«Die Wegstrecke mit dem Töffli zum Betrieb betrug 35 Minuten und der Bauer fing morgens um halb fünf im Stall mit der Arbeit an. Da musste ich rechtzeitig aus dem Bett», erinnert sich der ehemalige Milchwäger Kurt Zürcher mit einem feinen Lächeln.
Er geniesst die Zeit in seinem schönen Daheim im Grund, im bernischen Huttwil. Trotz Pension begleiten ihn Kühe immer noch. Kurt Zürcher leistete während Jahren viel Arbeit zugunsten der Viehzucht. Denn er amtete sehr gewissenhaft als Milchwäger. Oft war er frühmorgens oder abends zur Stallzeit mit seinem Töffli unterwegs, um rechtzeitig zu den Bauernhöfen zu kommen. Milchwägen war für ihn eine Berufung und er hatte immer Freude an der Arbeit. Ebenfalls schätzte Kurt Zürcher die wertvollen Kontakte mit den Bauernfamilien.
28 Betriebe und zweimal am Tag
Kurt Zürcher lernte nach der Schulzeit den Beruf des Metzgers in der damaligen Metzgerei Niederhauser in Wyssachen BE. Danach war er an verschiedenen Stellen tätig und arbeitete auch als Kundenmetzger. Dabei erlebte er viele Notschlachtungen von Kühen, oft abends und bis spät in die Nacht. «Viele Notschlachtungen fanden in früheren Zeiten noch auf den Bauernhöfen statt. Da musste das Fleisch rasch verarbeitet werden. Es gab noch keine Kühleinrichtungen», weiss Kurt Zürcher.
In seiner Tätigkeit als Metzger war der stille Schaffer mit dem letzten Abschnitt des Kuhlebens beschäftigt. Bei seiner Tätigkeit als Milchwäger hatte Kurt Zürcher jedoch viele unvergessliche Begegnungen in den verschiedenen Ställen mit den leistungsstarken Kühen. Während 39 Jahren war er im Viehzuchtverein Huttwil tätig und sogar 41 Jahre wirkte er in der Braunviehzuchtgenossenschaft Huttwil. In seinen «Spitzenzeiten» betreute er nicht weniger als 28 Betriebe.
Der gute Draht zu den Bauern
«Damals war es noch obligatorisch, am Abend und am Morgen zu wägen», hält Kurt Zürcher fest. Gab es etwa wegen einer Notschlachtung erst spät etwas zum Znacht, fuhr er am nächsten Morgen oft ohne Zmorge mit dem Töffli zum Milchwägen.
«Da war ich manchmal um ein Znüni froh», meint Kurt Zürcher und schmunzelt bei diesen Erinnerungen. Nie war ihm aber das Milchwägen zu viel, es gab immer wieder schöne Momente und besondere Erlebnisse in den Ställen. «Ich machte die Arbeit immer gerne und hatte es gut mit den Bauern», hält Kurt Zürcher fest.
Viehschauen waren seine Ferien
«Ich habe viel Freude, wenn ich eine schöne Kuh sehe», sagt Kurt Zürcher. So war und ist er immer noch ein gerne gesehener Gast an den Anlässen der Viehzuchtvereine der Umgebung. Auf den Bauernhöfen ist er oftmals bei den Zuchtfamilien-Schauen dabei und kennt dabei die Vor- oder Nachteile der edlen Tiere ganz genau.
«Die Viehschauen waren damals meine Ferien und ich geniesse die spezielle Atmosphäre auf dem Schauplatz auch heute noch», sagt Kurt Zürcher. Natürlich war der Fachmann rund um Kühe, Kälber und Rindvieh ebenso ein willkommener Helfer bei den Alpabfahrten im Emmental. Den Weg vom Hinterarni BE, oder vom Cholschwand BE zurück ins Tal machte Kurt Zürcher oftmals auf Schusters Rappen und vergoss so auch einige Schweisstropfen.
Einmal ist genug
Ein paar Töffli hat er während seiner Milchwäger-Karriere «dürregmacht», sein aktuelles Exemplar, ein blaues «Pony», darf sich nun auf ruhigere Zeiten freuen als seine Vorgängermodelle. Denn Kurt Zürcher hat seine Arbeit als Milchwäger beendet. Für seine verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit erfuhr er von den Bauern grossen Dank und Wertschätzung. Sicher wird er auch weiterhin in den Kreisen der Viehzüchter und bei schönen Kühen anzutreffen sein.

