Plus

Sollte es Julas auch für Jungbäuerinnen geben?

In den Landfrauenvereinen sind alle Altersstufen vertreten. Aber die Interessen der jüngeren Frauen, insbesondere der Jungbäuerinnen, sind nicht deckungsgleich mit jenen der älteren Mitglieder. Aufseiten der Landwirte haben dies die Bauernverbände erkannt und Junglandwirtekommissionen gegründet. Bei den Bäuerinnen- und Landfrauenverbänden fehlt ein ähnliches Auffanggefäss für Jungbäuerinnen.

Eine Junglandfrauenkommission könnte die Interessen von jungen Bäuerinnen besser wahrnehmen. Wäre es nicht an der Zeit, so eine Jungbäuerinnenkommission ins Leben zu rufen, wollten wir von Regula Böhi, Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbands, wissen.

Ein Jahresprogramm für die Landfrauen auf die Beine zu stellen, das alle Mitglieder interessiert, ist schwierig. Wäre es nicht einfacher, die jungen Bäuerinnen spezifisch anzusprechen?

Regula Böhi: Es ist durchaus sinnvoll und gut, dass bei uns alle Altersstufen vertreten sind. Wertvolle Erfahrungen gehen so nicht verloren. Der Austausch zwischen Bäuerinnen und Landfrauen, die keinen landwirtschaftlichen Hintergrund haben, zeichnen unsere Vereine in Zeiten der Stadt-Land-Graben-Diskussion aus. Aber Aktivitäten zu finden, die allen zusagen, ist eine Herausforderung. Die älteren Mitglieder brauchen nichts mehr zum Aufhängen oder Dekorieren und auch keine neuen Rezepte. Sie geniessen aber das Zusammensein und den Austausch, während bei jungen Frauen Kreativkurse und ernährungstechnische Inspirationen gewünscht sind.[REL 1]

Dann wäre so eine Jungbäuerinnen-Sektion also durchaus gerechtfertigt.

Auf jeden Fall. Das wäre dann auch eine JuLa – also abgekürzt für junge Landfrauen.

«Ich bin schon zu haben für solche Ideen.»

Regula Böhi, Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbands.

Wir wollen neue Wege gehen, unser Angebot seitens Verband überdenken und Bedürfnisse erkennen. Eine Jungbäuerinnen-Sektion zu gründen, muss im Verband breit abgestützt sein.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob es wirklich ein organisatorisches Gefäss dafür braucht. Ich nehme eher wahr, dass die jungen Frauen bereit sind, sich in Projekten zu engagieren mit einer begrenzten zeitlichen Dauer wie an einem Wähentag. Aber aktiv im Vereinsleben tätig zu sein mit regelmässigen Terminen und einer gewissen Verbindlichkeit, dafür fehlt vielen das Interesse und die Zeit.

Wie motivieren Sie junge Frauen, vor allem Bäuerinnen, sich in den örtlichen Landfrauenvereinen zu engagieren?

Wir sind sehr gut vernetzt unter anderem mit dem Arenenberg und können unsere Vereinstätigkeit den jungen Absolventinnen der Bäuerinnenschule vorstellen. Das ist eine Chance für junge Bäuerinnen, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Dann arbeiten wir mit Testimonials, in denen Landfrauen und Bäuerinnen aus Gremien im «Thurgauer Bauer» erklären, warum sie sich aktiv in einer Kommission oder in einem Vorstand engagieren, was die Herausforderungen, aber auch der persönliche Gewinn sind. Ebenso bemühen sich die örtlichen Landfrauenvereine, Frauen, die nicht in der Landwirtschaft tätig sind, auf ihr Vereinsangebot aufmerksam zu machen.

Der Strickhof hat einen Arbeitskreis Landwirtinnen und Betriebsleiterinnen auf die Beine gestellt. Planen Sie das auch im Thurgau?

Das ist mir ein grosses Anliegen. Zusammen mit der Kommission «Frauen in der Landwirtschaft» des Verbands Thurgauer Landwirtschaft machen wir uns darüber Gedanken. Landwirtinnen und Betriebsleiterinnen können bei der Jula mitmachen. Aber nach dem dreissigsten Altersjahr ist meistens Schluss. Diese Frauen fallen mit ihren Bedürfnissen oft zwischen Stuhl und Bank, fühlen sich fremd – sowohl in den sogenannten Männergremien als auch bei den Landfrauen.

Vielleicht fühlen sich Jungbäuerinnen unwohl, wenn sie bei den Landfrauen im gleichen Verein mitmachen, wo auch die Schwiegermutter als Mitglied präsent ist.

Das kommt vor. Ich weiss von jungen Frauen, die den Austritt der Schwiegermutter abwarten und erst dann dem Verein beitreten. Ich kenne auch junge Frauen, die den Austritt der eigenen Mutter abwarten und erst dann Mitglied werden. Aber das Gegenteil gibt es auch – schöne Beispiele, wo das Miteinander von Jungen und Älteren eine Freude ist und Mutter und Tochter beziehungsweise Schwiegertochter gemeinsam die Anlässe besuchen.

Welches Modell würde zu Ihren Landfrauen und Bäuerinnen passen?

Wir können nicht einfach die Strukturen der Jula übernehmen. Die Julas erhalten Unterstützung der Verbände. Ihnen steht ein breit abgestütztes Sponsoring zur Verfügung, denn die Julas sind ein wichtiges Gefäss für die Nachwuchsförderung der Verbände und um zukünftige Produzenten und Kunden anzuwerben. Die Themen sind branchen- und berufsspezifisch. Wir dagegen sind in örtlichen Landfrauenvereinen organisiert, wo die Vorstandsmitglieder oft ehrenamtlich arbeiten, die politische Ausrichtung nicht wichtig ist und die Vernetzung andere Schwerpunkte hat. So eine Jungbäuerinnenvereinigung käme eher bezirksmässig infrage. Vielleicht müssten junge Frauen diesbezüglich mehr Eigeninitiative ergreifen oder ein entsprechendes Bedürfnis platzieren. Meine Unterstützung hätten sie.