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Die Trachtengruppen in der Zentralschweiz suchen Nachwuchs

Trotz sinkenden Mitgliederzahlen bleibt die Co-Präsidentin des Zuger Kantonalen Trachtenverbandes optimistisch. Nach wie vor seien Trachtengruppen gefragt, weiss Ruth Uttinger.

Schweizweit nimmt die Mitgliederzahl der Trachtengruppen durchschnittlich ab. Speziell die Zeit während der Pandemie ist eine Herausforderung für die Trachtengruppen, da sie auch von der Geselligkeit leben. Was machen Trachtengruppen aus der aktuellen Situation? Im Interview teilt Ruth Uttinger, Co-Präsidentin des Zuger Kantonalen Trachtenverbandes (ZKTV), ihre Ansichten und Bedenken rund um die Zukunft des schönen Brauchtums.

Wie steht es um die Trachtengruppen im Kanton Zug?

Ruth Uttinger: Das ist zurzeit schwierig zu beantworten, da Corona-bedingt kaum Chor- oder Tanzproben stattfinden. Der ZKTV zählte im April vor einem Jahr 411 Mitglieder.

Es wird sicher Mitglieder geben, welche sich entschliessen, nach der Pandemie aus dem aktiven Vereinsleben zurückzutreten. Leider ist es in der jetzigen Situation schwierig, ein geregeltes Vereinsleben zu führen. Auch einige Kindertanzgruppen mussten aus Mangel an Nachwuchs bereits aufgelöst werden.[IMG 2]

Wie wird denn nach Nachwuchs gesucht?

Oft treten Kinder von der Kindergruppe in die Erwachsenengruppe über, oder man macht Werbung im Bekannten-und Freundeskreis. An öffentlichen Auftritten macht man den Verein sichtbar wie zum Beispiel an Dorfmärkten, Platzkonzerten usw.

Für die Kindergruppen machen wir oftmals mit Flyern Werbung. Wir verteilen sie in alle Haushaltungen, ermöglichen Schnupperproben. Oder wir stellen uns im Kindergarten und der Schule vor, wenn es die Schule erlaubt.

Auch eine Teilnahme unsererseits an Projektwochen ist möglich.

«Eigentliche wollte ich ein Dirndl. In Frage kam aber nur die Zuger Tracht.»

Dafür besuchte die Mutter von Ruth Uttinger damals extra einen Trachtennähkurs.

Sehen Sie einen Stadt-Land-Graben?

In der Stadt ist es bestimmt schwieriger, neue Mitglieder zu finden, da das Angebot an Freizeitaktivitäten gross ist und auch die Leute sich nicht mehr wie früher an bestimmten Tagen für einen Verein binden möchten.

Sind Trachtengruppen denn noch zeitgemäss und gefragt?

Trachtengruppen sind nach wie vor gefragt. Beispielsweise werden wir oft gefragt, ob wir an Umzügen teilnehmen. Auch beliebt sind Ehrendamen an politischen oder anderen Anlässen. Was sich leider als schwierig herausstellt, ist die Suche nach Dirigent(innen) oder Tanzleiter(innen).

Welche Reaktionen erhalten Sie von aussen auf die Trachtengruppe?

Durchwegs positive. Manche Leute erkennen an der Tracht, aus welchem Kanton wir kommen. Andere wiederum bestaunen die handgewebten Stoffe oder die von Hand gefertigten Stickereien, Schultertücher oder Handschuhe.

Was fasziniert Sie persönlich an der Trachtengruppe?

Die Freude am Tanzen, die Geselligkeit, das Tragen einer Tracht und dass man neue Leute kennenlernt.

Auch Besuche an eidgenössischen Trachtenfesten, Urschweizer Trachtentagen, kurz gesagt Treffen mit Gleichgesinnten faszinieren mich immer wieder.

Wie hat Ihre Faszination angefangen?

Eigentlich wollte ich ein Dirndl, doch meine Mutter als Korporationsbürgerin der Stadt Zug fand, dass nichts anderes als eine Zuger Tracht in Frage käme. So besuchte sie 1972 bei Ida Dossenbach einen Trachtennähkurs und fertigte für mich und meine Schwester eine Zuger Kindertracht an. So hatte ich mich 1973 der Tanzgruppe angeschlossen. Das Nähen der beiden Trachten machte ihr so grosse Freude, dass sie sich 1974 entschloss, als gelernte Schneiderin in Zukunft Trachten zu nähen.

Wie schwer würde es Ihnen fallen, eine Trachtengruppe aufzulösen?

Es würde mir sehr schwerfallen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich Gruppen zusammenschliessen. Eine Auflösung wäre die letzte Option.

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