«Die Bell Food Group hat sich gut behauptet und im Geschäftsjahr 2025 das Wachstum weiter ausbauen können», sagte CEO Marco Tschanz beim Vorstellen des Jahresergebnisses. Die Finanzkennzahlen zeigen das gute Jahresergebnis: Der Nettoerlös 2025 betrug rund 4,9 Milliarden Franken (+ 4,5 %). Ebita und Ebit konnten je um 2,8 % gesteigert werden, woraus ein Jahresgewinn 2025 von 126.9 Millionen Franken resultiert. Bell Schweiz und Hubers/Sütag (Geflügel) seien die grössten Wachstumstreiber, hielt Tschanz fest.
43 % tragen Fleisch und Charcuterie zum Nettoerlös bei, 30 % sind es bei Geflügel und Seafood und 27 % bei den Convencienceprodukten. «Ein Vegantrend ist definitiv nicht ersichtlich», so Tschanz. In der Sparte vegetarische Produkte sei Bell der grösste Produzent in der Schweiz. Bei den Bioprodukten kann Bell dank der integrierten Geflügelproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 5.1 % zulegen.
Die Rohstoffverfügbarkeit sichern
Marco Tschanz wies daraufhin, dass Wachstum nur möglich sei, wenn man sich die Rohstoffquellen sichern könne. Sinkender Viehbestand und Tierseuchen schränkten die Verfügbarkeit ein. «Auf Tierseuchen sind wir gut vorbereitet – auch wenn immer neue Seuchenrisiken auftauchen», sagt Tschanz und zählte auf: Afrikanische Schweinepest (ASP), Lumpy-Skin-Krankheit, Vogelgrippe und die Blauzungenkrankheit.
Die Branche sei vorbereitet, beispielsweise, dass man aufgrund der Vogelgrippe das Auslaufprogramm anpasse. «Wir gehen aber nicht von signifikanten Auswirkungen auf den Konsum aus», sagte er und verwies auf Spanien, wo nach Ausbruch von ASP der Konsum keineswegs rückläufig war. Hingegen beeinflussen solche Ereignisse die Verarbeitungsprozesse. Bell sei dazu übergangen, solche Risiken in der Lagerhaltung zu berücksichtigen.
Der Standort Oensingen ist auf Kurs
Die Investitionsvorhaben von Bell Schweiz befinden sich in der finalen Phase. Am Standort Oensingen wurde der neue Rinderschlachthof in Betrieb genommen. Der Innenausbau beim neuen Logistik-Center sei abgeschlossen. Die Inbetriebnahme startet im ersten Halbjahr 2026. Im neuen Slicer Center wurden die Slicing- und Verpackungslinien montiert. Die Inbetriebnahme ist ebenfalls für 2026 vorgesehen. Die Anlaufkosten für die Inbetriebnahme der neuen Infrastruktur in Oensingen betragen 20 Mio Franken im Zeitraum 2026-2027.
Auch der Produktionsstandort Basel wird weiterentwickelt. Bis 2032 soll ein neuer Charcuterie-Betrieb entstehen. Zudem wurde das Seafood Business vom Standort Zürich per Ende 2025 nach Basel überführt.
Auch auf dem Schweizer Heimmarkt gibt es Sortimentsverschiebungen hin zu günstigeren Produkten, was die Wettbewerbsintensität verstärkt. Nichtdestotrotz muss man auf Neuerungen setzen. So hat Bell ein neues Produktkonzept für Kinder im Vorschulalter entwickelt – mit «Paw Patrol»-Mini Wienerli, -Salami Sticks und -Crispy Fish-Bites.
Das läuft im internationalen Geschäft
Bell Deutschland hat per 1. Februar 2026 den Produktionsbetrieb der Hermann Wein GmbH & Co. KG in Freudenstadt (D) übernommen. Mit dieser Akquisition will die Bell ihre Position im europäischen Rohschinkenmarkt stärken. Die Geschäftsaktivitäten sowie der Produktionsbetrieb der Hermann Wein GmbH & Co. KG werden im Verlauf von 2026 in die Organisation von Bell Deutschland integriert.
Der Geschäftsbereich Hubers/Sütag, laut Bell der grösste Bioproduzent von Geflügel in Europa, konnte ein deutliches Volumenwachstum verzeichnen. Der Netteerlös betrug 735 Mio Fr. – ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 13 %. Die Schlachtkapazitäten seien nahezu ausgeschöpft. Daher investiert Hubers in die Produktionskapazitäten in Pfaffstätt (AT). Der Plan sieht den Neubau einer zweiten Schlacht-, Zerlege- und Filetieranlage sowie die Installation einer Putenschlachtlinie vor. Laufend akquiriert Hubers neue Mastbetriebe. Das Ziel sei es, bis 2033 rund 600 Mastbetriebe für die integrierte Produktion unter Vertrag zu haben.
Im süddeutschen Geflügelmarkt stärkt Hubers/Sütag durch den Kauf der Brüterei Böcker in Wallhausen ihre Position.
Ein Ausblick
Einige Investitionen zur Fertigstellung haben sich ins Jahr 2026 verschoben. Dadurch werde das Investitionsvolumen 2026 mit voraussichtlich rund 350 Mio Franken einen Höchststand erreichen, hält Finanzchef Sven Friedli fest. In den darauffolgenden Jahren werde insgesamt mit einem jährlichen Investitionsvolumen von 250 bis 300 Mio Franken gerechnet. Künftig sollen auch grössere Projekte aus dem eigenen Cashflow finanziert werden. Die Eigenkapitalquote liegt bei 50,6 % (im Vorjahr 50 %), der Verschuldungsgrad liegt bei 2.3 (Vorjahr 2.4x).

