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Walliser Berg mit erschwerten Bedingungen: Ein Ort, wo Traditionen weiterleben

Die fehlende Zufahrt sorgt auf der Walliser Schopfialp für Milchproduktion und Verkäsung unter erschwerten Bedingungen. Bewirtschaftet wird sie von einem eingewanderten Ostschweizer.

Die Geschichte der Schopfialp geht auf die 1950er-Jahre zurück, als sich die Besitzer dreier Milchviehalpen zusammenschlossen und eine neue Hütte mit Viehstall, Käserei und Wohnung für das Personal bauten. Nach dem Krieg waren Familien in den Bergdörfern im Oberwallis arm und oft Selbstversorger, hatten meist eine Kuh und waren auf die Alp und den Käse angewiesen.

Kuhrecht aus alten Zeiten

Die Schopfialp mit ihren 17 Hektaren liegt auf 2000 m ü. M., oberhalb von Eisten und gehört zu den Madwaldalpen am Tor des Saastals. Seit der Gründung der Alpgenossenschaft sind 26 Genossenschafter aus der Gemeinde Eisten Eigentümer mit je einem Kuhrecht.

Die Genossenschafter sind meist Handwerker und erledigen deshalb die meisten Unterhaltsarbeiten mit viel Leidenschaft und Herzblut selber. So wurden 1980 die Elektrifizierung und die Wasserleitungen für die Berieselung in Eigenregie gebaut.

Jedes Kuhrecht hat eine Nummer und so wird in aufsteigender Reihenfolge jedes Jahr ein anderer Genossenschafter als Vogt für den Sommerbetrieb, als Ansprechperson und Verantwortlicher für den Zustand der Hütte verpflichtet, erwähnt Viktor Furrer, Präsident seit 30 Jahren und engagierter diesjähriger Alpvogt. Genossenschafter- und Gönnerbeiträge sowie die Durchführung des Älplerfestes im August sorgen für bescheidene Mittel der Alpgenossenschaft.

Von Osten eingewandert

Vor über 25 Jahren baute sich der Meisterlandwirt Armand Bernhardsgrütter eine neue Existenz mit Freilaufstall für 40 Kühe und Aufzuchtrinder sowie Wohnhaus in Visperterminen VS auf. Er hatte sich dereinst nicht zuletzt wegen Einsparung von Futter auf dem Heimbetrieb auf der Alp für die Hüttenbewirtschaftung und Alpweidennutzung mit Milchvieh und Verkäsung verpflichtet.

«Die Alpung ist ein Modetrend, wir haben eine grössere Auswahl als früher und können eher geeignetere Leute finden», sagt Bernhardsgrütter. Während die einen sich eine heile Welt und Gemütlichkeit vorstellen, können sich andere eine Arbeitsbelastung (7 Tage in der Woche) mit frühem Aufstehen durchaus vorstellen, denn die Sömmerungszeit sei ja absehbar.

Walliser Berg mit erschwerten Bedingungen: Ein Ort, wo Traditionen weiterleben
Die Schopfialp ist für guten Graswuchs im Frühjahr bekannt. Später schützt die Berieselungsanlage vor Austrocknung.

Viel Aufwand für Helikopter

Es gebe nur noch wenige Milchviehalpen mit Käsefabrikation ohne Zufahrtsmöglichkeiten in der Schweiz. Sämtliche Transporte von Heu, Material zum Zäunen, für den Stall und die Käserei sowie Lebensmittel und Kleider für das Älplerpersonal und Getränke für Genossenschafter erfolgen mit dem Helikopter der Air Zermatt.

Dieser bedeutende Kostenblock beinhaltet auch den Käsetransport in die Heimbetriebe Ende Saison. Im Weiteren wird die Verpflegung der Hirten und Sennen sowie der eingeladenen Gäste und Freunde durch den Bewirtschafter übernommen. Die Verantwortlichen erhalten keinen Lohn, bekommen aber einige Naturalien nach der Alpabfahrt. Zu den Erträgen aus dem Käseverkauf an Private kommen noch die Biodiversitäts- und Sömmerungsbeiträge.

Dieser Raclette- und Hartkäse mit besonderer Geschmacksnote gilt aufgrund des Handwerks mit Holzfeuerung als absolute Spezialität. Der ausgehandelte Preis von 19 Franken pro Kilo für ganze Laibe ist aufgrund des grossen Arbeitsaufwandes bestimmt nicht zu teuer. Nach der Usanz für Bergkäse kann dieser nach Salzgewicht verkauft und mit je nach Lagerung 5 bis 10 % Gewichtsverluste die Marge für den erhöhten Einsatz etwas verbessert werden.

Lebenstraum verwirklichen

Auch Leute ohne bäuerlichen Hintergrund, welche ausserordentliche Freude, Mut und Wille zeigen, schaffen es, eine Alpsaison durchzustehen. Die Anerkennung der freiwillig geleisteten Arbeit und das Vertrauen vonseiten der Genossenschaftsmitglieder, des Bewirtschafters und der Besucher motivierten einem im Alltag, sagt Urs Roggo, der vor 50 Jahren das Bauern gelernt hat und bereits in der dritten Saison die Kühe betreut.

Die zusätzliche verfügbare Zeit als Pensionierter, ein Zurück zu den Wurzeln, Arbeiten ausführen, welche früher nicht möglich waren, für eine Weile aus der Komfortzone herauskommen sowie die Abgeschiedenheit von der übrigen Welt und die Natur geniessen aber trotzdem Verantwortung zu übernehmen zählen zu Roggos Beweggründen für die Alpung. Das Team müsse einwandfrei funktionieren, sind sich die beiden angelernten Sennerinnen Susanne Roggo, gelernte Köchin, sowie Conny Domaschke einig. Die Zusammenarbeit ist entscheidend, da viel Unvorhergesehenes eintreten kann und das Team muss immer bei Laune gehalten werden.