Gibt es völkische Siedler(innen) in der Schweiz?

In Deutschland siedeln sich Rechtsextreme gezielt im ländlichen Raum an und kaufen alte Bauernhöfe. Schweizer Extremismus-Fachstellen berichten von der Situation in der Schweiz.

«Die rechtsextreme Szene der Schweiz ist nicht mit der Szene in Deutschland vergleichbar», sagt Samuel Althof. Er ist Leiter der Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention, Fexx, in der Schweiz. Rechtsextreme, die alte Höfe kaufen, um sogenannte völkische Siedlungen zu gründen, wie es sie bereits in Deutschland in fast jedem Bundesland gibt, gäbe es hierzulande nicht. Es sei eher von Einzelfällen die Rede, in denen Landwirte ihre Höfe als Rückzugsorte für rechtsextreme Musik und kleinere Veranstaltungen zur Verfügung stellen.

Vielfältige Szene

Der Extremismusexperte schätzt den harten Kern der Schweizer Rechtsextremen auf 80 Personen mit einem erweiterten Umfeld von zirka 1000 Personen. Zum harten Kern zählt Althof beispielsweise die Pnos (Partei National Orientierter Schweizer), die sich mittlerweile aufgelöst hat und die Kameradschaft Heimattreu. Auch die sogenannten Freiheitstrychler weist er dem rechtsextremen Umfeld zu. Diese würden durch ihre Kleidung und die Kuhglocken bewusst mit der Bauernidentität spielen. Dafür, dass sich Rechtsextreme allerdings bewusst in ländlichen Gebieten ansiedeln und dort Landwirtschaft betreiben, gäbe es bisher keine Hinweise.

Historische Unterschiede

Die Unterschiede zwischen der Schweizer und der deutschen Szene seien laut Althof auch historisch begründet. «Die Schweiz hat keine nationalsozialistische Geschichte wie Deutschland.» Es gäbe aber einzelne Schreihälse wie Bernhard Schaub, ein Schweizer Holocaust-Leugner, der mittlerweile in Deutschland sehr aktiv in der Siedler-Szene sei. Sonst halte sich ihr politischer Einfluss aber in Grenzen. «Ganz selten schafft es einer in den Gemeinderat und darf darüber abstimmen, ob der Zaun für den Tennisplatz zwei oder vier Meter hoch wird», so Althof.

Auch weitere Fachstellen sowie die Kantonspolizei Bern berichten auf Anfrage der BauernZeitung, dass sie bisher keine Vorfälle von Rechtsextremismus in Verbindung mit der Schweizer Landwirtschaft verzeichnet haben.

Anastasia-Fans vorhanden

Anastasia ist die Protagonistin der zehnteiligen Romanreihe des russischen Autors Wladimir Megre. Sie verfügt über übernatürliche Kräfte und lebt allein in den Wäldern Sibiriens im Einklang mit der Natur und kann telepathisch mit allen Menschen und Tieren auf der Welt kommunizieren. Allerdings enthalten die Bücher zahlreiche antisemitische, rassistische und sexistische Passagen.

Anhänger der Anastasia-Bewegung versuchen, die Leitidee der Romanreihe umzusetzen und ziehen dabei auf sogenannte Familienlandsitze. 2015 gründete sich der Verein Familienlandsitze Schweiz, zu dem laut Angaben von Georg Schmid von Relinfo, eine Informationsstelle zu Kirchen, Sekten und Religionen, ein paar Dutzend Personen gehören. Auf Facebook hat die Gruppe des Vereins etwa 360 Mitglieder. Die Leserschaft der Bücher in der Schweiz sei aber deutlich grösser. Inwieweit es sich bei den Projekten des Vereins um klassische Familienlandsitze nach Anleitung der Anastasia-Buchreihe handle, sei unklar. Denn häufig würden auch Ideen aus der Permakultur in die Projekte miteinfliessen. Weiter erklärt Georg Schmid: «Der Verein distanziert sich zwar von den rassistischen Elementen der Buchreihe, ihr Name entspringt ihnen aber trotzdem. Ausserdem stellt der Verein die Anastasia-Romane auf seiner Website vor.»

Keine Vorfälle bei Bio Suisse

Lukas Inderfurth von Bio Suisse berichtet, dass aktuell keine Fälle von Mitgliedern, die extrem rechte Meinungen vertreten, bekannt seien. Daher sehe der Verband auch keinen Handlungsbedarf. Er macht aber deutlich: «Bio Suisse ist als Verband offen für Mitglieder mit allen politischen Meinungen. Extremismus jeglicher Art hat jedoch keinen Platz.»

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