BauernZeitung: Herr Pfiffner, Sie untersuchen die natürliche Schädlingsregulierung in Obstanlagen. Welchen Einfluss haben dabei Blühstreifen?

Lukas Pfiffner: Es hat sich herausgestellt, dass man mit solchen artenreichen, mehrjährigen Strukturen innerhalb der Obstanlage Nützlinge und Bestäuber signifikant fördern kann. Dies, weil sie sich dank der Blühpflanzen mit Pollen, Nektar und Beutetieren viel besser ernähren können und in der Folge grössere, wirksamere Populationen aufbauen. Blühstreifen sind ein wertvoller Baustein im agrarökologischen Pflanzenschutz, den es sinnvoll mit weiteren indirekten und direkten Pflanzenschutzmassnahmen zu kombinieren gilt.

Welchen Nutzen trägt dabei der Obstbauer?

Unter den Nützlingen finden wir Räuber wie Marienkäfer, Flor-fliegen, Schwebfliegen und Raubwanzen sowie parasitoide Schlupfwespen. Sie ernähren sich von bestimmten Schädlingen und regulieren so den Schaden an den Früchten und Blättern der Obstanlage. Die Nützlinge werden über die Jahre sogar aufgebaut. Der Obstbauer kann dadurch gewisse Insektizidapplikationen einsparen.

Mit welchen Kosten muss ein Obstbauer rechnen, wenn er bei sich in der Anlage Blühstreifen anlegen möchte?

Es kommt darauf an, wie intensiv die Anlage betrieben wird, wie viele Streifen angelegt werden sollen und ob Arbeitsgeräte vorhanden sind. Die Kosten für die Anlage und Pflege mehrjähriger Blühstreifen sind mit den Kosten für die Anwendung von Bioinsektiziden vergleichbar (etwa Fr. 450.– bis 600.–/ha auf fünf Jahre gerechnet). Die geringe Anzahl Mulchgänge für die Pflege der Blühstreifen im Vergleich zu Fahrgassen mit Gras ermöglicht es auf Dauer, die Kosten für den Kauf eines speziellen Mulchgerätes zu kompensieren. Das günstigste Gerät liegt zwischen 6000 und 8000 Franken, das teuerste zwischen 10 000 und 12 000 Franken. Hier lohnt sich ein multiples Gerät, das Blühstreifen und auch Fahrgassen mulchen kann. Das Saatgut für mehrjährige Blühstreifen kostet zwischen Fr. 40.– und 45.–/Are. In der Regel reicht es aus, wenn nur in jeder zweiten Reihe ein Blühstreifen angesät wird.

Werden Blühstreifen in Obstanlagen finanziell vom Bund gefördert?

Bislang werden Blühstreifen vom Bund nicht gefördert. Im Obstbau gelten sie noch nicht als Biodiversitätsförderflächen (BFF). Das möchten wir aber in Zukunft ändern, da immer mehr Landwirte an so einem System interessiert sind. Blühstreifen können allerdings als Massnahme im Bio-Suisse-Massnahmenkatalog ausgewählt werden.

 

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