Aktuell lohnt es sich, den Zustand des Rapses zu beurteilen, um Lehren für die nächste Saat zu ziehen. Gegenwärtig sind gestaffelt auflaufende Rapspflanzen ein häufig anzutreffendes Bild. Ähnlich sieht es auch bei den Untersaaten aus, wo zum Teil nur einzelne Mischungskomponenten keimen konnten. Ursache dafür ist die Trockenheit in den obersten Bodenschichten, die nach der Saat geherrscht hat.
In manchen Parzellen hat man Mühe sich vorzustellen, dass nach dem niederschlagsreichen Sommer und den stellenweise immer noch nassen Feldern dem Raps das Wasser zum Keimen gefehlt hat. Besonders deutlich sichtbar ist das etappenweise Auflaufen in Parzellen, die nicht gewalzt wurden. Die unterschiedliche Rückverfestigung ist sehr gut ersichtlich an Stellen, welche beim Säen überfahren, übersät oder bei der Einzelkornsaat mit den Andruckrollen rückverfestigt wurden. Folglich liefen dort die Körner zügig auf und die Pflanzen konnten sich gut entwickeln. Diese Feststellung bedeutet jedoch nicht, dass Walzen in jedem Fall nötig und sinnvoll ist. Denn je nach Bodenart und Bearbeitungsintensität kann auf einer gewalzten Fläche nach einem kräftigen Niederschlag sehr schnell eine verschlämmte und verkrustete Schicht entstehen, welche der keimende Raps im schlimmsten Fall nicht durchstossen kann.
Pflanzen pro Quadratmeter
Um zu beurteilen, wie dicht der Rapsbestand steht, ist es sinnvoll, an mehreren repräsentativen Stellen im Feld auszuzählen, wie viele Pflanzen pro Quadratmeter vorhanden sind. So kann anhand der Saatmenge auch ungefähr abgeschätzt werden, wie hoch die Auflaufrate war.
Wird im Frühjahr wieder ausgezählt, kann festgestellt werden, wie hoch der Anteil an Pflanzen ist, welche den Winter überstehen. Dank diesen Auszählungen ist es möglich, sich Gedanken zur Saatmenge zu machen. Tendenziell wird der Raps eher zu dicht als zu dünn gesät. Mit einem Bestand, der im Frühjahr zwischen zehn und fünfzehn gesunde Pflanzen pro Quadratmeter aufweist, kann immer noch ein annehmbarer Ertrag erzielt werden. Die enorme Kompensationsfähigkeit der Rapspflanze darf nicht unterschätzt werden. Der Knackpunkt ist vor allem die Verteilung der Pflanzen im Feld, weniger deren Anzahl. Möglichkeiten, um das Saatgut gleichmässiger abzulegen, sind beispielsweise das Schliessen von Schiebern bei der Drillsämaschine oder sogar die Einzelkornsaat.
Ein paar Tage Unterschied
Wie sich die später aufgelaufenen Pflanzen bis zur Ernte entwickeln, ist sehr schwierig abzuschätzen. In den gestaffeltaufgelaufenen Beständen kann man sehr gut vergleichen, was ein paar Tage Unterschied beim Auflaufen für Auswirkungen haben. Man muss sich bewusst sein, dass nicht nur Temperatur und Feuchtigkeit, sondern auch die Tageslänge ein sehr wichtiger Faktor in der Jugendphase des Rapses ist. In Parzellen mit eher knapper Bestandesdichte oder sehr ungleichmässiger Verteilung der Pflanzen ist es nun sehr wichtig zu beobachten, ob die jüngeren Rapspflanzen durch Erdflöhe oder Schnecken gefährdet sind. In den Gelbschalen empfiehlt es sich weiterhin, die Fänge von adulten Erdflöhen und des Schwarzen Triebrüsslers zu überwachen.
Wachstum vor Winterruhe
Bei sehr weit entwickelten Rapsbeständen stellt sich noch die Frage, ob ein Wachstumsregulator eingesetzt werden soll. Erreichen die Pflanzen Ende September bis Anfang Oktober das 6-Blatt-Stadium, besteht ein hohes Stickstoffangebot für die Kultur und stehen die Pflanzen sehr dicht. Bei über 50 Pflanzen pro Quadratmeter ist das Risiko erhöht, dass das Längenwachstum vor der Winterruhe eintritt.

