen schaffen

Potenzial sieht Vollenweider noch bei der Schaffung von mehr Lagervolumen. In den Monaten März bis Juni könnten mehr Hofdünger für den Einsatz im Ackerbau vermittelt und verwendet werden, da sei das Angebot aber geringer als im September und Oktober, wenn die Tierhaltungsbetriebe ihre Lager für den Winter noch leeren wollen. Auch Gärbetriebe hätten oft nur beschränkte Lagervolumen.

Neue Düngerprodukte könnten die Stickstoff-Effizienz noch verbessern. Vollenweider erwähnt solche von der Swiss Farmer Power Anlage in Inwil LU, wo aus Vergärung von Biomasse nicht nur Energie, sondern durch Ultrafiltration und Umkehrosmose ein Flüssigdünger mit hohem Nährstoffgehalt entstehe.

Erfahrungen aus dem Aargau nutzen

In der Düngeberatung würden im Rahmen einer schriftlichen Vereinbarung nicht nur Nährstoffbilanzen gerechnet und die Düngerbuchhaltung Hoduflu für die Bauernbetriebe geführt, sondern immer wieder auch Tipps für die «gute landwirtschaftliche Praxis» vermittelt, erklärt Vollenweider.

Nun sollen die Erfahrungen der Düngeberatung des BVA auch in anderen Kantonen genutzt werden. Dies im Rahmen des schweizweiten Ressourcenprojekts «Mineraldünger ersetzen», das seit 2025 läuft. In der Trägerschaft sind neben dem BVA auch Biomasse Schweiz, IP Suisse, das Kompostforum Schweiz, Ökostrom Schweiz sowie Suisseporcs vertreten.

Importierte Mineraldünger würden wesentlich zu den Stickstoffüberschüssen in der Schweizer Landwirtschaft beitragen, heisst es im Projektbeschrieb. Deshalb sollen einheimische Dünger besser genutzt werden. Hof- und Recyclingdünger sollen so aufbereitet werden, dass sie eine effiziente Stickstoffnutzung ermöglichen und eine hochwertige Alternative zu importierten Mineraldüngern aus fossiler Quelle darstellen, schreibt der BVA.

Ausbildung zum Stickstoff-Coach

Ein Kernstück des Projekts sei die Ausbildung von sogenannten Stickstoff-Coaches. Die werden in einem Ausbildungslehrgang geschult, damit sie den Landwirten die wesentlichen Einflüsse auf das Stickstoffmanagement vermitteln können.

Dazu gehört vor allem auch die Anwendung und der optimale Einsatz von Hof- und Recyclingdüngern. Derzeit läuft die Anmeldung für den ersten Lehrgang. Dazu gehören zweieinhalb Kurstage, ein Online-Austausch und drei bis sechs Tage Selbststudium.

Jeder Stickstoff-Coach wird auf einem von 25 Projektbetrieben begleitet, um die Projektziele zu erreichen. Othmar Vollenweider erklärt: «Die Stickstoff-Nutzungseffizienz von solchen Düngern soll um mindestens fünf Prozent erhöht werden, der betriebliche Stickstoff-Saldoüberschuss pro ha düngbarer Fläche um mindestens zehn Prozent und der Einsatz von Mineraldünger-Stickstoff um mindestens 30 Prozent gesenkt werden.»

Es hat noch Plätze frei

Angesprochen werden Landwirte EFZ mit Weiterbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung. Die Ausbildung startet im November 2026, Anmeldeschluss ist der 30. September.

Das Interesse sei erfreulich, innert weniger Tage nach dem Start der Ausschreibung Anfang Juli seien bereits neun Anmeldungen für den Kurs mit 12 Plätzen eingegangen, sagt Annelies Übersax von Agrofutura, welche zusammen mit der Agridea für die Ausschreibung der Ausbildung zuständig ist. «Wir sind positiv überrascht, das liegt über den Erwartungen.» Es habe aber noch Plätze frei, motiviert sie weitere Interessierte.

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