Der junge Schwinger Remo Rutsch lässt es langsam angehen. Ob der erste Kranzgewinn in zwei oder drei Jahren Realität wird, ist für den knapp 18-Jährigen nicht wichtig. «Der kommt, wenn er kommen muss», erklärt er. Wichtig ist dem seeländer Bauernsohn aus Bittwil, Gemeinde Rapperswil, dass der erste Kranzgewinn nicht zu früh erfolgt. Denn das könne durchaus vorkommen, erklärt er der ob dieser Aussage etwas verdutzten Schreibenden. Dies sei der Fall, wenn das eigene Niveau noch nicht konstant hoch genug ist, eine aussergewöhnliche Tagesbestform jedoch den Kranzgewinn ermöglicht und die nachfolgenden Leistungen das Resultat nicht zu bestätigen vermögen.

Das Ziel für die Zukunft ist klar

Remo Rutsch ist ehrgeizig. Er möchte sein Niveau stetig steigern und halten können, damit er dann seinen ersten Kranzgewinn im Anschluss mit ähnlich guten Resultaten bestätigen kann. Damit dies gelingt, trainiert der Schreinerlehrling im zweiten Lehrjahr, der die Zweitausbildung als Landwirt bereits plant, zwei- bis dreimal in der Woche. Nach seinem ganz grossen Ziel gefragt, nennt er den eidgenössischen Kranz, also das Eichenlaub, das es bei Eidgenössischen Schwingfesten zu gewinnen gibt.

Infos zum Seeländischen

Das Seeländische Schwingfest findet vom 13. bis 15. Mai 2022 in Oberwil bei Büren statt. Eröffnet werden das Festgelände und die Festwirtschaft am Freitagabend um 17 Uhr. Ab 20 Uhr sorgt Musik aus den 80er-Jahren für Stimmung. Am Samstag ab 8.30 Uhr greifen die Jungschwinger am Nachwuchsschwingertag zusammen. Unterhaltung am Abend bieten die Band ChueLee sowie Roger Rox. Am Sonntag folgt ab 8.15 Uhr das Highlight, wenn sich die Bösen im Sägemehl messen. Die BauernZeitung ist live vor Ort und berichtet regelmässig im Liveticker auf unserer Website. Weitere Infos und Ticketbestellung unter: www.oberwil2022.ch.

Gegner und gleichzeitig zählt der Teamgeist

Wenn Remo Rutsch vom Schwingen spricht, beginnt er zu strahlen. «Das ist eine Leidenschaft» betont er, und man glaubt es ihm aufs Wort. Obschon Schwingen ein Einzelsport ist, gefällt ihm der Teamgedanke unter den Vereins- und Teilverbandsmitgliedern besonders gut. «Vor dem Gang bist du Gegner, nach dem Gang ein Freund», erklärt er. Die Kameradschaft und dass im Training jeder jedem helfe und zeige, was verbessert werden könne, gefällt ihm besonders gut.

Später dran, als andere Jungschwinger

Im Gegensatz zu vielen anderen Jungschwingern hat Remo Rutsch die Begeisterung für den Nationalsport eher spät, erst im Alter von 12 Jahren entdeckt. Seine Cousins haben ihn, der vorher im Turnverein aktiv war, zum Schwingen überredet. Dabei hat es ihm den Ärmel oder in dem Fall die Zwilchhose, reingenommen. Bereits im vergangenen Jahr, seinem letzten als Jungschwinger, konnte er mehrere Festsiege verbuchen. So geschehen am Mittelländischen Jungschwingertag in Riggisberg, am Nachwuchsschwingertag in Aarberg und am Berner Jurassischen Nachwuchsschwinget in Corgémont.

Trotz dieser Erfolge konnte Remo Rutsch die Zeit als Jungschwinger aber nicht ganz so erfolgreich beenden, wie er sich das gewünscht hätte. Den Zweig am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag in Schwarzenburg verpasste er nur knapp wegen eines Viertel Punkts. «Den hätte ich schon gerne gemacht. Ansonsten habe ich eine gute Saison gehabt», resümiert er und die Enttäuschung ist immer noch etwas spürbar. [IMG 2]

Der Kurz hat es ihm angetan

Nach seinem Vorbild gefragt, kommt es wie aus der Pistole geschossen: Matthias Sempach. Der Schwingerkönig von 2013, der mittlerweile zurückgetreten ist, habe immer auf Angriff und offensiv, wenig defensiv geschwungen. «Den Kurz habe ich etwas von ihm abgeschaut», verrät Remo Rutsch seinen Lieblingsschwung. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er seinen letzten Jungschwingertag mit Kurz-Fussstich gewonnen hat.

Der Einstieg bei den Aktiven ist gelungen

Nun konnte der Sennenschwinger bereits bei den Aktiven Wettkampfluft schnuppern. Seit diesem Jahr schwingt Remo Rutsch, der Mitglied des Schwingklubs Lyss ist, bei den Aktiven mit und ist zufrieden in die Saison gestartet. So beendete er seinen ersten Einsatz Anfang April beim Rangschwingen in Grenchen, draussen bei Schnee, mit vier gewonnenen und zwei verlorenen Gängen auf dem hervorragenden 3. Rang. Das gute erste Resultat bestätigte Remo Rutsch eine Woche später beim Worblentaler Hallenschwinget in Bolligen mit zwei gewonnenen und vier gestellten Gängen auf Rang 7d.

Das sagt Remo Rutsch:

Wenn ich hungrig bin …
… dann esse ich.

Wenn ich wütend bin …
… höre ich Musik, steige aufs Velo und versuche, runterzufahren.

In zehn Jahren bin ich …
… Schreiner und Landwirt EFZ.

Ich verzichte ungern auf …
… Sport allgemein.

Montag ist für mich …
… der erste Tag der Woche. Ich habe kein Problem damit, ich gehe gerne arbeiten.

Familie bedeutet für mich …
… viel Unterstützung und Zusammenhalt. 

Arbeiten schützt vor der Nervosität

Bald schon steht aber das Highlight an, das Seeländische Schwingfest Mitte Mai in Oberwil b. Büren. Die vielen Zuschauer vor Ort könnten in Remo Rutsch aber schon Nervosität hervorrufen. Doch er will versuchen, das Publikum auszublenden, um sich selbst etwas den Druck zu nehmen. Und noch eine Strategie hat er sich bereits als Jungschwinger zugelegt: Jeweils am Samstag vor einem Fest arbeitet er zu Hause auf dem elterlichen Hof, um sich abzulenken. Das will er auch vor dem Seeländischen so handhaben, von dem er sagt: «Es ist eine Ehre, dort schwingen zu dürfen.» Und wieder strahlen seine Augen.