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Guter Geist und Naturheilmittel: der Holunderbaum

An besonnten Waldrändern und auf Lichtungen warten jetzt bereits wieder die ersten reifen Holunderbeeren auf pflückende Hände. Verarbeitet zu Saft, Sirup oder Gelee schmecken die dunklen Beeren besonders gut.


In der Nähe von fast jedem älteren Bauernhaus steht irgendwo ein Holunderbaum. Schon in früheren Zeiten gingen die Menschen davon aus, dass in ihnen gute Pflanzengeister wohnen, die das Haus mitsamt seinen Bewohnern beschützen. Der Holunderbaum wird auch als Baum der Ahnen und als Tor zur Anderswelt gesehen. Daran erinnert auch der englische Name des Holunders: Elderberry. Elder bedeutet nicht nur die Alten, sondern auch die Ahnen.

Fällen nur in Ausnahmefällen

Eingestuft als heiliger Baum galt lange Zeit den Brauch, vor dem Holunder den Hut zu ziehen. Und gefällt werden durften Holunderbäume früher nur unter ganz besonderen Umständen – niemals aber mutwillig. Und so stehen auch heute noch einige dieser sagenumwobenen Bäume beschützend neben Bauernhäusern. Viele von ihnen sind jedoch auch im Wald zu finden – dort vor allem an Waldrändern oder auf sonnigen Waldlichtungen.

Das Innere ist Namesgeber

Der Schwarze Holunder mit der biologischen Bezeichnung Sambucus nigra wächst im Flachland und im Gebirge bis auf 1500 Metern über Meer. Bei jüngeren Zweigen sind grosse, etwas längliche Korkporen oder -warzen erkennbar. Dabei handelt es sich um die sichtbaren Atmungsorgane des Baums.

Im Innern sind die Äste mit einem weissen Mark gefüllt, das sich leicht herauskratzen lässt. Auf diese Besonderheit bezieht sich auch der althochdeutsche Name des Holunders «Holuntar», was «hohler Baum» bedeutet. Und auch der Gattungsname «Sambucus» hat damit zu tun, denn er geht auf das griechische Wort «Sambyke» zurück, welches in der Antike eine geschnitzte Flöte bezeichnet hat.

Ein Baum mit vielen Namen

Der Beiname «nigra» bezieht sich indessen auf die schwarzen Beeren. Im Volksmund hat der Holunderbaum indes viele Namen: Holderbusch, Holler, Flieder, Altholder, Holder, Kaikenbusch, Elder, Holle, Schwitztee, Husholder und so weiter. Diese Namensvielfalt ist ebenfalls ein Hinweis auf die einst grosse Bedeutung des Holunders.

Nicht nur Blüten und Beeren sind nützlich

Von Mai bis Juni können die Holunderblüten geerntet werden. Sie eignen sich hervorragend für die Herstellung von Tee, Konfitüre oder Sirup. Ab jetzt bis September sind die Holunderbeeren reif. Die glänzenden, violettschwarzen Früchte ergeben einen tiefroten Saft. Dieser kann wie auch die Blüten zu Sirup oder Gelee verarbeitet werden. Die Beeren schmecken aber auch als Kompott oder Saft.

Familie Grundbacher baut Holunder für Ricola an. Der Anbau ist aufwendig – mehr dazu lesen Sie im Porträt der Familie Grundbacher. 

Der berühmte Kräuter-Pfarrer Künzle nutzte alle Teile des Holunders zu Gesundheitszwecken: Wurzeln, Rinde, Blätter, Blüten und Beeren. So empfahl er beispielsweise eine Abkochung der Wurzeln als entschlackende Kur oder heiss aufgegossenen Saft bei Erkältungsproblemen und Husten. Die reifen Beeren des Holunders wurden früher auch zum Färben von Stoff, Haaren und Lebensmitteln verwendet.

Wichtiger Hinweis

Alle grünen Teile des Holunderbaumes, insbesondere auch unreife Beeren, enthalten leicht giftige Stoffe, die Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen können. Daher sollten die Beeren bei der Ernte wirklich reif sein und nicht roh genossen werden. Durch das Erhitzen werden auch allenfalls enthaltene giftige Anteile neutralisiert.  

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