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Plocher im Einsatz: Klarer Weiher und bessere Gülle – doch Wirkungsweise bleibt unklar

Der Bellacher Weiher wurde von der Algensuppe zum klaren Gewässer. Seit über zehn Jahren setzen die Landwirte im Einzugsgebiet Plocher-Produkte ein und berichten von erstaunlichen Effekten.

18 Landwirte in den drei Solothurner Gemeinden Bellach, Selzach und Lommiswil haben im Rahmen eines Pilotprojekts Produkte der Firma Plocher eingesetzt. Der Erfolg lässt sich sehen – und riechen. Der Bellacher Weiher ist nicht mehr von Wasserpflanzen verstopft und beteiligte Landwirte berichten von einer guten Wirkung von Plocher auf ihren Betrieben. Das erstaunt, denn wie die Produkte wirken, kann niemand so genau erklären (siehe Kästen).

Sowohl im Gewässer selbst als auch im Einzugsgebiet

Die Ausgangslage: 2004 war der Bellacher Weiher in schlechtem Zustand. Das 3,3 ha grosse Kleingewässer war mit Nährstoffen angereichert, wodurch grosse Teile der Wasseroberfläche überwachsen waren. Auch unter Wasser machten sich Pflanzen breit.

Der Bewuchs musste händisch mit einem Rechen abgeschöpft, und der Weiher jährlich entkrautet werden. Zwei Massnahmen haben laut den Projektverantwortlichen dazu geführt, dass das Gewässer nun als saniert gilt.

Einerseits der Einsatz von Plocher-Zylindern (Biokatalysatoren) und Produkten in der Sedimentschicht, um das Wachstum der fauligen Schlammschicht zu stoppen. Andererseits wurden ab 2010 allen Landwirten im Einzugsgebiet des Weihers kostenlos Plocher-Produkte zur Verfügung gestellt.

Solche Biokatalysatoren wurden im Bellacher Weiher versenkt. Sie sollen zum Milieuwechsel in der Sedimentschicht beigetragen haben.(Bild: D. Horisberger)

Wirkung durch «Informationen»

Das Sortiment der deutschen Firma Plocher ist breit und umfasst für die Landwirtschaft Produkte zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit (direkt oder via aufbereitete Hofdünger), zur Pflanzenstärkung und zur Vitalisierung von Wasser. Zum Zug kommen je nach Einsatzgebiet andere Trägermaterialien, um die notwendigen «Informationen» zu transportieren.
Dies mit dem Ziel, ein optimales Milieu wiederherzustellen. Es ist die Rede vom «aeroben Agrarmanagement». So soll etwa mit Informationen beladene Melasse Böden aktivieren und Nährstoffe besser verfügbar machen oder informiertes Calciumcarbonat als Güllezusatz die Verstoffwechselung des Hofdüngers verbessern.

Weniger Nährstoffe verloren

Das Fazit 2025: Die Anwendung von zweimal jährlich Bodenaktivator und jeweils Kompostierungsprodukten bei Gülle und Festmist habe für aktivere Böden, bessere Nährstoffverfügbarkeit und weniger Nährstoffverluste durch Oberflächenabflüsse und Drainagen gesorgt.

«Dadurch hatten die Landwirte einen Anreiz, ihre Düngergaben auf freiwilliger Basis zu reduzieren und damit Kosten einzusparen», so der ETH-Naturwissenschaftler Adrian Nufer, der ein Ökobüro in Zürich führt und vom Plocher-System überzeugt ist.

Es braucht weniger Kunstdünger

 «Das ist so – ohne Witz und Zauber», sagt Stefan Zuber, einer der beteiligten Landwirte aus Lommiswil. Er führt einen gemischten Betrieb mit Milchwirtschaft und intensivem Ackerbau. Zuber berichtet von einer besseren Gülleverträglichkeit und Stapelmist, der sich schneller zersetzt.

«Rein vom Geruch her ist der Unterschied gross», findet er. Die Anforderungen für den Produktionssystembeitrag «Effizienter Stickstoffeinsatz» kann der Solothurner erfüllen, denn er bringt weniger Kunstdünger aus.

Plocher scheint die Nährstoffe seiner Hofdünger tatsächlich besser verfügbar zu machen, was den Bedarf an zusätzlichem Stickstoff aus dem Sack reduziert. Ganz ohne Kunstdünger gehe es allerdings nicht, schränkt er ein. «Ich habe schlicht zu wenig Hofdünger bzw. Gülle.»

«Solange es etwas bringt, stimmt das für mich»

Den Bodenaktivator von Plocher mischt Stefan Zuber zu Fungizid- und Herbizidspritzungen. Den flüssigen Güllezusatz gibt er zum Rühren bei. Dessen Wirkung trete schnell ein, «der Geruch schwindet».

Für Zuber ist die Wirkung von Plocher augenfällig. Er kann gut damit leben, dass es keine wirkliche wissenschaftliche Erklärung gibt. «Solange es etwas bringt, stimmt das für mich.» Zumal keine Chemie ins System kommt.

Bei den physischen Zutaten – den Trägermaterialien der notwendigen «Informationen» – handelt es sich um Bio-Melasse, Dolomit, Calciumcarbonat oder Magnesiumsulfat. Aus Zubers Sicht lautet die Devise: ausprobieren. «Wenn man es nicht selbst einsetzt, kann man sich sonst kein Bild davon machen», findet er.

Dieses Jahr hat Zuber Freude an seinem Mais, den er nach einer langjährigen Kunstwiese mit Streifenfrässaat angebaut hat. Die Kultur erhielt Plocher-behandelten Stapelmist sowie den Plocher-Bodenaktivator mit dem Herbizid-Split. «Der Mais ist dunkelgrün, obwohl er keinen Harnstoff bekommen hat», schildert der Solothurner. Aufgrund seiner guten Erfahrungen will Zuber mit Plocher weitermachen. Auch wenn er die Produkte dereinst selbst bezahlen muss.

Stefan Zubers Mais zeigt sich dunkelgrün, auch wenn er keinen Harnstoff erhalten hat.(Bild: Privat)

Vorteile gegenüber ähnlichen Produkten auf dem Markt

Was Effekte auf dem Feld angeht, ist Markus von Burg zuversichtlich. Auf einer Parzelle, die mit Plocher aufgewertete Gülle erhalten hatte, habe er einen hervorragenden Weizenertrag gesehen.

Wie sein Berufskollege beobachtet der Biolandwirt eine deutliche Wirkung im Umgang mit seinen Hofdüngern. «Ich taste mich noch heran, man kann auch zu viel zugeben», sagt er. Den Geruchsunterschied bei Gülle und Mist kann er klar bestätigen.

Gegenüber anderen Biostimulanzien und ähnlichen Produkten, die es mittlerweile in grosser Zahl auf dem Markt gibt, sieht er bei Plocher den Vorteil eines geringen Energieaufwands. «Die graue Energie ist z. B. bei Kunstdünger viel höher.» Ausserdem erleichterten eine vitalere Kultur und ein aktiveres Bodenleben die Beikraut-Kontrolle.

Gute Wirkung gegen Fliegen im Stall

Ein Hindernis stelle möglicherweise der hohe Preis für die Produkte dar, ergänzt Markus von Burg. «Und bei chemischen Mitteln oder Kunstdünger sieht man meist sofort einen Effekt», so der Biolandwirt. Am meisten überzeugt Markus von Burg Plocher im Stall, genauer gesagt im Tiefstreu.

«Es ist schon fast verrottet, wenn ich es rausnehme, der Geruch ist reduziert und auch Fliegen hat es weniger», schildert er. Plocher ist für ihn ein effektives Mittel gegen die Fliegenplage.

Schwimmdecken verschwinden in Minuten

Wie sich der Bellacher Weiher seit Projektbeginn vor gut 20 Jahren verändert hat, beeindruckt Christian Hofer. «Früher war das ein grausames Bild, der Weiher verlandete und man hat mit Booten den Schlamm entfernt. Bis es hiess, da sei nichts mehr zu retten», erinnert er sich. Nun sehe man dank des klaren Wassers wieder bis auf den Grund. Der Unterschied, den die Luftbilder zeigten, sei kaum zu glauben.

 «Wenn man es beim Rühren in die Gülle gibt, ist sichtbar, wie es arbeitet – es schäumt», sagt Hofer. Schwimmdecken würden innert Minuten verschwinden, die Gülle werde fliessfähiger und homogener. Für ihn als Schweinehalter ist der Effekt auf den Geruch besonders eindrücklich. Hofer gibt den Güllezusatz regelmässig in Schwemmkanäle und eben zum Aufrühren in die Güllegrube.

Oberfläche der mit Plocher-«Flüssighumus» behandelten Gülle bei einem der beteiligten Betriebe.(Bild: Adrian Nufer)

Spitzenerträge auf einer Schüttfläche

Möglicherweise haben die «Informationen» aus Güllezusatz und Bodenaktivator von Plocher dabei geholfen, eine Fläche von Christian Hofer mit schwieriger Vergangenheit zu verbessern: Es handelt sich um eine Schüttung. Oberboden von verschiedenen Aushubstellen kam dort zusammen, was einen sehr heterogenen Untergrund ergab.

Wie vorgeschrieben baute der Landwirt auf dieser Parzelle nach dem Aufschütten fünf Jahre lang Luzerne an. Die tiefwurzelnde Pflanze brachte Struktur in den Boden – vielleicht unterstützt durch die Plocher-Produkte.

«Ich staune, wie sich das erholt hat», meint Hofer. Er bewirtschaftet die Schütt-Fläche nun seit 15 Jahren, lässt darauf immer wieder Luzerne wachsen und erzielt Spitzenerträge im Ackerbau. Gerade heuer ist er erstaunt, wie lange der Mais dort trotz Trockenheit und Hitze grün bleibt.

Christian Hofer hat die Plocher-Produkte unter anderem auf einer Schüttfläche eingesetzt, wo sie möglicherweise den Bodenaufbau unterstützt haben.(Bild: Privat)

«Ich staune, wie sich das erholt hat»

Was, wenn die Gemeinden nicht mehr helfen?

Ob Plocher auch andernorts die Struktur seiner Böden verbessert hat, fällt Christian Hofer schwer zu beurteilen. Dass diese «Informationen» aber irgendetwas bewirken, hat für ihn der Bellacher Weiher bewiesen.

Die grosse Frage bleibt, ob er die Plocher-Produkte auch einsetzen würde, wenn die Gemeinden nicht länger für die Kosten aufkämen. Ohne Ertragssteigerung und angesichts tiefer bzw. stark schwankender Produzentenpreise ist er sich nicht sicher, ob er sich das leisten könnte.

Ein Rechenbeispiel zu Kosten und Nutzen von Plocher

Die Plocher-Produkte passen zur heutigen Zeit, findet Adrian Nufer. Alle suchten etwas, das ökologisch und ökonomisch stimme, begründet er. Aus seiner Sicht erfüllen die Mittel aus Deutschland, die mit Informationen das System beeinflussen, statt chemisch einzugreifen, beide Kriterien.

Zur wirtschaftlichen Effizienz der Produkte führt Nufer ein Rechenbeispiel für die Güllebehandlung an. Da koste Plocher pro GVE und Jahr etwa zehn Franken. «Dafür erhält man: Geruchsreduktion, Einsparungen beim Strom für das Rührwerk, Fliegenreduktion, weniger Krankheiten im Stall, Kompostgülle, weniger Nährstoffverluste, Bodenaufbau, mehr Fulvosäuren, Umwelt- und Gewässerschutz und weitere Effekte», zählt der Naturwissenschaftler auf.

Die hohen Produktpreise gelte es zudem ins Verhältnis zur geringen Aufwandmenge zu setzen. «Die einzige Schwachstelle bei Plocher ist die noch fehlende Erklärung der Wirkung», schliesst er. 

Forschung hat Mühe, einen Effekt nachzuweisen

Das Pilotprojekt zur Sanierung des Bellacher Weihers wurde wissenschaftlich begleitet. Untersuchungen der Sedimente haben laut Adrian Nufer gezeigt, dass die Fäulnisprozesse in oxidative Vorgänge umgeschwenkt sind. Das Material begann sich quasi zu kompostieren.

Im Abschlussbericht der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) halten die Autoren fest, dass bei den meisten gemessenen Parametern (darunter Regenwurmpopulation, Nährstoffverfügbarkeit von N, P, K und Mg, Aggregatsstabilität, Vernässungs- und Verdichtungsprobleme, Ertragssteigerung) keine Effekte nachgewiesen wurden.

Hingegen war die mikrobielle Biomasse beim Einsatz von Melasse mit Informationen leicht signifikant höher als im Placebo-Verfahren mit gewöhnlicher Melasse. «Eine umfassende Wirkung des Plocher-Humusbodens kann in diesem Exaktversuch nicht beobachtet werden», schreibt die HAFL. Einerseits liege das an den teilweise heterogenen Bodeneigenschaften sowie der relativ geringen Anzahl an Wiederholungen pro Standort.

Des Weiteren seien die Böden im Projektgebiet sehr tonhaltig, was für einige verwendete Methoden die Interpretation der Resultate erschwert habe. «Ich bin sicher, dass es Unterschiede gibt, die in diesem Versuchsdesign allerdings nur unzureichend nachweisbar sind», sagt auch Adrian Nufer.

Hinzukomme, dass sich die Information über die Zeit im Boden weiterverbreite, wodurch der messbare Unterschied mit fortschreitender Versuchsdauer verschwinde – gut für die Praxis, schwierig für die Wissenschaft.

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