Thomas Oehen, Sie waren neun Jahre Präsident der Zentralschweizer Milchproduzenten. Welche Geschäfte oder Ereignisse liessen Sie schlecht schlafen?

Thomas Oehen: Ich hatte eigentlich nie schlaflose Nächte wegen meines Amtes. Es hat sicher Geschäfte gegeben, da war der Puls etwas höher und manchmal waren auch die Emotionen etwas stärker. Solche Momente waren sicher die plötzlichen Rücktritte des Präsidenten und des Direktors bei der SMP oder die Wiederaufnahme der Hochdorf Direktlieferanten.

… und wann war die Erleichterung am grössten?

Jede DV war sicher etwas Spezielles und ich war jeweils froh, wenn alles wie geplant über die Bühne ging. Dann gab es immer wieder Anlässe, die organisiert und durchgeführt werden mussten. In bester Erinnerung sind mir auch die Produzentenfeste 2015 geblieben.

Sie haben die interne Reorganisation massgebend mitgeprägt. Was sind die grössten Vor- und Nachteile der Wahlkreise, des Regionalausschusses, der DV und des verkleinerten Vorstandes?

Mit dem verkleinerten Vorstand ist die Arbeit des ganzen Gremiums sicher professioneller geworden. Das einzelne Mitglied muss mehr Führungsverantwortung übernehmen. Zudem ist man nicht dem Wahlkreis verpflichtet, sondern der gesamten Organisation. Die Zusammenarbeit in diesem kleineren Gremium ist intensiver geworden. Natürlich gibt es immer wieder Diskussionen, ob die Entscheidungskompetenzen richtig verteilt sind. Wichtig ist sicher, dass die notwendige Transparenz zu den Mitgliedern gegeben ist. Persönlich bin ich nach wie vor überzeugt, dass die Reorganisation der richtige Schritt war. Wie überall, so braucht es auch bei der ZMP wieder Anpassungen. Hier ist auch ein entsprechendes Projekt geplant.

Die Milchproduzenten sind gemäss Wahrnehmung von aussen und interner Umfragen laufend zufriedener mit der Milchverarbeiterin Emmi. Ist dies ausschliesslich mit dem Projekt «Rückvergütung Emmi Erfolg» zu begründen?

Die Rückvergütung spielt hier sicher eine wichtige Rolle. Die guten Betriebsergebnisse von Emmi kommen uns Produzenten direkt zugute. Zudem habe ich es als eine meiner wichtigsten Aufgaben angesehen, die Zusammenarbeit mit Emmi auf eine gute gegenseitige Vertrauensbasis zu stellen. Emmi macht einen sehr guten und einen sehr wichtigen Job in der Schweizer Milchwirtschaft. Das wollen wir von unserer Seite unterstützen. Wenn es Fragen oder Meinungsverschiedenheiten gibt, klären wir das im direkten Gespräch. Das hat in den letzten Jahren beidseitig sehr gut geklappt.

Obwohl die Milchpreise trotzdem für viele Betriebe (zu) tief sind, ist es ruhiger geworden, etwa an der Leserbriefe-Front. Wie interpretieren Sie das?

Ich glaube, wir haben im Moment eine recht stabile Situation auf dem Milchmarkt. Die Preise sind in den letzten Jahren immer leicht angestiegen. Das hat sicher zur Beruhigung beigetragen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns in einem teilliberalisierten Markt befinden. Eine zu grosse Differenz zu den internationalen Preisen bewirkt sofort mehr Import und Druck beim Export. Im Moment ist dieses Verhältnis recht gut austariert. Zudem macht die Branchenorganisation Milch (BOM) meiner Meinung nach einen guten Job. Ohne die jeweils hart verhandelten Ergebnisse der BOM hätten wir viel mehr Verwerfungen im Markt.