Hitze und Trockenheit mit extrem tiefer Luftfeuchtigkeit haben die Schweiz im Griff. Regen scheint nicht in grösseren Mengen auf dem Programm zu stehen. Das ähnelt den Bedingungen 2025, als im Juni ebenfalls trockenes und heisses Wetter herrschte. Unbewässerte Kartoffelparzellen zeigten in dieser Zeit im Vergleich zu Feldern derselben Sorte mit Bewässerung eine Verringerung der Biomasse, vorzeitige Alterung, reduzierte Blattmasse und geringere Höhe.
Die Symptome von Wasserstress zeigen sich je nach betroffenem Stadium unterschiedlich, ist im Blog der Agriaqua AG (siehe Kasten) zu lesen. Aber: «Ein Mangel an Wasser hat in jedem Stadium Auswirkungen auf den Ertrag.» Wer kann, ist also gut beraten, seine Kartoffeln bei Bedarf zu bewässern.
Kein zusätzlicher Arbeitsgang fürs Verlegen der Schläuche
Eine besonders sparsame Variante ist die Tropfbewässerung. Mathias Strasser, Verkaufsleiter Ostschweiz bei der GVZ Rossat AG, zeigte an den Feldtagen in Kirchberg BE ein solches System. «Die Tropfbewässerung bringt das Wasser direkt zu den Wurzeln der Kulturpflanzen», erläuterte er. Dadurch würden Verdunstungsverluste reduziert und das verfügbare Wasser gezielt dort eingesetzt, wo es die Pflanze benötige.
Je nach Kultur und Nutzungsdauer kommen unterschiedliche Tropfleitungen zum Einsatz: «Für einjährige Kulturen werden häufig dünnwandige Tropfschläuche verwendet, die nach der Saison wieder entfernt werden», so Strasser. Diese Tropfschläuche könne man bereits während des Pflanzvorgangs, beispielsweise beim Setzen der Kartoffeln, gleichzeitig mit der Kultur verlegen. Somit entstehe kein zusätzlicher Arbeitsgang für die Installation der Bewässerung.
Nach Abschluss der Saison liessen sich die Tropfschläuche bei der Ernte oder in einem separaten Arbeitsgang wieder aus dem Feld entfernen, schilderte der Fachmann. Bei Kulturen mit einer Standzeit von mehreren Jahren oder im Gewächshaus würden meist dickwandige Tropfrohre eingesetzt, die für den mehrjährigen Einsatz ausgelegt sind.

Wartungsarmes Dosiergerät ohne Stromanschluss
«Ein weiterer Vorteil der Tropfbewässerung ist die Möglichkeit der Fertigation», ergänzte Mathias Strasser. Dabei werden wasserlösliche Düngemittel direkt über das Bewässerungswasser ausgebracht. Die Nährstoffe gelangten so – wie das Wasser auch – gezielt in den Wurzelbereich der Pflanzen und liessen sich bedarfsgerecht dosieren.
Für die Düngereinspeisung werde häufig ein Dosatron-Dosiergerät eingesetzt, das ohne Stromanschluss arbeite und bei regelmässiger Pflege als sehr wartungsarm und zuverlässig gelte. «Für einen störungsfreien Betrieb sollten die Tropfleitungen periodisch gespült werden», sagte Strasser. Das entfernt Ablagerungen, Biofilme und Rückstände aus dem Bewässerungswasser, bevor sie zu Verstopfungen führen.
Zum Spülen eigne sich beispielsweise Sanosil, ein Desinfektionsmittel, das kontinuierlich in geringer Dosierung über den Dosatron oder periodisch im Rahmen einer Spülung eingesetzt werden kann.
Bei jeder Tropfbewässerungsanlage empfiehlt GVZ Rossat zudem den Einsatz eines geeigneten Filters. Dieser schütze die Tropfauslässe vor Verstopfungen durch Sand, Schwebstoffe oder andere Kleinstpartikel und trage wesentlich zur Betriebssicherheit und Langlebigkeit der Anlage bei.
Die Sonde zeigt, wann Zuwarten möglich ist
Die Wassereinsparung bei der Verwendung von Tropfschläuchen bezifferte Andreas Keiser von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) mit 30 Prozent. Auch mit diesem System gilt es aber, den richtigen Zeitpunkt zum Bewässern zu erwischen.
Bodensonden, die die Feuchtigkeit im Untergrund auf verschiedenen Tiefen messen, können dabei unterstützen. «Man sieht an den Messungen, wann noch zugewartet werden kann», erläuterte Keiser. Das kann sich lohnen, damit die Stauden auf der Suche nach Wasser tiefe Wurzeln bilden.
Je nach Gründigkeit des Standorts gibt das Diagramm der Sonde auch einen Hinweis auf Verdichtungen oder sehr oberflächliches Wurzelwerk, wenn die Kultur in tieferen Schichten vorhandene Feuchtigkeit nicht anzapft. «Die Wurzeln von Kartoffelpflanzen können bis zu 60 cm tief reichen», gab der HAFL-Dozent zu bedenken. Er sieht die Bodensonden als Hilfsmittel – es gelte aber nicht, nur blind nach den Messungen zu bewässern. «Man hat ja immer noch die Kompetenz im Feld.» Zu beachten wäre etwa der Wetterbericht – vielleicht bringt baldiger Regen Entspannung.

Bessere Knollenqualität und höherer Ertrag dank Tröpfchen
Gefragt danach, wie verbreitet Tröpfchenbewässerung im Schweizer Kartoffelbau überhaupt sei, erzählte Andreas Keiser von Betrieben, die mehrere Hektaren mit dieser Technik bewässern.
Werde ein Teil der Kartoffelfläche über Tropfschläuche bewässert, erleichtere dies das Bewässerungsmanagement, da unabhängig von Tageszeit und Windverhältnissen bewässert werden könne. Insgesamt liege der Anteil auf diese Weise mit Wasser versorgter Flächen aber bei wenigen Prozent. «Von zehn Landwirten sagt die eine Hälfte, das sei sinnvoll, und die andere sagt nein zur Tröpfchenbewässerung», schilderte er die unterschiedlichen Meinungen.
«Die Wassereinsparung kann die Mehrkosten des Systems nicht kompensieren», räumte Keiser ein. «Aber jene, die darauf schwören, argumentieren mit besserer Knollenqualität und höherem Ertrag.» In Regionen mit weniger Niederschlag in Deutschland oder Frankreich habe sich im Gegensatz zur Schweiz die Tröpfchenbewässerung auch im Kartoffelbau durchgesetzt – schlicht, weil sonst das Wasser fehlt.
Volldünger lässt sich besser verteilen
Für eine gute Knollenqualität braucht es neben ausreichend Wasser auch die richtigen Nährstoffe. René Hartmann erläuterte die Vorteile eines Volldüngers. Damit erziele man eine bessere Verteilung. Körner von Einzelkomponenten würden nicht alle nah genug an die Pflanzen kommen.
«Vor allem Phosphor muss, wenn möglich, 2–3 mm nah zu den Wurzeln», betonte der Landor-Berater. Überfahrten spare man beim Einsatz von Volldünger allerdings nicht, da noch zusätzliche Gaben mit Kali und Stickstoff fällig würden. Landor präsentierte an den Feldtagen eine Düngungsvariante mit 160 kg N/ha, bei der alle Düngergaben vor der Pflanzung abgeschlossen wurden. René Hartmann erinnerte an die je nach Sorte unterschiedlichen Düngungsnormen. Hier handelte es sich um Speise- und Industriekartoffeln mit hohem N-Bedarf.
Für eine optimale Versorgung sollte der Stickstoff laut den Düngungsspezialisten in Form von Ammonium und Amid vorliegen. Man streute in Kirchberg Sulfamid 30 % zum Setzen. Die Bestände zeigten sich prächtig, wie auch Andreas Keiser kommentierte. Das dürfte nicht zuletzt der günstigen Witterung geschuldet sein – und dem sehr fruchtbaren Standort mit tiefgründigem Boden. Der Streifen mit phosphorreduzierter Düngung fiel optisch nicht auf.

Kalinitrat für gute Qualität ist geeignet für Fertigation
Kalium gilt als wichtiger Faktor für die Kartoffelqualität, für Lagerung und Hitzeverträglichkeit. Die Knollen von gut mit Kalium versorgten Stauden sind weniger anfällig für Schlagschäden und Verfärbungen. Nach Patentkali zum Setzen bekamen die Kartoffeln an den Feldtagen bis Mitte Juni zweimal einen Blattdünger mit Phosphor für den Knollenansatz.
In der Fertigation waren nach der Blüte zwei Gaben Kalinitrat geplant, um die Aktivität der Stauden und die Qualität der Knollen zu verbessern. «Das Nitrat hilft dabei, das Kalium in die Pflanze zu transportieren», erläuterte René Hartmann. Kalinitrat ist wasserlöslich und eignet sich daher sehr gut zum Auflösen für die Fertigation über die Bewässerungsschläuche.
«Mit diesem System gibt man den Dünger zur richtigen Zeit und nahe an die Wurzeln», meinte Hartmann. Schwierig werde es allerdings in Jahren, in denen es kaum Bewässerungsbedarf gibt. «Dann kann man den Dünger mit einer geringen Wassermenge in die Kultur bringen, um die geplante Nährstoffgabe umzusetzen.» Die Möglichkeit zur gezielten Düngung sieht er auch als ein Argument, das für Tropfschläuche als Bewässerungssystem sprechen kann.
Bewässerungsnetz gesichert
Das Netz von Bodensonden zur Feuchtigkeitsmessung der HAFL (Bodenmessnetz.ch) gehört neu zur Agriaqua AG. Dabei handelt es sich um ein Spin-off der Hochschule, das Betrieb und Weiterentwicklung des Netzes professionalisieren soll. «Wir wollen damit nicht das grosse Geld verdienen», stellte Andreas Keiser klar.
Die Agriaqua AG soll aber künftig eine zentrale Rolle in der Koordination, im Betrieb und im Ausbau der Bewässerungssysteme übernehmen. Ziel der unabhängigen digitalen Plattform ist das Zusammenführen von Daten aus unterschiedlichen Quellen und deren Aufbereitung für verschiedene Nutzergruppen. Damit will man die Betriebe in der standortangepassten Bewässerung unterstützen und gleichzeitig eine Grundlage für überbetriebliche Kooperationen schaffen.

