Die Zeit ist vorbei, als auf einem Tisch in einer Ecke der Tenne ein paar Produkte des Hofs verkauft wurden. Die Hofläden sind aus ihrem Dornröschen-Dasein erwacht. Es gibt unzählige Hofläden, die sehr gut frequentiert sind. Gerade auch in der jüngsten Zeit. «Man» besinnt sich wieder auf echte, unverfälschte Produkte ohne Hilfsstoffe. Vor allem Frauen jeden Alters überlegen sich zunehmend, was sie essen oder ihrer Familie auftischen mögen.

Das ist eine grosse Chance für Bauernbetriebe, die sich auf Direktvermarktung spezialisieren. Einen Hofladen als lästiges Anhängsel zu führen, nur um dabei überzählige Produkte loszuwerden, und so ein paar Franken zu verdienen, lohnt sich definitiv nicht. Wer in den Direktverkauf einsteigt oder den Absatz steigern möchte, muss mit ganzem Herz dabei sein. Dann gibt es viele Chancen.

Die Zielgruppe definieren

Verkauf hat sehr viel mit Psychologie zu tun. Es lohnt sich deshalb, sich in aller Ruhe hinzusetzen und darüber nachzudenken, wie die Zielgruppe aussieht, also wer die Kunden im Hofladen sind.  Grossverteiler setzen heute ganz bewusst aufs Einkaufserlebnis. Wer im Laden ist, soll sich gut fühlen und möglichst viel kaufen. Auch im Hofladen muss es den Kunden gefallen. Sie müssen gern kommen, sich auf den Einkauf freuen. Wenn Familien zur Zielgruppe gehören, ist es deshalb sinnvoll, wenn auf dem Hof ein oder zwei Trettraktoren sind, die die Kinder nutzen dürfen, bis eingekauft ist. Auch ein paar Ziegen oder andere «zahme» Streicheltiere in Sichtdistanz zum Laden führen dazu, dass die Kinder immer wieder kommen möchten. Wenn es den Kindern gefällt, zieht es auch die Mama hin.

Zudem muss der Hofladen ansprechend sein und zum Hof passen. Es ist wichtig, sich zu entscheiden, ob der Hofladen nostalgisch-verspielt oder topmodern gestylt wirken soll. Beides kann richtig sein – wenn es zur Bauernfamilie, zur Zielgruppe und zum Angebot passt.

 

SozialeMedien bringen viel

 

Insgesamt surfen in der Schweiz 86 Prozent der Bevölkerung regelmässig im Internet. Über die Hälfte davon nutzen soziale Netzwerke wie Facebook, Youtube, Google, Twitter, Instagram, Whatsapp oder Snapchat. Es lohnt sich also, auf die eine oder andere Art in den sozialen Medien präsent zu sein.

Eine ansprechende Website ist ein Muss

Eine ansprechende Website, die regelmässig aktualisiert wird, ist zudem eine wichtige Visitenkarte. Ohne Website geht es heute wohl kaum mehr. Auf sozialen Medien kann man sehr gut Werbung machen – ohne dass da direkte Kosten entstehen. Ausser der eigenen Arbeit natürlich.

Wer ein Spargelfeld hat und auf Facebook, Instagram oder per Whatsapp wissen lässt, dass die Spargelsaison begonnen hat, wird zusätzliche Kunden rekrutieren. Ganz wichtig ist, dass man immer mit guten Bildern postet, Text allein reicht heutzutage nicht mehr.

Bei Problemen, um Hilfe anfragen

Und wenn einem das ganze elektronische Zeugs nicht liegt? Kein Problem! Die Kinder, Enkel oder die Nachbarskinder fragen – die wissen Bescheid und helfen in der Regel gern. Die sozialen Medien aussen vorzulassen, ist definitiv eine verpasste Gelegenheit. 

 

Eine Beziehung zum Kunden aufbauen

Jede Bauernfamilie macht Öffentlichkeitsarbeit – bewusst und unbewusst. Wer sich Zeit nimmt für ein kurzes Gespräch, tut der Landwirtschaft und der Kundenbindung Gutes. Oft sprechen Kundinnen und Kunden dann von «ihrer» Bäuerin oder «ihrem» Bauern. Ist es soweit, ist die Kundenbindung sehr stark, sie wird sich auszahlen.

Den Umsatz kann man im Hofladen steigern, wenn man ein breites Angebot hat. Kunden schätzen es, wenn sie Gemüse, Früchte, Brot, Fleisch und Milchprodukte am selben Ort kaufen können. Aber aufgepasst: Es ist wichtig, ausschliesslich saisonal und regional anzubieten! Man muss nicht alles selber machen, die Produkte mit anderen Bauernfamilien auszutauschen, ist sinnvoll.

Bananen, Orangen, Ananas und andere Importfrüchte wollen mündige Konsumentinnen im Hofladen nicht sehen. Natürlich kann es streng sein, wenn im Dezember und Januar nach Erdbeeren und Spargeln gefragt wird und man sagen muss, dass man auf die Einheimischen wartet. Aber genau das macht gute Hofläden aus. Nach einem informativen Gespräch wird das meist sehr gut verstanden.

Den Einkauf mit einem «Porbiererli» versüssen

Wenn die Erdbeeren oder die Kirschen reif sind, bringt ein «Probiererli» viel. Eine kleine Schale mit frischen, vollreifen Früchten, von denen man ungeniert ein «Versucherli» stibitzen darf, animiert zum Kauf. Das ist sehr gut investiertes Geld – so kann der Verkauf mit wenig Geld und Arbeit angekurbelt werden.

Ein Hofladen muss sich vom Grossverteiler abheben. Es muss Unterschiede geben. Wenn der Hofladen von Kunden frequentiert ist, die mindestens über ein «mittleres Portemonnaie» verfügen, lohnt es sich auch, Produkte als Geschenk anzubieten. Das ist zwar aufwendig und hat seinen Preis – aber es sieht einfach besonders hübsch aus und animiert zum Kaufen. Man sollte seine Produkte nicht zu günstig anbieten, denn der Preis ist ein Marketinginstrument und sagt etwas über das Produkt aus. Zudem macht man mit unterpreisigen Angeboten den Markt «kaputt».

Ein Ziel muss sein, im Hofladen alle Sinne der Kundinnen und Kunden anzusprechen. Eine gefällige Präsentation der korrekt deklarierten Produkte ist ein Muss. Lieblos hingelegte «Ware» schreckt ab. Im Hofladen gibt es wertvolle, edle Nahrungsmittel und Geschenke zu kaufen – dieser Eindruck muss sofort entstehen.