Luzerner Betriebe suchen praxistaugliche Wege gegen Nährstoffverluste: Durch bessere Fütterung weniger Verluste

Die Agroscope-Versuchsstation Sursee präsentierte Ergebnisse aus der Datenerhebung von Futter- und Gülleproben von 26 Betrieben. Mit betriebsindividuellen Massnahmen im Stall und bei der Ausbringung lassen sich Verlust von Stickstoff und Phosphor am besten vermindern.

Schon bald soll die vierte Generation den Stöckenhof übernehmen. Den Betrieb in Adligenswil haben Edi und Petra Zgraggen-Kretz als dritte Generation seit ihrer Übernahme 1994 in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt. Viel Land kam dazu, mit einem Nachbarn wurde 1995 eine Betriebsgemeinschaft gegründet, 2009 aber wieder aufgelöst. Ab 2000 wurde die Direktvermarktung forciert, so ab 2003 auch Bauernhof-Glace produziert, wegen strengeren Lebensmittelvorschriften wurde das 2014 aber wieder aufgegeben. 1998 konnte ein Laufstall gebaut werden, 2014 ein neuer Schweinestall.

Heute umfasst der Betrieb 31 ha LN, davon sind 7 ha ackerbaulich genutzt. Gemolken werden 34 Kühe, zudem werden einige Kälber gemästet und teilweise selber vermarktet, ebenso die Eier der 50 Freilandhühner. Gemästet werden 240 Schweine.

Geruchsauflage behindert Betriebsentwicklung

Der Stöckenhof hat somit eine Vielfalt und Grösse, die Sohn Marco als interessierter Hofnachfolger eine existenzfähige Zukunft ermöglicht. Gerne möchten Zgraggens aber noch den Laufstall erweitern. Die bereits bestehende angebaute Remise würde es leicht machen, die Fressachse zu verlängern. Die strengeren Geruchs- und Ammoniakauflagen verhindern dies aber derzeit.

Das war mit ein Grund, mit der Schweinehaltung als einer von 26 Luzerner Milch- und Schweinebetrieben beim Projekt Nährstoffflüsse mitzumachen. Die 2021 gestartete Agroscope-Station in Sursee untersucht die Stickstoff- und Phosphorflüsse im Betriebsnetzwerk unter Praxisbedingungen über mehrere Jahre. Darauf aufbauend sollen in Zukunft Massnahmen zur Reduktion der Nährstoffverluste erarbeitet werden.

Mehr Kosten und weniger Tierwohl

Am 19. Juni wurden die Ergebnisse der Betriebsbilanzierungen auf dem Stöckenhof präsentiert. Bei Zgraggens würden aufgrund der erhobenen Input-Output-Daten zu den Nährstoffen die Umstellung auf Stickstoff- und Phosphor reduzierte (NPr) Schweinefütterung, das Schliessen der Ausläufe im jetzigen Labelstall oder ein Luftwäscher die Nährstoffverluste am meisten reduzieren. Das würde aber die Wirtschaftlichkeit verschlechtern und wäre auch mit dem Tierwohl kaum vereinbar, meinte Edi Zgraggen. Und er wies darauf hin, dass er die Gülle schon jetzt behandle, was die Gerüche sehr stark reduzierte.

Messung der Mengen ist anspruchsvoll

Projektleiter Thomas Steinsberger bestätigte, dass bezüglich Nährstoffverlusten die wirtschaftliche und ökologische Perspektive zu beachten sei. Die Erhebung der realen Nährstoffflüsse in der Praxis sei sehr anspruchsvoll. «Es war nicht einfach zu messen, wie viel Gras denn nun auf der Wiese wächst oder wie viel Heu auf dem Heustock liegt, und wie viel Stickstoff in welcher Gülle enthalten ist.» So wurden in 15 Messrunden auf den Betrieben von 2022 bis 2025 rund 1400 Futtermittelproben und über 600 Gülleproben untersucht.

Gülle mit Hydrometer messen

Die Güllengehalte wurden mit einem einfachen und kostengünstigen Hydrometer und dem hochmodernen und sehr teuren Nahinfrarot-Spektrometer (Nirs) gemessen. Dabei zeigte sich, dass der Gülle-Hydrometer den TS-Gehalt der Gülle zufriedenstellend misst, das Nirs-Gerät für die Praxis aber überhaupt nicht geeignet ist. Thomas Steinsberger wies darauf hin, dass die Gülle-Verdünnung massgeblich für die effektiven Nährstoffgehalte verantwortlich ist. So gilt als Faustregel, dass der N-Gehalt 0.33 mal dem TS-Gehalt entspricht, für P ist es 0.08 mal TS-Gehalt.

Die Gülle- wie auch Futtermessungen hätten im Übrigen gezeigt, dass die Gehalte gut mit den bestehenden Referenzwerten übereinstimmen. Die grössten Fehlerquellen lägen bei der mengenmässigen Erfassung. Und Steinsberger betonte, dass die Werte je nach Betrieb sehr unterschiedlich sein könnten. «Es braucht somit auch betriebsindividuelle Massnahmen zur Reduktion der Nährstoffverluste.» Grundsätzlich hätten die Daten auch gezeigt, dass beim Stickstoff rund 20 bis 30 Prozent verloren gehen. Am wirkungsvollsten sei es, bei der Fütterung anzusetzen. Sehr empfohlen wird für Schweine die NPr-Fütterung, die keine Einbussen bei der Leistung verursache. Auch Massnahmen im Stall könnten die Verluste massiv senken. «Am meisten brächte es, wenn wieder alle Schweine eingesperrt würden», meinte Thomas Steinsberger. Das sei wohl aber bezüglich Tierwohl und gesellschaftspolitisch unerwünscht.

Bei Milchkühen sei ebenfalls mit Massnahmen im Stall, im Laufhof, bei der Güllelagerung und bei der Ausbringung anzusetzen. Stichworte sind Trennung von Kot und Harn sowie Einsatz des Schleppschuhs. In der nächsten Projektphase sollen aufgrund der erhobenen Daten gemeinsam mit den Betrieben individuelle Massnahmen erarbeitet und umgesetzt werden.

Gemeinsam eine Balance finden

Gabi Schachermayr, Vizedirektorin des Bundesamtes für Landwirtschaft, wies auf den Absenkpfad hin, die Verluste bei N und P müssten weiter reduziert werden, das werde auch mit der AP 30+ verfolgt. Es brauche aber für die Praxis geeignete Massnahmen, sie begrüsste deshalb ausdrücklich die Arbeit der Versuchsstation Sursee. «Gute Lösungen entstehen nicht im Labor.» Für den Luzerner Regierungsrat Fabian Peter braucht es gemeinsam von Landwirtschaft und Umweltverbänden entwickelte praxistaugliche Massnahmen. «Es gilt, gemeinsam eine Balance zu finden.» Er wies auf die grosse Bedeutung der Tierhaltung mit hoher Wertschöpfung im Agrarkanton hin. Um die zu halten, müssten aber die Nährstoffverluste weiter reduziert werden.

Kot und Harn trennen

Sehr erfreut äusserte sich Markus Kretz, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes, dass die Forschung in der Praxis erfolge. Die Bauern seien am meisten daran interessiert, die Nährstoffverluste zu reduzieren.  Er sieht viel Potenzial bei der Trennung von Kot und Harn und erwartet mehr Forschung für Fütterungs- und Güllezusätzen. Bedauerlich sei, dass solche Massnahmen zur Reduktion der Geruchsbelastung beim Baubewilligungsverfahren nicht berücksichtigt würden. Wünschbar wäre zudem, dass beim Schulgutsbetrieb Hohenrain ein neuer Milchviehstall gebaut würde, als Vorzeigebetrieb in Bezug auf Verminderung von Nährstoffverlusten. «Dort könnten auch Versuche mit Fütterungs- und Güllezusätzen durchgeführt werden.»

Agrosope-Projektleiter Thomas Steinsberger wies auf die hohe Komplexität bei der Datenerhebung für die je nach Betrieb sehr verschiedenen Futter- und Güllegehalte hin. (Bild: Josef Scherer)

Weiterlesen