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Extremsommer 2026: Warum Toni Seeholzer den Boden flach bearbeitet

Der Extremsommer 2026 hat jeden Betrieb etwas anders gefordert. Wir fragten bei drei Betrieben nach ihren Erfahrungen. Toni Seeholzer zieht Schlüsse für die nächste Saison: Bodenbearbeitung kostet Feuchtigkeit.

Am 23. September hat mit der Tag-und-Nachtgleiche der Herbst begonnen. Zeit also, über den Sommer 2026 Bilanz zu ziehen. Jene im Klimabulletin von Meteo Schweiz ist schnell zusammengefasst: der heisseste Sommer seit Messbeginn 1864, Rekordzahl an Hitzetagen, extremes Niederschlagsdefizit.

Kurzfristige Entspannung Mitte August

Seit April fiel äusserst wenig Regen, landesweit wurden nur 61 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen erreicht – regional noch weniger. Das heisse Wetter intensivierte durch höhere Verdunstung die Trockenheit, die sich im Frühling aufgebaut hatte. Gelegentliche Gewitter konnten die Situation nur sehr lokal und kurzfristig entspannen, bis am 17. August eine Kaltfront mit ergiebigen Niederschlägen etwas Entlastung brachte und eine wechselhafte Phase einläutete. Mittlerweile ist es schon wieder seit Wochen trocken.

Jeder Betrieb stand vor Herausforderungen

2026 sei extrem gewesen, stellt Meteo Schweiz klar. Derartige Sommer seien aber angesichts der Klimaszenarien hierzulande nicht unerwartet. Selbst bei einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad (heute sind es global 1,4 Grad) wäre das Jahr 2026 noch überdurchschnittlich trocken und heiss gewesen. «Die Daten zeigen jedoch auch, dass noch wärmere und trockenere Sommer möglich wären», schreiben die Fachleute.

Der Extremsommer hat jeden Betrieb vor eigene Herausforderungen gestellt – und er hat gezeigt, was trotzdem funktioniert. Wir haben im Thurgau, im Berner Mittelland und im Aargau nachgefragt. Die Berichte zu Thomas Steiner und Simon Widmer folgen.

Toni Seeholzer fühlt sich in seinem Anbauverfahren bestätigt

Die Zuckerrüben von Toni Seeholzer mussten nach dem Hagelsturm vom 28. August 2026 nochmals fast von vorn anfangen: Der Hagel, der streifenförmig über die Schweiz zog, traf auch seinen viehlosen Ackerbau- und Beerenbetrieb in Uetwilen TG. «Auf einer Zuckerrübenparzelle wurde der Blattverlust von der Versicherung gar auf 100 Prozent eingestuft», schildert der Landwirt.

Die Zuckerrüben haben sich erholt und sind gesund

Er findet es erstaunlich, wie die Pflanzen auf solche Ereignisse reagieren. Einen Monat nach dem Unwetter stehen die IPS-Rüben wieder bald vor Reihenschluss. «Sie sind gesund im Blatt und können somit nochmals kräftig an Masse und verpufftem Zucker zulegen», sagt Toni Seeholzer. Seine beiden Rübenparzellen hätten den trockenen, heissen Sommer im Allgemeinen sehr gut überstanden. Der Landwirt ist gespannt, was die Ernte noch für Zahlen liefert.

Der Hagel hat die Rüben das Blattwerk gekostet. Mittlerweile hat sich aber wieder gesundes Grün gebildet. (Bild: Toni Seeholzer)
Der Polentamais konnte gut abreifen und blieb frei von hoher Mykotoxinbelastung. (Bild: Toni Seeholzer)

Toni Seeholzer fühlt sich nach den Erfahrungen dieses Sommers in der Wahl seines Anbauverfahrens bestätigt. «Wir hatten nur etwa 45 Prozent Regen des 10-Jahres-Mittels in den Monaten April bis und mit August», erklärt er. Trotzdem hätten seine Zuckerrüben nie flächendeckend die Blätter hängen gelassen. Auch der Polentamais wurde durch den Hagelzug stark in Mitleidenschaft gezogen.

«Die noch verbliebenen Kolben wurden zum Teil stark aufgeschlagen, was ein schnelles Austrocknen bzw. Abreifen bewirkte.» Und so wurde der Mais zwei Wochen später mit einem Wassergehalt von nur 17,4 Prozent gedroschen – so tief, wie es Seeholzer noch nie erlebt hat.

Den strengen Mykotoxingrenzwert (DON) von 1,25 ppM für Speisemais hielt das Erntegut durch die Hitze und den trockenen Sommer ein. «Bei der Ablieferung wurden 0,25 ppm DON gemessen», erzählt der Landwirt.

Den Boden möglichst oberflächlich bearbeiten

Dass seine Kulturen einigermassen gut durch den Sommer gekommen sind, führt Toni Seeholzer auch auf seine Bemühungen um Bodenaufbau und schonende Bodenbearbeitung zurück. Er ist bestrebt, den Humusgehalt seiner Flächen zu steigern, was ihm gemäss Bodenanalysen tendenziell auch gut gelungen ist.

Falls eine wendende Bodenbearbeitung aus seiner Sicht von Vorteil ist, arbeitet er auch vor Zuckerrüben und Mais mit einem flach arbeitenden Schälpflug. «So tief der Boden in diesem Jahr bearbeitet worden ist, so tief ist er auch ausgetrocknet», so seine Beobachtung.

Weniger Getreide

Beim Getreide verzeichnet der Thurgauer heuer leicht unterdurchschnittliche Erträge. Vor allem aber sind ihm massive Schwankungen in den Proteingehalten je nach Parzelle aufgefallen – obwohl alle Flächen innerhalb von wenigen Tagen gedroschen wurden. «Der Proteingehalt variierte von 12 bis 16 Prozent – das hatte ich noch nie», sagt Seeholzer. Er vermutet, dass es an Bodenunterschieden lag.

Generell bewirtschaftet er schwere Böden, aber gerade auf Pachtflächen mit unterschiedlicher Vorgeschichte sind die Verhältnisse doch verschieden. Ungünstig war der hohe Proteingehalt bei der Braugerste – sie fiel bei der Qualitätskontrolle durch.

Toni Seeholzer führt einen Ackerbaubetrieb in Uetwilen TG. (Bild: Jil Schuller)

«Am Anfang haben sie sich in der Hitze nur spärlich entwickelt. Nach ein paar Millimetern Regen starteten die Gründüngen aber recht stark.»

Der Raps hat seit dem Start Mühe

Der Raps habe im Herbst 2025 einen schlechten Start erwischt und das nicht mehr aufgeholt, fährt Seeholzer fort. «Es war zu nass und das Herbstwetter nie richtig wüchsig», meint er. IP-Suisse-Raps sei heuer zusätzlich wegen des hohen Rapsglanzkäferdrucks ohnehin schwierig gewesen, ergänzt er.

Auf seinen 15 ha Raps fuhr er tiefere Erträge ein als üblich. «Das Wetter war für den Raps generell nicht ideal und das Anbauverfahren hat kaum eine Rolle gespielt», so seine Einschätzung.

Teils erfolgte die Ölsaat im Herbst 2025 mit Streifenfräse direkt in Weizenstoppeln, teils mit Kombisaat nach Schälpflug. Neuen Raps hat Seeholzer nicht gesät. Aus Gründen der Fruchtfolge und wegen der weit entfernten IPS-Sammelstelle setzt er 2027 nach mehreren Rapsjahren wieder vermehrt auf Sonnenblumen.

Gründüngungen mit Erfolg und sofort direktgesät

Für die Gründüngungen hingegen entschied er sich im harten Boden mehrheitlich für die wassersparende Direktsaat. Und dies möglichst unmittelbar nach dem Strohabräumen. «Am Anfang haben sie sich in der Hitze nur spärlich entwickelt. Nach ein paar Millimetern Regen starteten die Gründüngen aber recht stark», sagt Toni Seeholzer. Mittlerweile stehen die unverhagelten Parzellen zum Teil einen Meter hoch. Die Biomasse der Gründüngungen gibt Seeholzer grösstenteils dem Boden zurück, je nachdem gemulcht oder per Messerwalze.

Angesichts der verbreiteten Futterknappheit beweiden diese Flächen teils aber im Moment noch die Rinder eines Nachbarn. «Wir haben ein abgeerntetes Maisfeld und eine Ökowiese zusammen eingezäunt, sodass die Tiere auch noch die durch den Hagel auf dem Boden liegenden Kolben fressen können», erläutert er.

Die rasch gesäten Gründüngungen stehen einen Meter hoch. (Bild: Toni Seeholzer)

Zusammen mit einem Zweitbetrieb baut Toni Seeholzer auch Heidelbeeren an. Der Wasserspeicher für die Anlage wird im Winter gefüllt, musste heuer aber mehrmals mit Tanklastwagen nachgefüllt werden. Der Bach ist nach wie vor praktisch ausgetrocknet. Der Thurgauer ist aber zuversichtlich, dass sich das schon wieder ändern wird.

Bodenbearbeitung kostet Feuchtigkeit

«Mittlerweile hat sich hier im Ackerbau vieles wieder etwas entspannt», bilanziert Seeholzer. Auch wenn immer noch viel Wasser fehlt, aktuell vor allem in seinen Rübenparzellen. Permanent macht er sich als Betriebsleiter Gedanken, was sich bewährt hat und wo angepasste Massnahmen in der Bodenbearbeitung nötig sind.

«Für mich ist es offensichtlich, dass flache Bodenbearbeitung, möglichst wenig Bodenbearbeitung und Massnahmen für die Bodengesundheit der richtige Weg sind», hält der Landwirt fest. «Jede Bodenbearbeitung kostet Feuchtigkeit und lässt nach oben geholte Beikrautsamen spriessen», gibt er zu bedenken.

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