Ganz so schlimm, wie erwartet, ist es dann dochnicht gekommen. Obschon das Jahr 2021, begleitet von der Corona-Pandemie, auch wettertechnisch gerne vergessen wird, zeigt sich, dass, zumindest was die Krippe anbelangt, auf den Höfen bestmögliche Arbeit geleistet wurde. Die Resultate aus einer gross angelegten Erhebung der Agridea, der sogenannten Raufutter-Enquête, zeigen, dass sich das Raufutter 2021 in seiner Qualität nur um Nuancen von den vorangehenden Jahren unterscheidet. Die Auswertung des Dürrfutters 2021 basiert auf rund 1400 eingesandten Proben bei der UFA AG und Eurofins Scientific AG, schreibt Agridea.

Das Jahr, das war

Erinnern wir uns an die Bedingungen: «Nach einem sonnigen und milden März war der Frühling verbreitet kühl, wenig sonnig und der Mai besonders niederschlagsreich. Im Juni folgte eine gewitter- und niederschlagsreiche Zeit, so dass ein optimales Erntezeitfenster schwierig zu treffen war. Die milden bis warmen Temperaturen führten dazu, dass die Bestände zum Erntezeitpunkt Ende Mai oder Mitte Juni bereits etwas über den optimalen Schnittzeitpunkt hinausgewachsen waren», schreiben Chiara Augsburger und Markus Rombach von der Agridea in ihrer Bilanz.

Der spätere Schnittzeitpunkt spiegelt sich denn auch in den erhöhten Rohfasergehalten, welche in diesen Futtern gemessen wurden, wieder. Das belüftete Futter wies tendenziell einen höheren Rohaschegehalt auf als unbelüftetes Futter. Mögliche Gründe für das leicht verschmutzte Futter sehen Augsburger und Rombach in einer tieferen Schnitthöhe oder durch eine Ernte bei feuchteren Bedingungen, zum Beispiel früher nach den Niederschlägen, weil kürzere Erntezeitfenster genutzt werden konnten.

Genauere Betrachtung

Eine genauere Betrachtung zeigt, dass die Analysegehalte des Dürrfutters 2021 teilweise leicht unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre zu liegen kommen. Sowohl der mittlere Energiegehalt von belüftetem Dürrfutter mit 5,4 MJ NEL pro kg Trockensubstanz (TS), als auch jenervon bodengetrocknetem Dürrfutter mit 5,1 MJ NEL pro kg TS habe Verbesserungspotenzial. Die APDE- und APDN-Gehalte sind ausgeglichen, liegen aber leicht unter den Zielwerten. Der Rohproteingehalt liegt auffällig tiefer als der mehrjährige Durchschnitt. Dies sei unter anderem mit den schwierigeren Erntebedingungen dieses Jahres zu erklären. Die Rohfasergehalte von unbelüftetem Dürrfutter sind deutlich höher als jene von belüftetem Dürrfutter, ebenso ist der Zuckergehalt höher. «Beides spricht dafür, dass die Vorteile der Heubelüftung, Nutzung kürzerer Erntezeitfenster und schnellere Trocknung des Futters, ausgeschöpft werden konnten», bilanzieren die Agridea-Mitarbeitenden.

Ostschweiz sticht heraus

Die intensiven Futterbauregionen der Ostschweiz stechen dieses Jahr sowohl mit guten Energie-, als auch Protein- und Rohfasergehalten heraus. Obwohl die Zentralschweiz und Graubünden ebenfalls Protein- und Rohfasergehalte im Zielwertebereich aufweisen, hätten sie mit Energiegehalten von5,4 resp. 5,3 MJ NEL pro kg TS noch Steigerungspotenzial, ist Agridea sicher. Nur wenige Regionen hatten Schwierigkeiten den Rohaschegehalt und somit die Futterverschmutzung unter 100 g/kg TS zu halten. Das Wallis hatte zudem auch eher Mühe Energiegehalte über 5,2 MJ NEL pro kg TS zu erreichen.

Jahre wie 2021 zeigen, dass eine Raufutteranalyse für Milchviehbetriebe wichtig ist und durchaus auch für Aufzucht- und Masttiere sowie Mutterkühe durchgeführt werden kann. Die Wichtigkeit der Raufutteranalysesei abhängig von der Anzahl Kühe (drei oder 200 Kühe), von der Höhe der durchschnittlichen Milchleistung (5000 oder 11'000 kg), vom Fütterungssystem (weidebasiert oder Totalmischration), vom Anteil des entsprechenden Raufutters in der Ration und zudem vom Zweck der Raufutteranalyse (Fütterungsplanung, Futtermittelhandel oder Ursachensuche bei Problemen).

Im Sommer nicht sinnvoll

«Meistens werden Raufutteranalysen vor der Winterfütterung durchgeführt», erklärt Fredy Schori von der Forschungsgruppe Wiederkäuer bei Agroscope. Er ist aber der Ansicht, dass für grosse Milchviehherden, mithohen Leistungen und mit ganzjährigen Mischrationen aus konserviertem Raufutter, Kenntnisse der Nährstoffkonzentrationen der Raufuttermittel über das ganze Jahr von Vorteil sein könnten. Das heisst, dass mehrere Proben Sinn machen können, um genau zu wissen, welche Qualität das Futter wirklich hat. «Proben von Weide- oder frischem Wiesenfutter (Sommerfütterung) sind selten sinnvoll, da die Nährstoffgehalte zu stark und zu schnell variieren», weiss Schori.

Für die Schätzung der Nährstoffkonzentrationen der Raufutter braucht es seiner Ansicht nach aber nicht unbedingt eine Analyse, «es gibt auch andere Wege, die Nährstoffkonzentration zu schätzen», erklärt Schori und nennt folgende Möglichkeiten:

  • Ernterapport AGFF (ist arbeitsaufwendig)
  • Merkblätter zur Einschätzung von Dürrfutter und Silagen (sind bequemer als der Ernterapport)
  • Normwerte (www.feedbase.ch, Wirz-Handbuch )
  • Werte aus jährlichen Enquêten

Ob mit Analysen oder Richtwerten gearbeitet wird, sei abhängig von den oben genannten Faktoren zur Betriebsgrösse etc. «Bei kleineren Betrieben mit mittleren Leistungen ist es sinnvoll, alle drei bis vier Jahre eine Analyse der anteilsmässig wichtigsten, konservierten Wiesenfutter durchzuführen», sagt Fredy Schori. Bei einer Analyse sollten die Mineralstoffe Kalzium, Phosphor und Magnesium nicht vergessen werden. Je nach Problemen könnten noch andere Mineralstoffe dazukommen. «Wenn viele neue Wiesenflächen oder ein neuer Betrieb bewirtschaftet wird, sind Analysen oder eine gründlicher Raufutterbeurteilung sinnvoll. Das Gleiche gilt, falls es grössere Veränderungen gab bezüglich Futterkonservierung oder -lagerung», sagt der Wissenschaftler.

Wer nimmt Proben?

Vor der Frage nach dem Analyseort sei die richtige Probenahme zum Erhalt einer repräsentativen Stichprobe wichtig. Beispiele von Anbietern von Raufutteranalysen sind:

  • UFA Laboratorien AG in Sursee LU
  • Eurofins Scientific AG in Schönenwerd SO
  • FiBL in Frick AG

Gefragt nach der Unabhängigkeit von Mischfutterherstellern, die Analysen anbieten, sagt Schori: «Die meisten Mischfutterhersteller in der Schweiz bieten Futtermittelanalysen an, aber die Analysen werden nicht durch die Mühlen selbst durchgeführt.»

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