Weniger Futterverschmutzung durch Güllemädli, präzise bodennahe Ablage, weniger Ammoniak- und Nährstoffverluste, flexibler beim Einsatz: Diese Vorteile werden für das Güllen mit Schleppschuh gegenüber dem obligatorischen Schleppschlauch gelistet. 

Beim Güllen mit dem Schleppschlauchverfahren lassen sich gegenüber der Breitverteilung 30 bis 35 % der Ammoniakverluste verhindern. Mit dem Schleppschuh seien es hingegen 30 bis 60 %, heisst es in einem Merkblatt von Agridea. Allerdings beeinflussen auch viele weitere Faktoren die Emissionen, so etwa die Witterung, die Hofdüngerart, der Boden und der Ausbringzeitpunkt.

Viele stellen auf Schleppschuh um

Das Gewicht und die Kosten von Ausbringgeräten mit Schleppschuhen seien allerdings etwas höher, und das Verfahren eigne sich vor allem auf ebenen Parzellen, wird betont. Aufgrund der vielen Vorteile gilt die Schleppschuhtechnik aber als zukunftsweisendes Verfahren und wird von einigen Kantonen bereits finanziell gefördert. So seit diesem Jahr auch im Aargau. 

Das Interesse sei gross, stellt Ralf Bucher vom Bauernverband Aargau (BVA) fest. Viele Lohnunternehmer würden auf den Schleppschuh umrüsten. Auch er überlege auf seinem Betrieb in Mühlau, mit weiteren Bauern gemeinsam einen Schleppschuhverteiler anzuschaffen. Die Vielfalt an Geräten sei allerdings gross und komplex. So seien Fragen zu klären wie Schlitzgrösse, Druck oder auch Überfahrbarkeit des Schlauchs. Der Entscheid für das passende Gerät sei nicht einfach, wie Bucher aufgrund der Offerten feststellte.

Das Ziel ist es, Dünger zu sparen

«M7: Emissionsarme Ausbringung flüssiger Hof- und Recyclingdünger mit Schleppschuh oder Gülledrill» ist eine der Massnahmen im neuen Massnahmenplan Ammoniak. 45 Franken pro Hektare und Jahr gibt es für den Schleppschuh-Einsatz. Die Mehrkosten würden sich gegenüber dem Schleppschlauchverfahren auf 1 bis 1.50 Franken pro m³ belaufen, heisst es in einem Merkblatt des LZ Liebegg. Bei einer Ausbringmenge von 30 m³ sind es somit 30 bis 45 Franken. 

Die Bauern könnten teils direkt und sicher indirekt finanziell profitieren. So, weil mehr Nährstoffe im Boden verfügbar seien und sich dadurch Düngerkosten einsparen liessen, erklärt Ralf Bucher vom BVA.

Auch Rene Messer von der Agromesser GmbH in Bözberg AG setzt auf die Schleppschuhtechnik. Er hat deren Entwicklung aktiv begleitet und bei einer Agridea-Studie mitgewirkt. Die Firma bietet in grossem Stil Gülletransporte und  auch das Ausbringen an und hat mit der Firma Agromesser Technik AG auch Gülletechnik im Angebot. Er habe bereits einige Schleppschuh-Geräte verkaufen können, sagt Messer. 

Am Güllefass montiert sei das Handling gleich wie mit dem Schleppschlauch. Anspruchsvoller in der Handhabung sei aber die Verschlauchung mit dem Schleppschuh. «Mit dem Schleppschuh können die Bauern tendenziell günstiger güllen und profitieren von einer besseren N-Wirkung», betont Messer.

Beteiligung wohl grösser als geplant

Der Kanton rechnet damit, dass bis zu 20 Prozent der jährlichen Güllemenge von 1,8 Mio m³ mit dem Schleppschuh ausgebracht werden. Das würde somit Kosten von jährlich 540 000 Franken verursachen. In den nächsten vier Jahren stehen 2,1 Mio Franken zur Verfügung. 

Rene Messer geht allerdings davon aus, dass aufgrund des absehbaren grossen Interesses deutlich mehr als nur 20 Prozent so gegüllt werden. Der Kanton hat denn auch schon mitgeteilt, dass eine Reduktion des Beitrages von 45 Franken denkbar sei, wenn der bewilligte Kredit nicht ausreiche. 

Messer hofft allerdings, dass im Rahmen des Massnahmenplans dann halt Gelder von weniger beanspruchten Töpfen umverteilt werden, zumal insgesamt 5,5 Mio Franken für alle elf Massnahmen zur Verfügung stehen. Oder dass der Bund künftig die finanzielle Förderung des Schleppschuhs übernimmt.

Die Massnahme allzu kurzfristig eingeführt?

Bedauerlich sei, dass der Aargau diese Massnahme so kurzfristig eingeführt habe. Der Massnahmenplan Ammoniak wurde vom Regierungsrat zwar schon im Dezember 2024 beschlossen, der Grosse Rat genehmigte den Verpflichtungskredit aber erst im November 2025. Informiert wurde über die ab diesem Jahr geltende Fördermassnahme im Januar, und der BVA wies in den News vom 6. Februar darauf hin. «Viele Lohnunternehmer können gar nicht so schnell umstellen», sagt Messer.

Am 12. März findet um 19.30 Uhr am LZ Liebegg eine Infoveranstaltung zum Massnahmenplan Ammoniak statt, die auch online mitverfolgt werden kann. Dabei wird auch über die Förderung des Schleppschuhs orientiert.

Förderung auch in Zug

Im Kanton Zug wurde der Einsatz des Schleppschuhs schon im Rahmen des kantonalen Massnahmenplans Ammoniak in den Jahren 2016 bis 2021 unterstützt. Seit diesem Jahr gibt es wieder eine Förderung, diesmal im Rahmen des Nachhaltigkeits- und Innovationsprojektes KERB (Klima-Energie-Ressourcen-Biodiversität). Die KERB-Massnahme 16 sieht einen Förderbeitrag von 15 Franken pro ha und Gabe vor, wenn der Schleppschuh zum Güllen eingesetzt wird. Angemeldet werden kann der Beitrag mit der landwirtschaftlichen Betriebsdatenerhebung.