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Zwetschgenernte 2026: Trockenheit drückt die Menge, Zucker stimmt trotzdem

Die Zwetschgenernte 2026 startet so früh wie noch nie – doch die Trockenheit lässt Früchte kleiner ausfallen als erhofft. Fachleute aus mehreren Regionen ordnen die Lage ein.

Die Zwetschgenernte 2026 beginnt früher als je zuvor – und fällt kleiner aus als ursprünglich erhofft. Schweizweit rechnete man mit bis zu 3600 Tonnen. Diese Marke dürfte laut mehreren Fachleuten nicht erreicht werden. Bruno Eschmann, Präsident des Produktzentrums Kirschen und Zwetschgen beim Schweizer Obstverband, geht für 2026 von rund 3000 Tonnen aus, die in den Handel gelangen. Zum Vergleich: 2024 gab es mit über 4600 Tonnen die höchste Ernte der letzten 20 Jahre, 2025 waren es wegen Alternanz bei einigen Sorten nur 2600 Tonnen.

Ernte so früh wie noch nie

Fast alle befragten Fachleute berichten von einem früheren Erntestart. David Lüthi von Lüthi Obstbau in Ramlinsburg BL begann drei Tage früher als im Vorjahr, im langjährigen Durchschnitt sogar rund eine Woche früher. Stefan Ritter, Präsident des Baselbieter Obstverbands, spricht von drei bis fünf Tagen. Adrian Seeholzer vom BBZN Hohenrain, Berater für Kern- und Steinobst, ordnet die Entwicklung historisch ein: Gegenüber vor 20 bis 30 Jahren werde heute zwei bis drei Wochen früher geerntet.

Die ersten Sorten wie Tegera und Cacaks Schöne sind bereits geerntet oder in der Ernte, die späteren Sorten stehen noch bevor.

Trockenheit setzt den Früchten zu

Der Hauptgrund für die tieferen Mengen ist die Trockenheit. Adrian Seeholzer beobachtet derzeit ein schlechtes Wachstum, vor allem dort, wo nicht bewässert wird, und einen ausserordentlich starken Fruchtfall – besonders sichtbar bei der späteren Sorte Fellenberg. Ritter bestätigt: Die Trockenheit habe auf die Zwetschgen einen grösseren Einfluss als etwa bei den Kirschen. Vielerorts würden die geforderten Kaliber nicht erreicht, wodurch die Menge an Tafelzwetschgen tiefer ausfalle als prognostiziert. Einzelne Sorten würfen nun Früchte ab, um sich selbst zu retten. Ritter schliesst nicht aus, dass die Trockenheit langfristige Schäden an den Bäumen hinterlässt.

Auch David Lüthi rechnet damit, dass die für nächste Woche erwartete zweite Ernteschätzung die Gesamtmenge nach unten korrigieren wird. Jeder Millimeter weniger Fruchtgrösse bedeute Gewicht, das verloren gehe – ein Effekt, der bei der ersten Schätzung noch nicht eingerechnet gewesen sei.

Wasser, Wasser und nochmal Wasser

Ein Gegenbeispiel liefert Philipp Angehrn vom St. Galler Obstverband: Auf seinem Betrieb sei die Situation dank intensiver Bewässerung gut. «Wir sagen immer schon: Wasser, Wasser, Wasser», so Angehrn. Das Wasser wird mit dem Fass gefahren, morgens und abends, rund 50 Kubikmeter pro Durchgang.

Die Mehrarbeit lohne sich, weil die Fruchtgrösse damit stimme. Trotzdem sei die Hitzebelastung der Bäume unübersehbar: Am Nachmittag würden sich die Blätter zusammenrollen, sodass praktisch nur noch die Früchte sichtbar seien – eine «Schutzstellung», die Angehrn in dieser Form noch nie erlebt hat. Auch Bruno Eschmann verweist auf den Vorteil von Bewässerung und Hagelnetzen und zieht den Vergleich zum Wallis, das dank guter Bewässerungsinfrastruktur verlässlich gute Ernten hervorbringe.

Stefan Ritter mahnt allerdings, dass Bewässerung angesichts der aktuellen Trockenheit vielerorts nur noch «ein Tropfen auf den heissen Stein» sei und die Früchte kaum mehr zum Wachsen bringe.

Qualität und Zuckergehalt überzeugen

Bei aller Sorge um die Menge sind sich die Fachleute in einem Punkt einig: Die innere Qualität der Früchte ist aussergewöhnlich gut. Die grosse Sonneneinstrahlung habe für eine starke Zuckereinlagerung gesorgt, so Stefan Ritter.

Seeholzer bestätigt einen hohen Zuckergehalt und sehr süsse Früchte, auch weil aus Angst vor Überreife tendenziell zügiger geerntet werde. Lüthi spricht von einer hervorragenden Fruchtqualität, Philipp Angehrn nennt den Geschmack «genial», und Bruno Eschmann bezeichnet die Früchte als sehr schmackhaft und zuckerreich.

Regionale Unterschiede

In der Ostschweiz sieht Bruno Eschmann das grösste Problem nicht primär in der Trockenheit, sondern beim Pflaumenwickler. Zudem seien viele Anlagen nicht mit Hagelnetzen geschützt, Hagelschläge habe es bereits gegeben. Eschmann setzt auf seinem Betrieb vor allem auf mittelfrühe und späte Sorten wie Cacaks Fruchtbare und Baronesse, die ab Mitte August auf den Markt kommen.

Adrian Seeholzer weist zudem darauf hin, dass die Region im gesamtschweizerischen Zwetschgenanbau keine grosse Rolle spielt – der Marktanteil am Grosshandel liegt bei wenigen Prozent, bisher wurden erst einige hundert Kilo bis rund zwei Tonnen geerntet. Dafür gebe es in der Region auffallend viele Betriebe mit reiner Direktvermarktung.

Auch die Mirabellen sind von der Trockenheit betroffen, wie Ritter festhält. David Lüthi ergänzt, dass die Mirabellenernte ohnehin von Jahr zu Jahr kleiner werde – allerdings weniger wegen des Wetters als wegen der schwierigen Vermarktbarkeit von Schweizer Mirabellen. Eine Ernteschätzung für Mirabellen liegt noch nicht vor.

Ausblick

Ob und wie stark sich die tieferen Erwartungen bestätigen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen: David Lüthis Betrieb erwartet in einer Woche die zweite Ernteschätzung, weitere Sorten stehen erst noch vor der Ernte. Bis dahin bleibt vor allem eine Frage offen: ob und wie viel Regen noch fällt – und ob er, wie von Philipp Angehrn erhofft, ohne Hagel bleibt.

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