Mit dem Konzept «Smart Farming» hat die digitale Revolution auch die Landwirtschaft längst erfasst. Digitale Programme und Plattformen erleichtern und vereinfachen viele Prozesse auf Feld und Betrieb, besonders bei Planungsarbeiten. Dort liegt der Fokus hauptsächlich auf der Reduktion des administrativen Aufwands, welche verschiedene Anbieter durch eine Zusammenführung unterschiedlicher Daten und Funktionen in zentralen Plattformen erreichen ­wollen.

Aus für IP-Suisse-Programm

Ab dem Jahr 2015 stellte die IP-Suisse ihren Produzenten ein eigenes Programm zur Verfügung, mit dem diese die Daten für ihre Suisse-Bilanz sowie die Futterbilanz für die graslandbasierte Milch- und Futterproduktion (GMF) selbstständig erfassen und online damit rechnen konnten.

Ab 2021 wird die Organisation diese Dienstleistung allerdings nicht mehr weiter anbieten, wie auf der Website der IP-Suisse zu lesen ist. Die Gründe für das Ende des Programms seien vielfältig, sagt Fritz Rothen, Geschäftsführer der IP-Suisse, auf Anfrage. So habe das Programm beispielsweise jährlich mit grossem finanziellem Aufwand nach den Vorgaben des Bundes angepasst werden müssen. Die Betreuung des Programms sowie dessen Unterhalt seien deshalb bereits jetzt sehr arbeitsintensiv. Gemäss internen Abklärungen werde der Aufwand rund um das Programm in den kommenden Jahren jedoch noch zunehmen, weshalb man nun auf alternative Anbieter entsprechender Suisse-Bilanz-Module verweise. Die Bilanz 2020 (Kontrolljahr 2021) können die Benutzer jedoch noch mit der Version 1.15 des IP-Suisse-Programms berechnen.

Alternativen gibt es

Als Beispiele für Nachfolgelösungen nennt die IP-Suisse auf ihrer Website die Softwares von Barto und Agroplus. «Andere Programme, welche die Vorgaben des Bundes zur Deklaration der Nährstoffbilanz erfüllen, können aber selbstverständlich ebenso gut genutzt werden», versichert Rothen. Man erachte es aber als wichtig, dass auf Lösungen gesetzt werde, die landesweit von allen IP-Suisse-Produzenten abgerufen werden könnten.

Modulare Lösung von Barto

Nach dreijähriger Entwicklungsphase wurde vor knapp einem Jahr die Smart-Farming-Plattform «Barto powerded by 365FarmNet» vorgestellt. Barto beruht auf der Grundlage von 365FarmNet; die Software wurde dazu eigens für die Verwendung in der Schweiz angepasst. Bereits bei der Lancierung der Plattform im November 2019 betonten die Verantwortlichen, dass man sehr darauf bedacht sei, dass die Datenhoheit stets beim Anwender liege und dass ohne dessen Einverständnis keine Daten an Dritte weitergegeben würden.

Der digitale Barto-Hofmanager ist sowohl für den Pflanzenbau als auch für die Viehhaltung einsetzbar, wodurch Barto auch für kleine und mittlere Betriebe interessant sein soll. Das System ist modular aufgebaut; neben zahlreichen anderen Planungs- und Management-Funktionen existiert auch die Möglichkeit, mit Barto die Suisse Bilanz zu errechnen. Ab Mitte Oktober 2020 komme der «Baustein Fruchtfolge- und Anbauplanung» hinzu, erklärt Geschäftsführer Jürg Guggisberg. «So kann mit der Plattform der ganze Prozess von der Planung bis zur Dokumentation gemanagt werden.» Im ersten Halbjahr 2021 werde zudem der «Baustein Suisse-Bilanz» mit der Anbauplanung und dem Feldkalender verbunden.

«Gesamtpaket» von Agroplus

Im Gegensatz zu Barto biete die neue Feldkalender-App von Agroplus eher eine Komplettlösung, sagt Benno Jungo, Account Manager beim kleinen Westschweizer Unternehmen. Man habe mit der Lancierung der Smartphone-App auf das Bedürfnis der Kunden reagiert. Entsprechend funktioniere die App als integraler Bestandteil des Desktop-Programms «Agroplus Technik»; der Feldkalender sei deshalb sowohl vom Computer als auch via Smartphone abrufbar.

Bei Agroplus lässt sich die Suisse-Bilanz mit dem Feldkalender verknüpfen; zusätzlich können etwa der ÖLN-Nachweis, die GMF-Bilanz, ein Fruchtfolgerapport oder die Swiss-GAP-Dokumentation über den Feldkalender geführt werden. «Damit bieten wir dem Kunden eine sehr komplette Lösung, die in der Anwendung trotzdem übersichtlich ist», führt Jungo aus. Die Feldkalender-App kann für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Hofs freigegeben werden, während der Betriebsleiter die Kontrolle über die Grunddaten behält. «Das schafft auf grösseren Betrieben eine gewisse Sicherheit», sagt Jungo. Sicherheit sei auch ein Credo des Unternehmens, wenn es um die Handhabung der Betriebsdaten seiner Kunden gehe. Agroplus speichere alle Daten in der Schweiz.