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Futtervorräte vorausschauend planen: Reicht das Futter bis zur nächsten Ernte?

Reicht das Grundfutter bis zur nächsten Ernte? Eine vorausschauende Futterplanung entscheidet nicht nur über die Versorgung der Tiere, sondern auch über die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs.

Kurz & bündig

  • Eine realistische Schätzung des Grundfutterbedarfs und die Einplanung von genügend Reserven sind entscheidend, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen.
  • Wegen der zunehmenden Trockenheitsproblematik rechnen heute viele Betriebe bei der Futterplanung mit einem Sicherheitszuschlag von 25 bis 30 Prozent.
  • Alternative Futterquellen wie Zwischenfutter, Ganzpflanzensilage oder Sorghum können helfen, Versorgungslücken zu schliessen.

Die Planung der Futtervorräte gewinnt auf tierhaltenden Betrieben zunehmend an Bedeutung. Wetterextreme, insbesondere Trockenperioden, erschweren die Einschätzung, ob die eigenen Vorräte bis zur nächsten Ernte reichen. Faktoren wie Ertragsschwankungen machen eine realistische Einschätzung des Grundfutterbedarfs zusätzlich anspruchsvoll.

Entsprechend wird eine vorausschauende Planung immer wichtiger. «Grundsätzlich gilt: je früher, desto besser. Wenn man beispielsweise merkt, dass die ersten beiden Schnitte nicht den üblichen Ertrag gebracht haben oder der Niederschlag knapp ist, kann bereits reagiert werden», sagt Anja Schmutz, Beraterin für Tierhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.

Grundfutterbedarf einschätzen und Futterbestände erfassen

Die Grundlage jeder Futterplanung ist eine realistische Einschätzung des Grundfutterbedarfs. Dazu braucht es Kenntnisse über die Ration und den Trockensubstanzverzehr der Tiere. Ist die Tagesration bekannt, lässt sich der Bedarf einfach hochrechnen.

Als Hilfsmittel gibt es unter anderem digitale Futterpläne (z. B. Fuplan oder Rumiplan), mit welchen die Futterbilanz berechnet werden kann. «Es empfiehlt sich, die Ernte jeweils nach Menge und Qualität zu rapportieren, um den Überblick zu behalten», so Schmutz. Gleichzeitig spielt die Erfahrung auf dem Betrieb eine wichtige Rolle.

Die Futterbestände sollten genau erfasst werden. Nur so lässt sich beurteilen, ob das vorhandene Angebot den Bedarf deckt. «Im Spätherbst, wenn alle Erntearbeiten abgeschlossen sind, sollen die Futterbestände genau erhoben werden und das Angebot dem Bedarf gegenübergestellt werden», rät Schmutz.

Anja Schmutz macht darauf aufmerksam, alle Tiergruppen bei der Futterplanung zu berücksichtigen: «Das Jungvieh und eventuell vorhandene Kleintiere dürfen bei der Bilanzierung nebst einer gewissen Reserve nicht vergessen werden.»

(Bild: privat)

«Ist das Futter immer eher knapp, ist zu überlegen, ob es in der Fruchtfolge noch Platz für Zwischenfutter hat.»

Anja Schmutz, LZ Liebegg

Ertragsschwankungen erschweren die Planung

Bei der Vorratsplanung muss beachtet werden, dass sich die Futtereigenschaften verändern können. Anja Schmutz nennt dazu ein konkretes Beispiel: «Nehmen wir das Beispiel Maissilage. Die Stärkeverdaulichkeit steigt mit zunehmender Lagerdauer, das bedingt teilweise Anpassungen in der Fütterung.»

Noch deutlicher zeigen sich Schwankungen bei Graskonserven. Die NEL- und Proteingehalte von Dürrfutter und Grassilage können sich je nach Grasbestand, Schnitt und Witterungsverhältnissen stark unterscheiden.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Futterverluste. Diese werden in der Praxis teilweise unterschätzt, obwohl sie die verfügbare Menge und Qualität erheblich beeinflussen können. «Ist zum Beispiel im Hochsilo eine Türe nicht sauber verschlossen respektive verdichtet worden, kann die Qualität grossflächig gelitten haben. Dasselbe gilt für Siloballen mit Löchern oder Nacherwärmungen im Fahrsilo aufgrund ungenügender Verdichtung oder zu wenig Vorschub», macht Schmutz aufmerksam.

Die Folgen solcher Verluste sind mehr Futter, das nicht verfüttert werden kann und entsorgt werden muss, sowie eine geringere Qualität und Schmackhaftigkeit. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Tierbestand. «Schlechtes Futter wirkt sich immer negativ auf den Verzehr, die Tiergesundheit und die Fruchtbarkeit aus», so Schmutz. Wenn die Nährstoffgehalte der Futtermittel ungenügend sind, steigen zudem die Kosten in der Fütterung, da mehr in die Ergänzungsfütterung investiert werden muss.

Genügend Reserven in trockenen Jahren einplanen

Mit Blick auf die Sicherheitsreserven hat sich die Praxis in den vergangenen Jahren verändert. Trockenperioden und Wetterextreme führen dazu, dass heute anders kalkuliert wird. «Früher wurde oft ein Sicherheitszuschlag von 15 Prozent empfohlen. Mit zunehmender Trockenheitsproblematik veranschlagen heute viele LandwirtInnen eher einen Zuschlag von 25 bis 30 Prozent», weiss Anja Schmutz aus Erfahrung.

Mit dieser Entwicklung wird der Zukauf von Grundfutter künftig häufiger nötig werden. «Auf trockene Lagen trifft das mit Sicherheit zu, sofern keine anderen Lösungen möglich sind, wie zum Beispiel die Auslagerung der Aufzucht, die Alpung usw.», sagt Schmutz.

Wenn die Vorräte knapp werden, ist schnelles Handeln gefragt. Wird Futter zugekauft, sollten sich LandwirtInnen vorher genau überlegen, was in der Ration benötigt wird und zur Fütterungsstrategie passt:

  • Strukturlieferanten
  • Energiebetonte Futtermittel
  • Proteinbetonte Futtermittel
  • Ideale Pansenabbaubarkeit

Bei einem schlechten bzw. ertragsarmen ersten Schnitt ist hauptsächlich Grassilage und/oder Heu gefragt. Bei einem tieferen Maissilageertrag kann nebst der Nachfrage nach Mais auch die Nachfrage nach Zuckerrübenschnitzeln steigen.

Weiter sind auch die Lagerungsmöglichkeiten und die Kosten entscheidend. Neben dem Preis pro dt TS gilt es auch die Preise pro MJ NEL, pro kg APDE oder pro kg APDN zu berücksichtigen.

«Die Futtermittelpreise werden dadurch indirekt beeinflusst, weil das Angebot und die Nachfrage den Preis bestimmen», so Schmutz. Die Grundfutterpreise seien aktuell stabil und vergleichbar mit anderen Jahren. Dauert die Trockenheit aber weiter an, ist mit einem Preisanstieg zu rechnen.

«Der Zukauf ab Feld bietet sich vor allem bei Mais an; Grassilage und Heu kommen eher vom Handel oder von Berufskollegen», so Schmutz. Die Richtpreise für Futtermittel werden unter anderem durch den Schweizer Bauernverband (SBV) publiziert.

Beim Zukauf bestehen auch Risiken. Ein Zukauf von Grundfutter hat immer das Risiko zur Folge, Blackensamen oder andere unerwünschte Unkräuter in den Betrieb einzuschleppen.

Eigene Reserven zu haben, ist deswegen nie falsch. «Das verschafft Transparenz über die Futterqualität und ermöglicht die Kontrolle unerwünschter Unkrautsamen», verdeutlicht Anja Schmutz.

Die anhaltende Trockenheit stellt in diesem Jahr viele TierhalterInnen vor Herausforderungen.(Bild: BauernZeitung / Viktor Dubský)

Mit alternativen Futterquellen Lücken schliessen

Neben dem Bilden von Futterreserven lohnt sich ein Blick auf die Fruchtfolge. Alternative Futterquellen können helfen, Versorgungslücken zu schliessen.

«Ist das Futter immer eher knapp, ist zu überlegen, ob es in der Fruchtfolge noch Platz für Zwischenfutter hat», sagt Anja Schmutz. Der Anbau von Zwischenfutter ist eine mögliche Lösung, um kurzfristig Futterreserven aufzubauen. «Beim Anbau muss aber der langfristigen Bodengesundheit genügend Beachtung geschenkt werden», so Schmutz. Sinkt die Bodenfruchtbarkeit, so sinken auch die Erträge.

Auch Ganzpflanzensilage (GPS) bietet eine gewisse Ertragssicherheit und kann als «Back-up» in der Fütterung verwendet werden, um drohende Lücken zu füllen. «Trockenheitstolerantes Sorghum kann bei der Jungviehfütterung eine Alternative darstellen», ergänzt Schmutz.

Schmutz betont die zentrale Rolle der «klassischen» Grundfuttermittel: «Diese sind aufgrund ihrer Nährwerte kaum zu ersetzen, insbesondere nicht bei laktierenden Kühen.» Dennoch gibt es Ergänzungen mit Potenzial.

Die Futterplanung bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor. «Die Futtereffizienz ist sehr wichtig, da die Futterkosten immer einen grossen Anteil der Produktionskosten ausmachen», betont Schmutz. Entsprechend wirkt sich eine schlechte Futterplanung direkt auf die gesamte Wirtschaftlichkeit aus.

Trockenheit und Weidebeitrag: Das gilt

Ein besonders hoher Auslauf- und Weideanteil beim Rindvieh wird vom Bund mit dem Produktionssystembeitrag «Weidebeitrag» gefördert. Voraussetzung dafür sind zwischen Mai und Oktober 26 Weidetage pro Monat, zwischen November und April 22 Tage pro Monat. Zusätzlich müssen die Weideflächen ausreichend gross sein, damit die Tiere an Weidetagen mindestens 70 Prozent ihres Tagesbedarfs an Trockensubstanz über das Weidefutter aufnehmen können.

In Fällen höherer Gewalt ist gemäss Direktzahlungsverordnung eine Zufütterung von mehr als 30 Prozent möglich. Voraussetzung ist, dass die berechnete Weidefläche grundsätzlich vorhanden ist, aufgrund mangelnden Nachwuchses jedoch nicht genügend Futter zur Verfügung steht. Tritt eine solche Situation ein, muss der Fall «höhere Gewalt» innerhalb von 10 Tagen dem kantonalen Landwirtschaftsamt gemeldet werden.

Unabhängig davon muss der Auslauf an den vorgesehenen 26 Tagen pro Monat weiterhin gewährleistet sein. In der Regel sollte dabei ein angemessener Weideanteil erhalten bleiben, da bei den nominellen 70 Prozent grundsätzlich weiterhin ein gewisser Anteil an Weidefutter vorhanden sein sollte.

Wichtig ist ausserdem eine sorgfältige und lückenlose Führung des Wiesenjournals. Im Rahmen von Kontrollen muss nachvollziehbar sein, dass der Futteraufbau für normale Wachstumsphasen vorausschauend geplant und nicht versäumt worden ist.

Quelle: BauernZeitung

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