Raps ist eine heikle, aber wertvolle Kultur, die ganze 11 Monate auf dem Feld steht. Eine lange Zeit, in der viel passieren kann. Da erscheint es wie eine beruhigende Versicherung, eher mehr als weniger Körner/m² zu säen.
Eine geringere Saatdichte habe aber viele Vorteile, hält Till Birk dagegen. «Das sehen wir in Feldversuchen deutlich. Und ich habe Kunden, die mit 30 Pflanzen/m² 40–50 kg/a dreschen», schildert der Aussendienstmitarbeiter der UFA Samen AG. Seine Devise lautet daher: Runter mit der Saatdichte.
Weniger Krankheiten und tiefere Feuchtigkeit der Körner
Mit weniger Pflanzen pro Fläche hat jede mehr Platz und gleichzeitig ist der Bestand luftiger. «Dadurch sinkt der Druck durch Pilzkrankheiten und die Körner haben beim Drescher tendenziell einen tieferen Feuchtigkeitsgehalt», sagt Birk.
Der Raps nutze den zusätzlichen Raum und bilde mehr Seitentriebe, wodurch am Ende bei geringerer Saatdichte derselbe Ertrag resultieren könne. Gleichzeitig werden die Stängel dicker, was die Standfestigkeit erhöhe.
Weniger für Hybridsorten gegenüber Liniensorten
Die Empfehlungen zur richtigen Saatdichte von Raps gehen weit auseinander – sie reichen beispielsweise in einem Strickhof-Merkblatt von 30 bis 60 Körner/m². Mehr Körner pro Fläche berücksichtigen zwar im Vorhinein Verluste. Diese «Versicherung» kann aber nachteilig werden, wie KWS erklärt.
«Überzogene Bestandesdichten führen oft zu schlechteren Rapserträgen durch verminderte Einzelpflanzenentwicklung, schlechtere Wurzelausbildung, höhere Lagerneigung und erhöhte Krankheitsanfälligkeit», ist auf ihrer Website zu lesen. Die Saatgutfirma empfiehlt, bei den wuchsstärkeren Hybridsorten im Vergleich zu Liniensorten je nach Standort die Saatstärke um 15–20 Prozent zu reduzieren.
Die Saattechnik erweist sich als weniger wichtig
Die Hybridsorte Blackmoon hat in den UFA-Versuchen anlässlich der Feldtage in Kirchberg BE dieses Jahr bei einer Saatdichte von 40 Körnern/m² in Einzelkornsaat 49,1 kg/a Ertrag geliefert. Bei 25 Körnern/m² – ebenfalls in Einzelkornsaat – waren es sogar 49,6 kg/a. Diese Flächen wiesen zudem eine geringere Feuchtigkeit auf (5,7 Prozent gegenüber 6,2 Prozent).
Weder diese Resultate, noch frühere Versuche von UFA zeigten einen markanten Ertragsunterschied je nach Saattechnik. Egal ob breit oder als Einzelkorn-Saat: Das starke Kompensationsvermögen des Rapses scheint ihm zu erlauben, mit annähernd der Hälfte der Anzahl Pflanzen pro Fläche denselben Ertrag zu erzielen. 25–30 kräftige Rapspflanzen pro m² reichen für einen Vollertrag aus, heisst es auch beim Strickhof.
Es ginge mit noch weniger Saatgut
«30–35 Körner/m² sind in den meisten Fällen passend», gibt Till Birk einen Richtwert für die Saatdichte. Da ist doch noch eine gewisse Sicherheitsmarge eingerechnet, ohne bei unerwartet doch optimalen Bedingungen allzu dicke Bestände zu riskieren.
Manche seiner Kunden würden zwar auch auf bis zu 20 Körner/m² reduzieren. «Aber das sind Hardcore-Rapsbauern, die ihre Felder jeden Tag kontrollieren, die Düngung optimieren und mit Blattanalysen arbeiten», schränkt Birk ein. Dafür können solche Landwirte mit nur einer Saatgut-Dose sieben Hektar säen, was sich auf grossen Anbauflächen durchaus rechne. Dass lockerer gesäter Raps eher eine Verkürzung brauche, beobachtet der UFA-Berater nicht. «Da kommt es eher auf andere Faktoren an.»
Ein gutes Saatbett: «krümelig, kein Pulver»
Die optimale Saatdichte bringt nichts, wenn die Körner in keinem guten Saatbett liegen. Raps ist bekannt dafür, empfindlich auf Verdichtungen zu reagieren. Die Kultur sei eine wahre Diva, bestätigt Till Birk. «Oder schon fast eher eine Prinzessin auf der Erbse», verdeutlicht er. In der Praxis führten Fahrspuren aus dem nassen Jahr 2024 noch immer zu Einbussen im Raps.
Laut UFA sind für einen guten Rapsertrag Aussaatzeitpunkt und -dichte sogar weniger wichtig als die jeweiligen Bodenbedingungen. Demnach sollte das Saatbett gut abgesetzt und feinkrümelig sein. «Krümelig, kein Pulver», betont Birk. Seiner Meinung nach lohnt es sich, Zeit in eine gute Bodenbearbeitung vor der Rapssaat zu investieren. Zumal danach dank der langen Kulturdauer über Monate Bodenruhe herrscht.
Mit einem Tiefenlockerer liessen sich vorgängig Verdichtungen angehen. «Nur die Erde heben und fallen lassen, nicht mit einem Tiefgrubber malträtieren», bemerkt er. Die Körner sollten ihm zufolge in trockene Erde kommen, maximal 1 cm tief. Anschliessendes Walzen fördert den Bodenschluss.
Frühe Saat schützt nur bedingt vor Erdflöhen
Und was ist mit Erdflöhen? Der Saatzeitpunkt kann zum vorsorglichen Pflanzenschutz eingesetzt werden. Dies mit dem Ziel, den Pflanzen einen Vorsprung auf den Einflug des Erdflohs zu geben. Er sollte zu dieser Zeit aus dem besonders heiklen Keimblattstadium heraus sein, so die Überlegung.
«Eine zu frühe Saat erhöht allerdings das Risiko von Stängelbildung und somit Auswinterungsschäden», steht im Strickhof-Merkblatt. Der Saatzeitpunkt beeinflusse die Schädigung durch den Rapserdfloh, eine pauschale Aussage dazu sei allerdings schwierig. Auch ein Versuch des Forums Ackerbau zu verschiedenen Saatterminen ergab im ersten Jahr kein einheitliches Bild. Die Verantwortlichen verweisen auf konsolidierte Resultate in den kommenden Versuchsjahren.
Erschwerend kommt bei der Frage nach dem richtigen Saatzeitpunkt hinzu, dass der Einflug des Erdflohs nicht immer gleich verläuft. Gemäss dem Forum Ackerbau findet er nach einem heissen Sommer eher früher statt, was mehr für einen späteren Saattermin des Rapses sprechen würde.

