Im März 2026 zeige sich der Schweizer Eiermarkt weiterhin angespannt, schreibt Gallosuisse im aktuellen Marktbericht. Bereits im Vormonat hatte Gallosuisse angekündigt, dass auf Ostern rund acht Millionen Schweizer Eier fehlen würden.
Mehr Eier aus verlängerten Umtrieben
Die Ursachen dafür beginnen bereits in den vorgelagerten Stufen der Produktion. Die Kükenstatistik des Aviforum weist bis Kalenderwoche 5 ein tieferes Niveau der Legeküken-Schlüpfe gegenüber dem Vorjahr aus, insbesondere im konventionellen Bereich. Immer mehr Legehennen werden länger als ein Jahr gehalten. Diese Hennen produzieren zwar weiterhin Eier, erreichen jedoch nicht mehr in allen Fällen die gewünschte Qualität für Konsum-Schaleneier, weshalb ein wachsender Anteil der Eier aus verlängerten Umtrieben in der Verarbeitung landet.
Inlandproduktion auszudehnen, ist schwierig
«Damit fehlen aus natürlichen Gründen jene frischen Eier, die zu Spitzenzeiten wie Ostern besonders stark nachgefragt werden», sagt Gallosuisse-Präsident Daniel Würgler. Auch seien die Möglichkeiten begrenzt, die Inlandproduktion im laufenden Jahr auszudehnen. Die verlängerten Umtriebe erschweren die Planung zusätzlich.
Die frühere Praxis, bereits aus den ersten Monaten eine verlässliche Ganzjahresprognose abzuleiten, verliere deutlich an Aussagekraft. Im Markt führe dies zu einer Situation, in der keine Erhöhung des Angebots absehbar sei, während die Nachfrage nach Schweizer Eiern weiterhin sehr hoch bleibe.
Bestehende Kunden würden prioritär bedient, und bis Ostern ist mit weiteren Kürzungen zu rechnen. Dies gilt auch für den Biobereich, in dem die Produktion leicht unter den Erwartungen liege. Gleichzeitig sind die Färbelager aufgrund der guten Abverkäufe im Konsumbereich tief. Besonders angespannt ist die Lage bei Verarbeitungseiern: Die Verfügbarkeit ist ungenügend, es können vor allem Nebensorten verarbeitet werden.
Zusatzkontingent von 15 000 t beantragt
Fehlende Mengen müssen durch Importware ausgeglichen werden. «Deshalb befürworteten wir Mitte Februar auch seitens der Produktion den Antrag ans Bundesamt für Landwirtschaft für ein Zusatzkontingent von 15 000 t Konsumeiern, um die Versorgungslücke zu schliessen», sagt Daniel Würgler gegenüber der BauernZeitung. Das reguläre Zollkontingent für Konsumeier beträgt 21 000 t, wobei die erste Kontingentstranche von 13 650 t bereits zu rund 45 % ausgeschöpft ist.
Eiermarkt in Europa: Tiefe Verfügbarkeiten zu hohen Preisen auf dem Spotmarkt
Auch der europäische Eiermarkt bleibt unter Druck. Eine anhaltend hohe Nachfrage trifft auf ein Angebot, das durch Vogelgrippe, Herdenwechsel und den laufenden Strukturwandel deutlich eingeschränkt ist. Die Grosshandelspreise liegen im Schnitt deutlich über dem Vorjahresniveau. Besonders sichtbar wird der Einfluss der Vogelgrippe in Ländern wie Polen, wo seit Jahresbeginn grosse Legehennenbestände gekeult werden mussten. Sperrbezirke und Transportauflagen bremsen den Warenverkehr und reduzieren die effektiv verfügbaren Mengen. Parallel dazu werden Käfig- und Kleingruppensysteme schrittweise zurückgebaut; die damit verbundenen Umstellungsphasen kosten Produktionskapazität und verschärfen die Knappheit auf dem Spotmarkt.
Um die Versorgung abzusichern, greifen viele EU-Mitgliedstaaten vermehrt auf Drittlandimporte zurück. Stark zugenommen haben insbesondere die Lieferungen aus der Ukraine, deren Exporte in die EU in den letzten Jahren um 550 % gewachsen sind. Diese Mengen wirken zwar dämpfend auf das Preisniveau, sorgen aber wegen unterschiedlicher Tierwohl- und Produktionsstandards für kontroverse Diskussionen in Branche und Politik. Die Nachfrage bleibt insgesamt hoch, vor allem im Bio- und Freilandsegment. Der Detailhandel versucht, Preisspitzen bei konventionellen Eiern mit Aktionen etwas zu glätten, kann die strukturellen Kostentreiber aber nur begrenzt kompensieren.