Der Buchdrucker, der in den letzten Jahren immer wieder grossflächig Fichten in Schweizer Wäldern zum Absterben gebracht hat, ist eine einheimische Borkenkäferart. Somit hat er – im Gegensatz zu gebietsfremden Schädlingen wie etwa der Kirschessigfliege – eine ganze Reihe natürlicher Feinde. Dazu gehören Pilze, die Krankheiten auslösen können, oder Fressfeinde und Parasiten. Angesichts dessen, dass ein Buchdrucker demnach kein ungefährdetes Leben führt, erstaunen die grossen Populationen dieser Käfer. Allerdings liegt genau darin das Problem.

Viele sterben, aber zu viele überleben

Tatsächlich sind Feinde wie z. B. Schlupfwespen und der Ameisenbuntkäfer ziemlich effizient darin, Borkenkäfern den Garaus zu machen. «Sie können in einem Käfernest, also einer Gruppe befallener Bäume, über Dreiviertel der Käfer töten», meint Beat Wermelinger, Waldinsektenforscher an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Das zeigt allerdings nur dann Wirkung, wenn die gesamte Käferpopulation nicht sehr gross ist. Das ist in der sogenannten Latenzphase zwischen wiederkehrenden Massenvermehrungen der Fall.

Leider sind Massenvermehrungen durch sehr günstige Lebensbedingungen mit viel durch Trockenheit geschwächten Fichten, Sturmschäden und (noch bewohntem) stehen gelassenem Käferholz die Regel geworden. «So gibt es immer genügend überlebende Buchdrucker, die ausfliegen und andere geschwächte Bäume befallen», erläutert Wermelinger. Nur in grosser Zahl können die Käfer die Abwehr lebender Bäume durchbrechen, «sonst müssen sie sich mit liegendem mit nicht zu altem Fichtenrestholz begnügen».

«Es hat nicht zu wenig natürliche Feinde, sondern zu viele Buchdrucker», fasst Wermelinger zusammen

Beim Engerling erfolgreich, nicht aber gegen Buchdrucker

Engerlinge werden heute erfolgreich mit Beauveria-Pilzen bekämpft. «Das wurde beim Buchdrucker versucht, blieb aber erfolglos», erzählt der Insektenforscher. Zwar habe man in Belgien eine einigermassen gelungene biologische Bekämpfung einer Borkenkäferart mit dem räuberischen Flachen Rinderkäfer entwickelt, die Biologie des Buchdruckers sei aber sehr anders und entsprechende Versuche nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Beat Wermelinger führt weitere Punkte auf, die gegen eine Buchdrucker-Bekämpfung mit natürlichen Feinden sprechen:

  • Das Züchten von Fressfeinden und Schlupfwespen wäre sehr aufwändig und deren Aussetzen heikel, was den richtigen Zeitpunkt angeht.
  • Bei einer Behandlung mit Beauveria-Pilzen müssten die Bäume vor einem Käferbefall behandelt werden. Das wäre schwierig und aufwendig, da man nie genau weiss, wo der Buchdrucker als nächstes zuschlägt.
  • Zu Beauveria müsste die rechtliche Lage geklärt werden, da eine Behandlung damit unter «Ausbringen von Stoffen im Wald» läuft

Der Nadelholzanteil ist nicht entscheidend 

Gerade im Mittelland stehen viele Fichten, obwohl die Baumart natürlicherweise in höheren Lagen zu Hause ist. Dieser Umstand wird bisweilen als Grund herangezogen, um das massenhafte Auftreten von Borkenkäfern in Schweizer Wäldern zu erklären. Das ist allerdings zu kurz gegriffen: «Es ist immer eine Wechselwirkung zwischen dem Angebot sowie der Widerstandskraft der Bäume und der Grösse der Käferpopulation», erklärt Beat Wermelinger. Wenn in den nächsten Jahren genügend Regen fallen würde und es keine Stürme gäbe, würde sich die Situation laut dem Insektenforscher relativ schnell einpendeln – auch beim jetzigen hohen Nadelholzanteil.

Angesichts des Klimawandels ist dieses Szenario aber unwahrscheinlich. Um bei anhaltender Trockenheit in den nächsten Jahren den Borkenkäferbestand soweit zu senken, dass nur noch gelegentlicher Befall auftritt, müsste der Anteil Fichten in unseren Mischwäldern «drastisch» sinken, so Wermelinger. Wie lange es dauert, bis sich der Wald durch das Wüten des Käfers selbst in seiner Artzusammensetzung umgebaut hat, könne er nicht abschätzen. Ebenso wenig kann er einen Zielprozentsatz für den Fichtenanteil nennen. Es bleibt also nur, hinter dem Käfer aufzuräumen und befallene Bäume bzw. deren Rinde aus dem Forst zu schaffen.

 

Nützlinge fördern gegen den Buchdrucker 

Auch wenn man sie nicht gezielt zur Bekämpfung einsetzen kann, lohnt sich die Förderung natürlicher Buchdrucker-Feinde trotzdem. Sie können zwar keine Massenvermehrungen verhindern, tragen aber zum Rückgang der Population in weniger starken Käferjahren bei. So ist zumindest der Ausgangsbestand für die nächste Massenvermehrung kleiner. Im Übrigen ist im Kampf gegen den Forstschädling jede natürliche und kostenlose Hilfe willkommen. 

Nach dem Auszug Holz stehen lassen

Die einfachste Massnahme zur Förderung natürlicher Helfer gegen Buchdrucker besteht darin, verlassenes, frisches Käferholz stehen zu lassen. Anhand zweier etwa 20x20 Zentimeter grosser, etwa 10 Meter auseinanderliegender Rindenstücke kann man kontrollieren, ob die Käfer tatsächlich ausgeflogen sind. Ist das der Fall, kann der Baum rund einen Monat stehen oder liegen gelassen werden. «In den verlassenen Gängen entwickeln sich viele Räuber und parasitische Wespen fertig. Die Bäume wegzuräumen, würde nichts zur Borkenkäfer-Bekämpfung beitragen, sondern lediglich dessen Feinde vernichten», erklärt Beat Wermelinger. Weiter sollten Waldbesitzer auf eine vielfältige Mischung der Baumarten achten. Darin können sich andere, harmlose Borkenkäfer entwickeln – und mit ihnen auch die Feinde des Buchdruckers.