Kürzlich hat Landor, die Marktleaderin auf dem Markt für Mineraldünger, ihre Inserate in der BauernZeitung sistiert. Grund ist nicht etwa Unzufriedenheit mit dem Fachblatt, sondern die Düngerkrise. «Wir erhalten im Moment keinen Ammonsalpeter», sagt Hansueli Schaufelberger, Geschäftsleitungsmitglied bei Landor, die rund 70 Prozent des Marktes hält.
Preis auf 80 Fr. verdoppelt
Ammonsalpeter ist der wichtigste Umsatzträger auf dem Mineraldüngermarkt und wird in normalen Zeiten an der Nordseeküste in den Niederlanden und Belgien aus dem dort ankommenden Erdgas produziert und anschliessend verschifft, unter anderem in die Schweiz, die selber keinen Kunstdünger mehr produziert.
Die Herstellung von Ammoniumnitrat, so die korrekte chemische Bezeichnung, erfolgt durch die Einleitung von Ammoniumgas in Salpetersäure. Nun fehlt allerdings aufgrund des Kriegs in der Ukraine der Rohstoff Erdgas, wie Schaufelberger sagt. «Wir erhalten im Moment schlicht keine Angebote, hoffen aber jeden Tag, dass wir wieder neue erhalten», so der Landor-Mann. Betroffen sei hauptsächlich Ammonsalpeter, aber auch die Ammonsulfat-haltigen Dünger.
Das fehlende Gas ist nur die eine Seite des Problems. Auch die Transportkapazität ist eingeschränkt. Grund ist der für den Schiffstransport zentrale Rhein. Hier sind die Wasserstände aufgrund der Trockenheit aussergewöhnlich niedrig. Deshalb können die Schiffe nur mit rund 30 Prozent der üblichen Auslastung beladen werden. Dies habe massive Auswirkungen auf die Kosten und letztlich auch auf die Düngerpreise, sagt Hansueli Schaufelberger. Während Ammonsalpeter vor Jahresfrist rund 40 Fr./dt kostete, schlägt er derzeit, sofern überhaupt erhältlich, mit dem Doppelten zu Buche.

«Sehr schwierige Lage»
Als «sehr schwierig» bezeichnet die Lage auch Lucas Burkhard von Omya. Man werde von den Lieferanten vertröstet, und es würden kaum Angebote gemacht. «Alle sind am Abwarten», stellt er fest. Von einem baldigen Ende der Unsicherheit und der Düngerknappheit sei nicht auszugehen, so Burkhard, er wage es diesbezüglich nicht, Prognosen zu machen.
Dieser Meinung ist auch Walter von Flüe vom Landor-Beratungsdienst. Sollte sich die Gasversorgung wieder verbessern, wird sicher nicht als Erstes Dünger hergestellt, sagt er. Alternativen seien nur beschränkt vorhanden, erklärt er. Es werde nun vermehrt Harnstoff bestellt, der besser erhältlich sei. Dessen Problem sei allerdings, dass der Stickstoff bei den kühlen Temperaturen im März und April nicht verfügbar sei.
Die Düngerknappheit ist kein ganz neues Phänomen. Schon im Dezember hat der Bund die Pflichtlager teilweise geöffnet. Die Schweiz hält laut dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) insgesamt rund 17'000 t Reinstickstoff an Pflichtlager. Dies entspreche einem Drittel einer Vegetationsperiode. Wie es in einer Medienmitteilung des BWL vom De-zember heisst, dürften die Pflichtlagerhalter wo nötig auf 20 Prozent der gesamten Pflichtlagermenge zurückgreifen. Bisher wurden aber erst wenige 100 t beansprucht, so das BWL.
In Zahlen
70'000 Tonnen Ammonsalpeter werden jährlich in die Schweiz eingeführt, er ist damit der wichtigste Stickstoffdünger. 341' 230 Tonnen Dünger wurden 2021 in die Schweiz eingeführt, davon waren rund 210 000 Tonnen Stickstoffdünger. 23 Prozent des eingesetzten Stickstoffs stammt aus Mineraldüngern, der Rest aus Hof- und Recyclingdüngern.

