Ich erwache an einem schönen Maitag 1968 von Geräuschen aus der Küche. Das Zimmer, in dem mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich schlafen, liegt direkt daneben. Täglich wache ich auf, wenn meine Mutter oder meine Schwestern die Rösti zum Zmorge braten und den Tisch decken. Mein Bruder Alois schläft. Ich stehe auf, ziehe kurze Hosen und ein Hemd an.

Dann laufe ich durch die Küche und eile zum Plumpsklo, das auf dem mit Brettern gedeckten Güllenloch steht. Nach dem Toilettengang renne ich in die grosse Bauernhausküche. «Hände waschen vor dem Essen nicht vergessen», mahnt meine Mutter.

Rösti und Milch zum Frühstück

Die ganze Familie sitzt am Tisch, einzig Alois fehlt noch. Mutter geht ihn wecken, er taucht auf mit verschlafenem Gesicht. Unterdessen sitzen alle rund um den grossen Küchentisch und löffeln Rösti aus der grossen Schüssel. Einzig grosse Tassen für den Milchkaffee stehen auf dem Tisch. Ich esse die vom Schweinefett glänzende Rösti aus der grossen Platte wie alle. Man langt mit dem Löffel in die Rösti, dreht ihn blitzschnell um und schiebt eine mundgerechte Portion in den Mund. Dazu gibt es Brotscheiben vom Vierpfünder und warme Milch und Kaffee, gemischt mit Frankaroma.

Anschliessend laufen Alois und ich in die Schule. Vor dem Haus wartet bereits Hans Tanner, unser Nachbar, der ein Jahr älter ist als ich. Auf halbem Weg treffen wir auf unsere Schulgspänli, den Sepp und nach der Überquerung von einem Bach nach einem Wald auf Annemarie und Vreni von der Posthalterfamilie. Wir gehen über die Wiesen und grünen Hügel des Napfgebiets, überqueren den Elbach und schon sind wir bei der Schule, die ebenfalls Elbach heisst.

Messen, ob's passt

AboDieses Bild vom August 1977 zeigt unseren damaligen Steyr-Traktor vor der Scheune in Luthern.Als ich noch Bauernbub warDes Nachbars Einfahrt zur Heubühne krachte zusammenFreitag, 2. September 2022 Pünktlich um acht Uhr betritt der Lehrer die Schulstube. Unterbrochen von einer Pause zieht sich der Unterricht bis um elf Uhr dahin, dann ist die Schule aus. Zuhause am Mittag drehen sich die Gespräche um den Traktor und den Ladewagen, den Vater gekauft hat. Er hat bereits die Einfahrt in die Futtertenne gemessen, ob sie auch genug breit und hoch sei, damit das Gespann reinfahren kann. Die Wege zu den Heuwiesen werden ebenfalls noch vermessen.

Die neue Maschine ist da

Gleich nach dem Mittagessen geht es wieder in die Schule. Auf dem Weg erzählen wir Hans, dass unser Vater einen Traktor und einen neumodischen Ladewagen gekauft hat. Um vier Uhr nachmittags ist die Schule aus, wir marschieren heim und dann steht er da, unser Traktor, ein gebrauchter, aber frisch lackierter Fordson Dexta.

Seine riesigen, grau bemalten Räder glänzen ebenso wie die dunkelblaue Motorhaube, die mit dem blauen Himmel um die Wette strahlt. Ein silberner Auspuff ragt kerzengerade aus der Motorhaube. Meine Freunde stehen sprachlos da. «Es gibt drei Vorwärtsgänge, einen Rückwärtsgang und ein Untersetzungsgetriebe», erkläre ich, stolz wie ein König auf dem Traktorsitz thronend. «Ich kann den Motor starten», prahle ich. Ich schalte die Zündung ein und drücke den Starthebel, der Motor brummt, Sepp und Hans rennen vor lauter Schreck weg.