"Umgang mit Unsicherheit in der Land- und Ernährungswirtschaft lautete der Titel der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie (SGA) in Grangeneuve.

Damit haben die Forscher ein Thema gewählt, das den gegenwärtigen Realitäten der Bauernfamilien bestens entspricht. Die Unsicherheiten nähmen unzweifelhaft zu, schreibt die SGA in einer Mitteilung. "Stichworte sind Klimawandel, volatile Märkte, schwierige familiäre Situationen und Änderungen in der (Agrar-)Politik, schreibt die SGA in einer Mitteilung.

Jeder muss den individuellen Umgang mit Risiken finden

Diskutiert wurde dies laut der Mitteilung unter anderem anhand des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln im Obstbau. "Deren Einsatz ist für die Landwirte wichtig", so die SGA, "Damit kann das Risiko von Produktionsausfällen reduziert werden". Strategien, die eine Produktion von Äpfeln frei von Rückständen ermöglichen würden, seien aus heutiger Sicht aber noch zu risikoreich, heisst es in der Mitteilung weiter, ihre Aufwendungen würden am Markt noch ungenügend abgegolten. Ob daraus noch ein konkreteres Ergebnis resultierte, das lässt die SGA offen.

Einig war man sich, dass jede Bauernfamilie ihre eigene Strategie für den Umgang mit den zunehmenden Risiken wird finden müssen, wie der Hauptredner Robert Finger, Professor für Agrarökonomie an der ETH feststellte. Jimmy Mariéthoz, Direktor beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten, legte in seinem Referat Wert darauf, dass in diesem Prozess eine unabhängige Beratung der Landwirte von grossem Wert ist und die politischen Rahmenbedingungen laufend verbessert werden müssen.

Gegenseitige Offenheit ist wichtig

Zudem muss es den Forschern auch gelingen, mit allen Stakeholdern in Kontakt zu bleiben, um so die Forschungsresultate schnell in die Praxis umzusetzen. Dass dies nicht immer gelingt, liegt auf der Hand, auch weil die Bauern der Forschung gegenüber eine sehr skeptische Grundhaltung pflegen. Die Forschung muss damit leben, dass sie die Schollenpraktiker sie nach greifbaren Leistungen und nicht nach der Menge von wissenschaftlichen Publikationen beurteilt. Umgekehrt dürfte es der Landwirtschaft helfen, wenn sie offen bleibt für Forschungsergebnisse, auch wenn sich nicht alles eins zu eins in die Praxis umsetzen lässt.

Die SGA verleiht auch Preise an junge ForscherInnen, ein patentes Mittel, um die Mitgliedschaft zu verjüngen. Ausgezeichnet wurden dieses Jahr Christina Cottier (für ihre Arbeit "Abschied von der Landwirtschaft. Vorzeitige Betriebsaufgaben im Kanton Bern" (Uni Bern)), Andreas Schmidli ("Eine Fallstudie zu Nescafé in den Philippinen"(ETHZ)) und Sonja Imoberdorf ("Wie die Hilfe zum Bauer kommt"(Berner Fachhochschule)).   

akr