Low Stress Stockmanship (LSS) ist eine Methode für einen stressarmen und sicheren Umgang mit Tieren. Sie beruht auf Einfühlungsvermögen und gegenseitigem Vertrauen und Respekt. LSS für Schweine ist noch recht neu. Im Folgenden sind einige Praxistipps zusammengefasst.
Vor dem Treiben sollten alle fremden und störenden Objekte aus dem Weg geräumt werden. Schweine sind sehr neugierig, aber auch ängstlich. Jeder Eimer, Besen und Gullydeckel wird von Schweinen ausführlich begutachtet, was zu unerwünschten Verzögerungen führen kann. Besonders gelbe Gegenstände sind zu vermeiden, da Gelb für Schweine eine Warnfarbe ist. Ein guter Trick ist ausserdem, den Weg, den die Schweine gehen sollen, vorher abzulaufen und auf Höhe des Oberschenkels mit der Handykamera zu filmen. Dann sieht man im Video, wie die Schweine den Weg sehen würden.
Der wichtigste Sinn der Schweine sind allerdings ihre Ohren. Je ruhiger die Umgebung, desto ruhiger sind auch die Tiere. Besonders zu vermeiden sind Geräusche von Metall auf Metall. Dies erzeugt für Menschen nicht wahrnehmbare, aber für Schweine sehr unangenehme Frequenzen. Ein Stück Fahrradschlauch am richtigen Ort an einer Waage kann manchmal Wunder bewirken. Ausserdem sind viel Deo oder Zigarettengeruch zu vermeiden, da sie die feinen Nasen der Tiere irritieren.
Hilfreiche Details
Ich leite einen Schweinezuchtbetrieb mit 30 Mutterschweinen, einem Zuchteber, 100 Ferkeln und Jagern sowie 13 Mastschweinen.
Wir bewegen unsere Tiere täglich und versuchen, diese Vorgänge möglichst stressfrei zu bewältigen. Vor allem auch das Ein- und Ausladen der Tiere beim Transport in den Schlachthof soll möglichst gut und ruhig funktionieren, da es einen Einfluss auf die Fleischqualität haben kann. Ich habe bei einem Kurs zu LSS teilgenommen und fand es sehr lehrreich. Mitgenommen habe ich unter anderem, wo ich stehen soll, wenn ich das Tier treibe, und welchen Untergrund einer Verladerampe Schweine mögen. Auch habe ich gelernt, dass die Laderampe sich beim Betreten möglichst nicht bewegen und keinen Lärm verursachen soll. Erstaunt war ich auch, wie wichtig die Farbe des Treibebretts und meiner Kleider ist.
Das alles versuche ich immer wieder bei meinen täglichen Begegnungen mit den Tieren zu berücksichtigen. Einige Massnahmen haben wir bereits umgesetzt, andere brauchen noch etwas Zeit.

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