Werner Gysel und Steve Zurkinden sind Lohnunternehmer und Landwirte in Wilchingen SH und in Tentlingen FR. Der Freiburger Steve Zurkinden achtet bei Investitionen darauf, dass er Maschinen- oder Traktorenmodelle kauft, welche sich in der Praxis bereits bewährt haben. Es muss nicht immer der letzte Schrei sein. Somit kann er Kosten klarer kalkulieren, Reparaturen erledigt er zu einem grossen Teil selber.
Bei Werner Gysel im Kanton Schaffhausen sieht es ganz ähnlich aus. Er investiert, wenn möglich, in gebrauchte Technik. Dabei achtet er darauf, dass sich die Technik gut selber reparieren lässt. Seine fünf Mähdrescher sind zu 90 Prozent mit den gleichen Bauteilen ausgerüstet. So kann er wichtige Ersatzteile kostengünstig auf Reserve halten.
Wie die Beispiele von Werner Gysel und Steve Zurkinden zeigen, ist es ein Vorteil, wenn man auf dem Betrieb eine Werkstatt mit entsprechenden Einrichtungen zur Verfügung hat. Der Zugang zum Know-how eines Spezialisten hilft, wenn es allzu «chirurgisch» werden sollte. Wer schon einmal etwas vom Innenleben eines Traktors gesehen hat, fürchtet sich weniger vor Reparaturen. So fällt es einem einfacher, eine Gebrauchtmaschine zu kaufen. Übertreiben sollte man dies jedoch nicht. So leicht Reparaturen Werner Gysel oder Steve Zurkinden fallen: Dies trifft nicht auf jeden Landwirt zu. Für viele ist eine Neumaschine mit Garantie und kalkulierbaren Kosten die bessere Wahl.
Die Maschinenkosten belasten das Budget eines Landwirtschaftsbetriebs stark. Laut Agroscope belaufen sich die Kosten für die Mechanisierung in der Schweiz auf durchschnittlich 40 Prozent der Strukturkosten. Das sind Kosten wie Zinsen, Versicherungen, Gebäude oder Abschreibungen. Wer Maschinen nur wenige Stunden pro Jahr nutzt, hat hohe Kosten pro Einsatzstunde.
Es ist also eine gute Möglichkeit, Maschinen, wenn möglich, ausserhalb der Landwirtschaft einzusetzen, wie dies Steve Zurkinden macht. Und wenn es möglich ist, solche Einsätze ausserhalb landwirtschaftlicher Arbeitsspitzen zu erledigen, ist der Nutzen noch höher.
Dabei geht es nicht nur um Anbaugeräte. Die zusätzliche Auslastung der Traktoren zählt dabei ebenso, wenn ein Landwirt zum Beispiel im Auftrag von Gemeinden Wegränder schneidet. Dabei muss jedoch auch bedacht werden, dass man nicht blindlings in Zusatztechnik investieren sollte, nur damit der Traktor auf eine anständige Auslastung kommt. Sonst geht es dann gesamtbetrieblich auch nicht mehr auf. Wenig sinnvoll ist es beispielsweise, zusätzliche Flächen zu bewirtschaften, die mit langen Strassenfahrten verbunden sind, oder in Transportkapazität zu investieren, um Zuckerrüben zu fahren. Der Traktor hat dann zwar am Ende des Jahres mehr Betriebsstunden. Der finanzielle Aufwand in Transporttechnik war jedoch gross, nur damit der Traktor gut dasteht.
Mieten und Vermieten senkt Kosten
Gemäss ART-Kostenkatalog 2025 haben Traktoren im Leistungsbereich zwischen 100 und 140 PS Anschaffungskosten zwischen 117 000 und 160 000 Franken. Gemäss Richtwert liegen die Entschädigungsansätze zwischen 49 und 61 Franken pro Stunde, bestehend aus fixen und variablen Kosten und 10 Prozent Risikozuschlag. Die dabei zugrunde liegende Auslastung pro Jahr beträgt 500 Betriebsstunden.
Je kleiner ein Traktor ist, desto geringer sind die jährlichen Betriebskosten, da variable wie fixe Kosten günstiger sind. Wird hier übermechanisiert, fallen für sämtliche Betriebsstunden des Traktors die Kosten des grösseren Traktors an. Wird jedoch für einzelne Arbeiten, bei denen die Leistung des Traktors effektiv erforderlich ist, ein passender Traktor dazu gemietet, lassen sich die Kosten senken. Bei einem Beispiel, bei dem ein 100-PS-Traktor für 400 Betriebsstunden ausreicht und für die restlichen 100 Betriebsstunden ein grösserer Traktor gemietet wird, entsteht ein Kostenvorteil von rund 4800 Franken, als wenn alle Arbeiten mit dem grossen Traktor erledigt werden. In der Theorie lassen sich so leicht Kosten senken. Die Verfügbarkeit in der Praxis ist der entscheidende Faktor: Gibt es Fahrzeuge in der Umgebung, die gemietet werden können, und ist der Nachbar bereit, diese zu vermieten?
Mieten oder Kaufen?
| Eigener 140-PS-Traktor | Eigener 100-PS-Traktor und Miete 140-PS-Traktor | |
| Leistung | 140 PS | 100 PS & Miete 140 PS |
| Auslastung (Std./Jahr) | 500 | 400 + 100 |
| Kosten (Fr. / Std.) | 61 | 49 + 61 |
| Total Kosten pro Jahr | 30 500.- | 19 600.- + 6100.- = 25 700.- |
Wird für Arbeitsspitzen mit einem Leistungsbedarf von 140 PS während 100 Stunden pro Jahr ein Traktor hinzugemietet, spart man bei dieser Rechnung 4800.- pro Jahr ein im Vergleich dazu wenn sämtliche Arbeiten (500 Std./Jahr) mit dem 140-PS-Traktor erledigt werden.
Quelle: Maschinenkostenbericht 2025
«Sowieso-Rechnung»
Viele Landwirte täuschen sich selbst bei der Kostenkalkulation und wenden die «Sowieso-Rechnung» an. Der Landwirt hat den Traktor und die Maschine sowieso, und er selber ist sowieso auf dem Betrieb. Also kostet eine Arbeit auf dem Acker eigentlich nichts ausser den variablen Kosten wie Verschleiss oder Diesel.
Ein anderes Beispiel ist die Grossmutter, die Konfitüre für den Hofladen herstellt. Der Arbeitsaufwand wird im Preis nicht genügend berücksichtigt. Die Grossmutter ist ja sowieso da, und sie macht es sowieso erst noch gerne.

