Letzthin bekam ich sie wieder einmal mit der ganzen Wucht zu spüren, die geballte Ladung Landfrauenengagement gepaart mit viel Herzlichkeit. Unglaublich, mit welcher Hingabe bei einem Swiss-Tavolata-Probe­essen, bei dem ich dabei sein durfte, für die Gäste gekocht und der Tisch detailverliebt dekoriert wurde. Dabei dachte die Gastgeberin selbstverständlich zu hundert Prozent an Regionalität und Saisonalität. Und als Supplement bekam die Besucherin gleich noch Tipps für den sensationellsten Hofladen in der Umgebung oder das ultimative touristische Highlight.

Natürlich brachte eine der Eingeladenen, ebenfalls eine Landfrau, ein herziges, selbst gemachtes Mitbringsel mit. Obwohl ihre Agenda proppenvoll war und sie vor und nach dem Essen noch Stalldienst machte. Zack in die Sonntagskleider, Haare waschen, sich zurecht machen. Frau will schliesslich beim Probeessen nicht sofort mit Kühen, Schweinen oder Hühnern in Verbindung gebracht werden.

Nicht nur herzlich, sondern auch witzig

Landfrauen sind aber nicht nur herzlich, sondern auch witzig. Als Beispiel soll hier der Aargauer Landfrauenverband dienen. Mit einer frechen Bildkomposition wird seit ein paar Wochen auf den sozialen Medien damit geworben, dass Landfrauen Vollgas geben. Da sitzt eine Ü60-Frau in der Tracht auf einem krassen Töff und gibt Gas. Die Landfrauen werben ebenfalls dafür, dass Frau auch mal einen «Bad-Hair»-Tag haben kann, also nicht alles perfekt sein muss. Oder sie tragen an den unmöglichsten Orten rosa Gummistiefel und sagen ironisch: «Landfrauen tragen immer Gummistiefel.»

DevilleEndlich enthüllt: Die Agrarmedien sind die wahren Strippenzieher in der Landwirtschaftslobby!Dienstag, 23. November 2021 Auch die Präsidentin der Schweizer Bäuerinnen und Landfrauen, Anne Challandes, ist witzig. Auf jeden Fall hatte sie die spritzigsten Antworten auf die bitterbösen Fragen von Patti Basler parat. Basler, Bauerntochter aus dem Aargau und Komikerin, amtete an der Delegiertenversammlung des Schweizer Bauernverbands als Aussenreporterin für die SRF-Satiresendung «Deville». Diese liess Ende November den Bauernstand, inklusive den Verlag der BauernZeitung, nicht gerade im besten Licht erstrahlen. Ausser eben Anne Challandes. Auf Baslers Frage: «Wenn eine Bäuerin für ihren Mann kocht, gilt dies schon als Nutztierfütterung?», meinte Challandes: «Nein, ausser der Bauer ist ein Esel.» 

Der Lohn der Bäuerin beginnt bei null Franken

Esel ist denn auch ein gutes Stichwort. Die Männer auf den Höfen und in den Verbänden sind wirklich manchmal wie Esel. Man hat das Gefühl, sie wissen immer noch nicht, was sie an den Frauen haben. Denn auf Patti Baslers Frage, wie viel Bäuerinnen denn im Durchschnitt pro Stunde verdienen würden, war Anne Challandes Antwort folgende: «Es fängt bei null Franken an ...» Null Franken! Das ist alles andere als lustig.

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AboDie Frauensession ist für Bäuerinnen eine Chance, sich mit Politikerinnen und anderen Frauen zu vernetzen und so das gegenseitige Verständnis zu fördern. (Bild Esther Thalmann)BäuerinnenAnalyse: Vielleicht sind die Bäuerinnen das Zünglein an der WaageMontag, 12. April 2021 Nach einem intensiven Abstimmungsjahr gegen die zwei Pflanzenschutz-Initiativen liegen mit der Massentierhaltungs-Initiative, dem Absenkpfad und einer sistierten Agrarpolitik bereits weitere, grosse Herausforderungen vor uns. Im vergangenen Abstimmungskampf hat sich gezeigt: Nur gemeinsam kann man solche Forderungen bodigen. Zu diesem Gemeinsam gehören nicht nur alle Produktionsrichtungen, sondern eben auch die Bäuerinnen. Von ihnen hatte ein Grossteil mit all ihrem Herzblut und Engagement gegen die Initiativen gekämpft. Und sie werden es wohl wieder tun. Es kann also nicht sein, dass diese Mobilmacherinnen und Botschafterinnen für den Bauernstand nichts wert sein sollen. Dass von ihnen erneut voller Einsatz erwartet wird, aber bitte eben gratis.

Kein Lohn geht so lange gut, bis der Haussegen schief ist

Leider hat es aber auch unter den Frauen ein paar Eselinnen. Denn in Sachen Lohn für die Bäuerin scheiden sich die Gemüter. Doch gratis arbeiten und all sein Geld in den Betrieb investieren, das geht nur so lange gut, wie der Haussegen in Ordnung ist. Oder anders gesagt, es Mann und Frau eben zusammen lustig haben.

Darum: Beim Lohn für die Bäuerin sollte endlich fertig lustig sein und Nägel mit Köpfen, sprich vorwärts gemacht werden.