Die Probegrabung im Seeland förderte eine Überraschung zutage: dieselbe Sorte lieferte auf drei Parzellen Knollen unterschiedlicher Qualität, die der Landwirt auf die Bewässerung zurückführt. Der schönste Posten Kartoffeln stammt von einer Fläche mit Plastikrohren und Sprinklern. Das mit Schlauchrolle bewässerte Feld erhielt zwar am meisten Wasser, hier blieben die Knollen aber etwas kleiner. Die dritte Parzelle wurde nur wenig bewässert, die Kartoffeln zeigen Auswuchs und einige Stauden blühen erneut.
Besser sanfter statt mehr bewässern?
Es handelt sich um die holländische Sorte Twister, die für ihre Robustheit gegenüber Kraut- und Knollenfäule bekannt ist. Sie soll auch nicht sehr anspruchsvoll sein hinsichtlich Wasserversorgung, sagt der Bewirtschafter der drei Kartoffelparzellen, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.
Da er keinen Regenmesser hat, kann er die genauen Wassermengen je nach Parzelle nicht beziffern. «Man kann froh sein, wenn die Kartoffeln unter diesen Bedingungen noch so schön aussehen», ist er sich angesichts der verbreiteten Trockenheit bewusst. Die Kalibervorgaben halten seine Knollen noch ein. Mit zunehmender Grösse steige aber das Risiko, dass sie aus den schützenden Dämmen ragen und grün werden. Und die Tendenz ist mit Blick auf vermehrte Dürreperioden in der Zukunft interessant: Gilt beim Bewässern die Devise, besser sanfter statt mehr?
Weniger Energiebedarf mit Sprinklern
Stefan Krähenbühl ist überzeugt, dass sich die Unterschiede der erwähnten Probegrabungen mit der Bewässerungsart erklären lassen. Der Biolandwirt aus Greng FR baut auf 8 ha Früh-, Speise- und Industriekartoffeln an. Er setzt seit jeher auf Sprinkler mit Alurohren. «Langfristig kommt das am günstigsten», sagt er.
Das System arbeite mit weniger Druck auf den Leitungen als eine Schlauchrolle, was einen geringeren Energiebedarf bedeute. Besonders ins Gewicht falle das bei Dieselpumpen. «Mit der gleichen Elektropumpe bringe ich so 40 Prozent mehr Wasser aufs Feld», schildert Krähenbühl und ergänzt: «In Jahren wie diesen ist das entscheidend.»


Die Alurohre halten viele Jahre
Der Freiburger verlegt die Alurohre nach dem Dammformen und rechnet mit Anfangsinvestitionen von etwa 8000 Fr./ha. Seine Rohre seien z. T. schon 15 Jahre alt, erläutert er zur Haltbarkeit. «Pro Jahr muss ich etwa fünf Prozent davon ersetzen, weil sie zu Bruch gehen.»
Der Biolandwirt betont weitere Vorteile des Systems: Die Sprinkler laufen die ganze Nacht und würden mit 5 mm/h einen sanften Niederschlag schaffen, der natürlichem Landregen am nächsten komme. So sickere das Nass zudem langsam in die Dämme und gelange zu den Knollen, statt oberflächliche Pfützen zu bilden und im schlimmsten Fall samt Erosion verloren zu gehen. «Das Wasser per Schlauchrolle und Kanone ist wie ein Gewitterregen, das bedeutet Stress für die Stauden», sagt Krähenbühl. Besonders wichtig erscheint ihm dieser Unterschied, wenn mit kaltem Grundwasser gearbeitet wird.
Kombination mit Schlauchrolle und Stallarbeit
Die fix installierten Alurohre bleiben bis zur Ernte im Feld. Eine Schlauchrolle hat Stefan Krähenbühl auch, er setzt sie für Mais, Grünland und Bohnen ein. Während die Rolle aber von einem Einsatzort zum nächsten befördert und immer wieder installiert werden muss, könne er die Sprinkler abends in den Sandalen einschalten gehen. Durch die Kombination beider Systeme bleibt ihm morgens und abends genügend Zeit für den Stall. Ausserdem neige man auch eher dazu, die Bewässerung einzuschalten und so im entscheidenden Stadium etwas Wasser zu geben, als wenn zuerst der Schlauchwagen hergeschafft werden muss. «Das ist zuletzt von Vorteil, wenn es vor dem Graben sehr trocken ist. Da kann man die Dämme gut bewässern.»
Bestehende Infrastruktur wird, wo möglich, ausgebaut
Abseits der Diskussion um das beste Bewässerungssystem wären in Jahren wie 2026 wohl viele froh, hätten sie überhaupt die nötige Infrastruktur. «Wer Wasser nehmen kann, ist in der Regel eingerichtet», erklärt Gerhard Aebi, Geschäftsführer von Aebi Suisse. Seine Firma verkauft Bewässerungstechnik in der ganzen Schweiz, vom kleinen Gemüsegarten bis hin zu grossen Bewässerungsverbünden. Eine verstärkte Nachfrage stellt Aebi heuer für Schlauchwagen und vor allem Kleinmaterial wie zusätzliche Rohre, Sprinkler usw. fest.
Offenbar werden bestehende Systeme nach Möglichkeit auf weitere Felder erweitert oder altes Material wieder in Betrieb genommen. Er bestätigt zwar, dass für Sprinkler weniger Druck nötig ist, als wenn per Schlauchrolle das Wasser weit geworfen wird. «Aber je nach Grösse des Systems kommen die Pumpen auch bei Alurohren und Sprinklern an die Grenzen. Heuer gab es Fälle von Überhitzung, nachdem die Rohranlage zu gross erweitert worden ist», berichtet er.
Vor- und Nachteile und Vorlieben je nach Region
Auch für Gerhard Aebi steht fest, dass das Sprinklersystem einem natürlichen Regen am nächsten kommt. Gegenüber der sehr sparsamen Tröpfchenbewässerung habe es ausserdem den Vorteil, dass die Rohre über Jahre eingesetzt werden können. «Aber auch auf Tropfschläuche schwören manche Kartoffelbauern», bemerkt er. Unterschiede gebe es indes ebenfalls je nach Region. So bevorzuge man im Seeland klar Alurohre, während Landwirte östlich in der Schweiz gerne auch mal PE-Rohre einsetzten. «Im Seeland hört man, die würden sich in der Sonne verbiegen», sagt Aebi.
Spritzbalken, die ebenfalls als sparsam gelten, dienen ihm zufolge vor allem zum Anschwemmen von Gemüse direkt nach der Pflanzung. Nachteile sind hier – wie bei der Schlauchrolle – der mit jedem Einsatz verbundene Aufwand und der grosse Platzbedarf für die Aufbewahrung des Geräts. «Dafür kann man mit einem Spritzbalken auch bewässern, wenn starker Wind weht, das kennt man aus Ländern wie zum Beispiel England.» Am Ende komme es bei der Wahl des passenden Systems auf zahlreiche Faktoren an – angefangen bei der Kultur über das verfügbare Personal bis zu Standortbedingungen und Kosten.
Grosse Projekte brauchen einen langen Atem
Stefan Krähenbühl ist auf seinem Biohof eingerichtet und sagt, er könne «die Trockenheit bewältigen, wenn auch mit vielen Arbeitseinsätzen». Seine Kartoffeln haben die letzten Wochen gut überstanden – jedenfalls, wo die Stauden nicht den Kartoffelkäfern zum Opfer gefallen sind.
Der Freiburger war Initiator für ein grosses Projekt mit 800 ha Bewässerungsfläche im angrenzenden Waadtland, um auch dort die Wasserversorgung auf Abtauschflächen nachhaltig zu sichern. «Das war vor 11 Jahren. Gebaut haben wir bisher nichts», sagt er nicht ohne Frust. Manche seiner Mitstreiter von damals hätten den Kartoffelanbau mittlerweile aufgegeben. Auch auf dem Tisch von Gerhard Aebi liegen Pläne für Bewässerungsprojekte. «Bis zur Umsetzung dauert es Jahre», beobachtet er ebenfalls. Umso wichtiger ist und wird es, mit noch erlaubten Wasserentnahmen aus Bächen oder Grundwasserressourcen möglichst effizient umzugehen.

