Die Agripalma-Plantage auf der Insel São Tomé ist seit vergangenem Jahr Bio Suisse zertifiziert. Dies ermöglicht den Import von nachhaltig produziertem Palmöl. Eine Zertifizierung verlangt die Erfüllung folgender Punkte des Bio Suisse Reglements:

  • Es dürfen keine Flächen zertifiziert werden, die nach 1994 gerodet wurden.
  • Die Verletzung der Rechte der einheimischen Bevölkerung beim Anliegen einer Plantage und die Enteignung von Kleinbauern ohne Entschädigung fällt unter Landraub (Land Grabbing). Land Grabbing ist im Import-Regelwerk ausdrücklich nicht zugelassen.
  • Anforderungen, welche seit dem 1. Januar 2021 gelten und Bio Suisse Palmöl besonders nachhaltig machen sollen, müssen ohne Verzug erfüllt sein:
    • Mindestens 20 Prozent der Palmfrüchte werden von Kleinbauern/-bäuerinnen geliefert.
    • Fünf bis zehn Prozent der Plantagen Fläche werden mit diversifizierten Anbaumethoden wie Agroforst bewirtschaftet (Heute ist die Plantage eine reine Monokultur)

Abklärungen zur Nachhaltigkeit erst nach der Zertifizierung

Uniterre und FIAN Schweiz haben bei Bio Suisse nachgefragt, ob diese Regeln tatsächlich eingehalten wurden. Mit den Antworten scheinen die Organisationen nicht zufrieden, denn sie behaupten, die Plantage wurde zertifiziert, ohne dass Kontext und Risiken untersucht wurden. So werde das als nachhaltig verkaufte Palmöl scheinbar gar nicht nachhaltig produziert.

Sie werfen Bio Suisse vor, die Abklärungen zur Nachhaltigkeit nicht vor der Zertifizierung vorgenommen zu haben, sondern sich erst jetzt darum kümmern. Die Antwort von Bio Suisse weise auch darauf hin, dass die Nachhaltigkeitskriterien nicht eingehalten werden, schreibt Uniterre in einer Medienmitteilung. Zudem behaupten Uniterre und FIAN Schweiz, es sei Bio Suisse wichtiger, das eigene Image als die Umwelt zu schützen. Ein weiterer Punkt, den die Organisationen kritisieren ist die Transparenz. Bio Suisse wolle die Öffentlichkeit weder über die genaue Position der Plantage noch den Besitzer informieren.

1500 Hektaren Wald gerodet

Auf der Insel São Tomé befinden sich geschützte Urwaldflächen. Bereits im Jahr 2009 erhielt Agripalma eine Genehmigung für den Anbau von Palmöl auf 5000 Hektaren. Dagegen wehrte sich jedoch die Bevölkerung. Zwei Jahre später soll Agripalma dann doch über 1500 Hektaren Wald gerodet werden, so Uniterre. Die Agripalma Plantage gehört zum transnationalen Konzern Socfin, dessen Betriebsleitung 2010 aus steuertechnischen Gründen in die Schweiz gezogen ist.

Kleinbauernorganisationen statt Grosskonzerne fördern

Angesichts der Entwicklung der Agripalma-Plantage sei es zumindest zweifelhaft, dass Bio Suisse eine sorgfältige Evaluation der Risiken vorgenommen habe, heisst es in der Mitteilung. Uniterre fordert Bio Suisse dazu auf, sich an die eigenen Richtlinien zu halten und zu kontrollieren, dass ihre Anforderungen vollumfänglich und effizient umgesetzt werden. Statt Grosskonzerne wie Socfin sollten zudem Kleinbauernorganisationen gefördert werden, fordert Uniterre.

Wie Bio Suisse zum Thema Palmöl steht, lesen Sie hier.