Seine Kartoffeln hat Thomas Steiner bereits fertig gegraben. «Wir konnten die Flächen bewässern und haben eher wenig, dafür grosse Knollen geerntet», schildert er. Auf seinem Guetacherhof in Büren zum Hof BE baut Steiner drei Hektaren Kartoffeln an. Da habe sich der Aufwand fürs Bewässern – mit Schlauchrollen und erst kürzlich im ganzen Dorf frisch verlegten Bodenleitungen – noch in Grenzen gehalten. «Aber wir haben schon einmal mit dem Bewässern angefangen und es dann durchgezogen», räumt er ein.
Bei dieser Trockenheit und Hitze blieb auf seinen mittelschweren Böden nichts anderes übrig. Dafür habe er aber beim Pflanzenschutz sparen können, ergänzt Steiner: «Ich habe nur einmal aufgrund des Wetters gegen Krautfäule und im selben Zug gegen Kartoffelkäfer gespritzt.»
Das Prognosemodell Phytopre habe schliesslich nie Sporenflug gemeldet und daher verzichtete der Berner trotz der Feuchtigkeit, die die Bewässerung in den Bestand brachte, auf weiteren Fungizidschutz. Das hat sich bewährt – allerdings funktioniert dies nur bei Alternaria-resistenten Sorten.

«Ich habe nur einmal aufgrund des Wetters gegen Krautfäule und im selben Zug gegen Kartoffelkäfer gespritzt.»
2027 keine Zuckerrüben, sondern Schalotten
«Die Zuckerrüben sehen gerade aber nicht so rosig aus», fährt Thomas Steiner fort. Er vermeidet es fast, die Felder zu besuchen. Mit Zuckerrüben hat der Landwirt aber sowieso abgeschlossen und sich entschieden, 2027 keine mehr anzubauen.
«Ich finde, angesichts der Schäden durch den Rübenrüssler setzt die Politik mit dem Beitrag zum Verzicht auf Pflanzenschutzmittel einen Fehlanreiz», erklärt er. Seine Rüben weisen auch Frassgänge auf – allerdings nicht so, dass es einen Ernteausfall gäbe.
Die Möglichkeit zur Bekämpfung mit Sonderbewilligung reicht Steiner nicht. So wird es auf dem Guetacherhof nächstes Jahr eine Hektare Schalotten geben – das ist gut für die Fruchtfolge und für den Berner eine willkommene neue Herausforderung.
«Erstaunlich gut» konnte sich der Mais halten
Beim Mais schwankte Thomas Steiner mehrmals, ob er ihn bewässern sollte oder nicht. «Aber es gab immer wieder ein bisschen Regen», erinnert er sich. So hielt sich die Kultur «erstaunlich gut» und Steiner konnte 45 Ballen pro Hektare silieren.
«Für heuer bin ich damit zufrieden», bilanziert er. Um für seine rund 30 Milchkühe trotzdem genug Futter vorrätig zu haben, hat der Landwirt noch 50 Ballen Maissilage aus der Nachbarschaft zugekauft. Drei Bauern in seinem Dorf haben grössere Flächen Körnermais frühzeitig geerntet und siliert, weshalb ein lokales Angebot verfügbar war.

Die Trockenheit macht sich wieder bemerkbar
Grünfutter fürs Milchvieh gab es bei Steiners heuer kaum zu konservieren. «Wir haben Glück, dass im Frühling noch recht viel aus dem Winter auf dem Heustock übrig war», hält der Betriebsleiter fest. Der erste Schnitt fiel noch gut aus, im Sommer aber wuchs nichts mehr nach. «Es fehlen zwei bis drei Schnitte», so Thomas Steiner. Nach etwa 80 mm Regen im August konnte das Gras auf seinen Flächen zwar etwas wachsen – jetzt sei es aber wieder so trocken wie im Sommer und das Grün falle fast sichtbar in sich zusammen.
Was sich im Extremsommer bewährt hat und wie es jetzt aussieht – Landwirte erzählen
Am 23. September hat mit der Tag-und-Nachtgleiche der Herbst begonnen. Zeit also, über den Sommer 2026 Bilanz zu ziehen. Jene im Klimabulletin von Meteo Schweiz ist schnell zusammengefasst: der heisseste Sommer seit Messbeginn 1864, Rekordzahl an Hitzetagen, extremes Niederschlagsdefizit.
Der Extremsommer hat jeden Betrieb vor eigene Herausforderungen gestellt – und er hat gezeigt, was trotzdem funktioniert. Wir haben im Thurgau, im Berner Mittelland und im Aargau nachgefragt.
Auch Steiners Zwischenfutter – die AGFF-Mischungen SM 100 und SM 200 – entwickelt sich spärlich und bräuchte Regen. «Ich wollte es nicht in der Hitze säen und bin daher erst am 20. August mit der Krummenacher-Säkombination gefahren», schildert Thomas Steiner.
Für guten Bodenschluss hatte er das Saatgut 0,5–1 cm tief in den Boden gedrückt. Mit der Weizensaat wartet der Berner noch eine Weile und hofft auf wüchsigeres Wetter.
Kunstwiese vor Mais moderat genutzt und in Streifenfrässaat gesät
Dass sein Mais – allen Widrigkeiten zum Trotz – einigermassen gut gewachsen ist, führt Thomas Steiner auf mehrere Faktoren zurück. Er hat die vorhergehende Kunstwiese vor dem Umbruch noch einmal moderat genutzt.
«So hatte es für den Mais etwas übrige Feuchte im Boden», denkt er. Noch besser erging es seiner Beobachtung nach Mais, vor dem die Kunstwiese gar nicht gemäht wurde. «Die Streifenfrässaat hat sicher auch sehr gut gepasst heuer», ergänzt Steiner. Hinzu kam eine mittelspäte Silomaissorte, die sich bewährt hat, und Flächen mit tiefgründigem Boden. «Aber wenn es bis in einen Meter Tiefe trocken ist, nützt eben auch das nichts mehr», bemerkt der Berner.
Grosse Veränderungen, um besser für einen weiteren Extremsommer gewappnet zu sein, fasst Thomas Steiner derzeit nicht ins Auge. Mit den Bodenleitungen zum Bewässern ist bereits viel getan. Um 2027 genug eigenes Futter produzieren zu können, hat er allerdings eine zusätzliche Hektare Kunstwiese eingeplant.

