«Im Fricktal weisst du einfach, dass du Futterreserven haben musst», erklärt Roland Meyer

Auf dem Lohnberg im aargauischen Fricktal wächst wegen der Trockenheit kaum Futter. Jedes Jahr sammelt Roland Meyer Vorräte, doch dieses Jahr ist es ihm nicht gelungen.

«Es ist trostlos bei uns, aber Jammern hat keinen Wert», ist Roland Meyer überzeugt. «Wir haben Wasser und etwas zu essen», fasst der 61-Jährige optimistisch zusammen. Die Wasserversorgung auf dem Lohnberg habe sein Grossvater anno 1929 gemeinsam mit den Lohnberglern erstellt.

Er könne sich noch gut daran erinnern, wie sein Grossvater zu ihm gesagt habe, dass die Lohnbergler immer Wasser haben würden. Und bis heute sollte er recht behalten. Die Quellen in den extensiven Weiden führen noch immer Wasser, so wie sie es auch in den vergangenen Dürrejahren 1947, 1976 und 2003 getan haben. Das sei das Positive.

Teilweise gut, teilweise katastrophal

Dennoch ist eine Bewässerung auf dem Lohnberg nicht möglich. Das zeigt sich entsprechend auch bei den Kulturen. Vor 32 Jahren hat Roland Meyer den elterlichen Betrieb in vierter Lohnbergler-Generation übernommen – und noch nie habe er seither einen derart schlechten Maisbestand gehabt.

Hätte er einen Einreiher, würde er den Mais so an die Kühe verfüttern. Er habe kaum Kolben und beginne von unten her zu vertrocknen. Der Weizen hingegen habe einen besseren Ertrag gegeben, als er erwartet habe. Der Proteingehalt sei zwar niedrig gewesen, das Hektolitergewicht aber zufriedenstellend.

Das Obst fällt von den Bäumen

Gestraft sei er in puncto Futter – besonders, wenn sich die Situation so zuspitze wie heuer. Eingrasen könne er schon lange nicht mehr – vermutlich auch im Herbst nicht. Zudem hat Roland Meyer sehr wenig Kunstwiese. Das Land ist nicht arrondiert, und die arrondierten Flächen benötigt er als Weide für die Kühe. Viele Parzellen können aufgrund der Bodenverhältnisse nicht gepflügt werden. Denn der Lohnberg liegt im Gebiet des Tafeljuras, und der Fels auf dem Hochplateau ist teilweise nur von wenig Humus bedeckt.

Besonders rund um den Betrieb der Meyers zeigt sich die Trockenheit deutlich. Bereits beim ersten Schnitt sei die Ernte auf den Naturwiesen schlechter ausgefallen, und der zweite Schnitt habe wenig bis nichts ergeben. Die wenigen Kunstwiesen, die der Landwirt aus dem Fricktal bewirtschaftet, haben zwei Schnitte ergeben. Seither sei einfach nichts mehr gewachsen. Die Äpfel an den Hochstammbäumen und in der Anlage fallen vorzeitig ab, während die Zwetschgen bereits am Baum vertrocknen und ebenfalls abgeworfen werden. Wenigstens die Kühe freuen sich über die Zwetschgen als Abwechslung in der Futterkrippe.

Weiden ist seit Mitte Juli nicht mehr möglich

«Landwirte aus anderen Regionen, mit denen ich gesprochen habe und die ebenfalls von der Trockenheit erzählen, sind dann doch nochmals erschrocken, als sie gesehen haben, wie es bei uns aussieht», erzählt der Vater dreier Töchter. Die Schwierigkeit im Vergleich zu 2003 sei, dass es diesmal viel heisser sei und deutlich mehr Regionen in der Schweiz betroffen seien, erklärt Roland Meyer.

Damals habe er sein Jungvieh nach Sörenberg bringen können. Heute hat er fünf Rinder und zwei Kühe z’Alp im Bernbiet. Ob auch diese früher zurück ins Tal müssen, weiss er bislang nicht. Auf den beiden eigenen Weiden daheim befinden sich noch vier Gustkühe und ein Rind. Aber auch diese werden zugefüttert, weil nichts mehr wächst.

«Knuspergras, sagt eine Freundin jeweils zu dem, was noch auf den Weiden übrig ist», erzählt Rolands Frau Gisela Meyer mit einem Schmunzeln. Seit Mitte Juli sind die Milchkühe nicht mehr auf der Weide. Sie sind nur noch im Laufhof und werden mit Heu, Mais und Silage gefüttert. Wie im Winter – nur bei 36 Grad Lufttemperatur.

Zuletzt sei auch die Milchleistung zurückgegangen. Die Kühe hätten nachts auf der Weide kaum mehr genug gefressen, seien aber auch nicht in den Stall zurückgekehrt, da es ihnen draussen wohler gewesen sei. Dies, obwohl Meyers über eine ausgeklügelte Stallbelüftung verfügen, die für ein merklich angenehmeres Klima sorgt.

Drei Kühe habe er bereits ausgemustert. Das seien allerdings solche gewesen, die er nur noch ausgemolken habe. «Ich gebe keine Dreissig-Liter-Kuh in die Metzg!»

Bis zu 150 Liter weniger Milch pro Tag

Zudem hat das Orthobunyavirus auch seine Kühe getroffen. Zwar mussten sie nur zweimal den Tierarzt rufen, erlitten aber dennoch grosse Einbussen bei der Milchleistung. Kühe, die zuvor zehn bis elf Liter Milch gegeben hatten, lagen nur noch bei zwei bis drei Litern. Glücklicherweise sei dies bei vielen Kühen – nebst dem Durchfall – das einzige Symptom gewesen.

Dies bedeutete an einzelnen Tagen dennoch einen Gesamtrückgang von bis zu 150 Litern Milch. «Die kranken Kühe waren für mich fast noch einschneidender als die Trockenheit», erzählt Roland Meyer.

2003 hat die Armee bei den Futtertransporten geholfen

25 000 bis 30 000 Franken habe sie das Futter 2003 gekostet – und das bei einem halb so grossen Tierbestand. Damals habe die Armee jedoch kostenlose Futtertransporte angeboten, wenn man in einem anderen Teil der Schweiz Futter kaufen konnte. Roland Meyer fühle sich momentan etwas im Stich gelassen, denn weder beim Bauernverband noch beim Bund sei Hilfe in Sicht.

Eine solche Unterstützung würde helfen, die Kosten geringer zu halten. Er könne etwa Futter aus der Region Schaffhausen kaufen. Bis dieses aber bei ihm auf dem Hof stehe, koste es einfach viel zu viel. «Hinzu kommt, dass es aktuell auch Bauern gibt, die die Not ihrer Berufskollegen ausnutzen und horrende Preise verlangen.»

Diese Woche haben die Meyers 24 Tonnen Luzerne aus Frankreich erhalten. Diese hat der Fricktaler bereits vor gut einem Monat bestellt, als er gemerkt hat, dass sich die Situation zuspitzt. «Im Fricktal weisst du einfach, dass du Futterreserven haben musst», meint Meyer.

Dieses Jahr habe das wegen des bereits sehr niederschlagsarmen Winters und Frühlings jedoch nicht funktioniert. Auch finanziell sei es von Vorteil, wenn man immer etwas Reserve habe. Dieses Jahr werde für sie voraussichtlich zwar schlecht ausfallen, aber ihr Betrieb werde es überleben.

Noch führen die Quellen alle Wasser, wenn auch nicht mehr alle gleich viel.(Bild: Anita Märki)

«Sich verrückt machen hat keinen Wert»

An ihrem Betrieb werden Meyers vorerst nichts ändern. Sie sind überzeugt, dass es nächstes Jahr wieder anders wird und man nach vorn schauen müsse. Anders wäre es, wenn die Probleme im Stall angehalten hätten. Dann hätte man die Betriebsausrichtung nochmals überprüfen müssen.

Mit der Kombination aus vielen BFF-Flächen, die wenig Risiko mit sich bringen und einen finanziellen Ausgleich ermöglichen, sowie den anderen Standbeinen des Betriebs könne man arbeiten. «Sich verrückt machen hat keinen Wert», fasst Roland Meyer für sich zusammen. Auch wenn er skeptisch sei, ob der Herbst die erwarteten Niederschläge bringe und so die Natur und vor allem die Landwirte aufatmen lasse.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Roland und Gisela Meyer

LN: 22 Hektaren, davon 160a Weizen, 140a Silomais

Tiere: 30 Kühe und Rinder

Obst: 260 Hochstammobstbäume, 12a Apfelanlage

Betriebsausrichtung: Milchwirtschaft, Direktvermarktung mit vor allem Obst, Süssmost und Schnaps, Süssmost Pasteurisieren im Lohn

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