Während der Raps auf dem Feld die Schoten ausbildet, sollten sich die ProduzentInnen schon Gedanken zur Sortenwahl für die kommende Aussaat machen. Für die Ernte 2027 kamen gleich drei neue Sorten auf die Liste der empfohlenen Winterrapssorten.
Zur Auswahl stehen zwei neue klassische Sorten und eine HOLL-Rapssorte:
- KWS Ambos
- Maverick
- RGT Piazzola (HOLL-Raps)
Der Rapserdfloh ist ein bedeutender Schädling im Rapsanbau, der den Pflanzen gleich zu Beginn das Leben schwer macht. Die Lösung für dieses Problem könnte die Sortenwahl sein. Seit einigen Jahren werden deshalb konkret Rapssorten mit geringerem Erdflohlarvenbefall selektiert. Die neu gelistete Sorte KWS Ambos bringt diese genetischen Eigenschaften mit und bringt Hoffnung, dass es weniger Erdflohbehandlungen braucht.

Keine Erdflohbehandlung, aber viele Rapsglanzkäfer
Stefan Kunz aus Mülchi BE hat die Sorte KWS Ambos bereits auf zwei Hektaren angebaut und erste Erfahrungen gesammelt. Der Erdflohschutz hat sein Versprechen gehalten. «Ich hatte keine Probleme mit dem Erdfloh», sagt Kunz. Daher konnte er gleich zu Beginn eine Insektizidbehandlung einsparen. Je nach Jahr musste Kunz den Erdfloh sonst jeweils behandeln.
Er hat den Raps aber auch relativ früh, nämlich Ende August, gesät. Die Sorte sei schnell aufgelaufen und habe mit guter Jugendentwicklung überzeugt. Der Raps sei dem Erdfloh quasi davongewachsen. «Aber die Bedingungen waren letztes Jahr auch perfekt», erinnert sich Kunz. Ihm ist aufgefallen, dass sich der Raps sehr kräftig entwickelte und dicke Stängel bildete.
Stefan Kunz hat den Raps nach Kartoffeln angebaut und Einzelkorn gesät. Da von den Kartoffeln her noch genügend Nährstoffe im Boden waren, düngte Kunz den Raps erst im Frühling zweimal mit Sulfamid.
Rapserdfloh unproblematisch, Rapsglanzkäfer extrem
Während der Erdfloh keine Probleme machte, war der Befall mit dem Rapsglanzkäfer umso schlimmer. «Der Befall war extrem, ich musste den Rapsglanzkäfer zweimal mit zwei verschiedenen Mitteln behandeln», sagt Stefan Kunz. Ob der Befall mit der Sorte zusammenhängt oder einfach mit dem Jahr, ist schwierig zu sagen.
Sowohl KWS Ambos als auch die Sorte Maverick sind früh beziehungsweise sehr früh blühende Sorten, während RGT Piazzola mittelspät blüht. «Eine frühe Blüte kann in gewissen Jahren vorteilhaft sein bezüglich des Rapsglanzkäferbefalls, aber dieses Jahr waren früh blühende Sorten im Nachteil», beobachtete Jürg Jost, Geschäftsleiter von UFA-Samen. Die Pflanzenschutzmittel haben teilweise aufgrund der Kälteperiode während der Behandlung nur unzureichend gewirkt. Ein Richtwert für die Wahl des Blühbeginns bei einer Rapssorte gibt es also nicht.
Bezüglich der Resistenz gegenüber Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma) überzeugt die Sorte Maverick.

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Wasserrüben-Vergilbungsvirus als neues Problem
Nebst den bekannten Schädlingen tritt ein neues Problem im Rapsanbau auf, das Wasserrüben-Vergilbungsvirus (TuYV). Bisher trat dieses vorwiegend im Ausland auf, kommt langsam aber auch in die Schweiz. Das Virus wird hauptsächlich über die Grüne Pfirsichblattlaus übertragen. Die Übertragung erfolgt bereits im Herbst, sie geht mit rötlich-violetter Verfärbung der Blätter einher. Daher ist es schwierig, den Befall mit TuYV von den Symptomen eines Phosphorbefalls zu unterscheiden. Klarheit bringt nur eine Laboranalyse.
Eine TuYV-Infektion stört die Entwicklung der Rapspflanze, was zu tieferen Erträgen und Ölgehalten sowie schlechter Ölqualität wegen höherer Glucosinolatgehalte führt.
Seit dem Verbot der Neonikotinoide als Beizmittel ist der Raps in der Jugendentwicklung nicht mehr vor Läusen geschützt. Deshalb erfolgt die präventive Bekämpfung vorwiegend über die richtige Sortenwahl. Die Sorte Maverick gilt als einzige der drei neuen Sorten als tolerant gegenüber dem TuYV.
Gute Kornerträge und hoher Ölgehalt
Die drei neuen Winterrapssorten wurden bereits im einjährigen Streifenversuch von der Fenaco im Jahr 2025 am Standort Jegenstorf angebaut. Die Sorte Maverick präsentierte sich mit 54,9 kg/a im oberen Durchschnitt, während KWS Ambos mit 52,8 kg/a darunter lag, obwohl diese auf der Sortenliste einen sehr hohen Korn-ertrag ausweist.
RGT Piazzola hat bei den HOLL-Rapssorten im Versuch mit 49,9 kg/a den höchsten Ertrag gebracht. «Die Sorte RGT Piazzola ist ganz neu und kann deshalb für die Ernte 2027 noch nicht im grossen Stil angebaut werden. Die Schweizer Ölwerke wollen zuerst einen Probeanbau starten», erklärt Jürg Jost. Auf der Sortenliste zeigen alle HOLL-Rapssorten gute bis sehr gute Werte für den Ölgehalt.
Wie die Sorte KWS Ambos bezüglich Ertrag auf seinem Feld effektiv performt, wird Stefan Kunz in rund zwei Monaten wissen.

