Von aussen ist es ein ganz normaler Gewächs­haustunnel, sieben mal siebzehn Meter. Schon spezieller: Das Treibhaus steht auf dem Gelände einer Kläranlage bei Wolfsburg im deutschen Bundesland Niedersachsen. Während dreier Jahre wuchs hier Salat, aber nicht in Erde, sondern in der Versuchsanlage des Forschungsprojekts Hypowave.

Aufbereitetes Abwasser

In diesem sogenannten hydroponischen Verfahren werden die Pflanzen über eine Nährlösung versorgt. Im Vergleich zum herkömmlichen Anbau versickert kein Wasser im Boden und es verdunstet deutlich weniger. Erstmals verwendeten die Forschenden dafür Abwasser von ganz normalen Haushalten.

Es stammte aus der benachbarten Kläranlage und wurde über ein mehrstufiges Verfahren behandelt und hygienisiert. «Kommunale Abwässer enthalten viel Stickstoff, Phosphor und alle anderen essenziellen Pflanzennährstoffe, die wir für den Gemüseanbau nutzen können», erklärt Jörn Germer von der Universität Hohenheim in einer Pressemitteilung.

Gewisse Nährstoffe mussten zugedüngt werden

Die Forschenden testeten verschiedene Varianten, am besten funktionierte ein anaerobes Verfahren. Das sei so ähnlich wie eine Biogasanlage, erklärt der Forscher, wenn das Wasser anaerob vergoren wird, dann verbleibe der wertvolle Stickstoff im Wasser. «Bei der Nitrifikation wird er durch Bakterien von Ammonium in Nitrat umgewandelt, das die Pflanzen gut aufnehmen können.» Kalium und Mikronährstoffe wie Zink und Eisen mussten zugedüngt werden.

Akzeptanz entscheidend

Das Rohrsystem würde sich auch für Gemüse wie Gurken, Tomaten oder Peperoni eignen. Der Vorteil für die Kläranlage: Die Pflanzen klären das Wasser, indem sie ihm die Nährstoffe entziehen. «Das ist die Hoffnung, dass wir so weit kommen, dass das Wasser eine Qualität über der normalen Behandlungs­qualität von Kläranlagen hat», ergänzte Germer gegenüber dem Radiosender MDR.

Man habe das zum Teil schon sehr schön geschafft, so der Forscher. Aber die Idee stehe und falle mit der Akzeptanz der Konsumenten. Nicht allen dürfte die Idee von Gemüsezucht im Abwasser besonders munden. Die Forschenden hatten keine Berührungsängste: «Wir haben den Salat des Öfteren probiert. Wir haben sogar geschmackliche Unterschiede zwischen den Behandlungen feststellen können.»

Unbedenklich geniessbar

Das Julius-Kühn-Institut in Quedlinburg (Bundesland Sachsen-Anhalt) untersuchte den Salat derweil auf das Darmbakterium E. Coli, das auf Fäkalien hinweisen würde. Die Wissenschaftler fanden nicht mehr darauf als auf üblicher Marktware. Der Salat sei mit guten Gewissens essbar, befanden sie.

Auch für trockene Gebiete geeignet

Das vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt ging kürzlich nach drei Jahren zu Ende. Die Forschenden im Schlussbericht darin eine positive Bilanz. Die Ergebnisse zeigten, «dass die Herstellung von Bewässerungswasser aus Abwasser für verschiedene Gemüse oder auch Schnittblumen geeignet ist», heisst es auf der Website von Hypowave.

Der Ansatz lasse sich sowohl bei lokaler Wasserknappheit wie in der Lüneburger Heide (Deutschland) oder in trockenen Gebieten (etwa in Portugal) umsetzen. Das Konzept wurde auch in Belgien und Portugal getestet.

 www.hypowave.de