Sortenversuche: Welche Gerste 2026 und im Zweijahresschnitt überzeugt

Die Versuche zeigen trotz Trockenheit stabile Erträge und deutliche Erlösunterschiede: Welche Gerstensorten in ÖLN und Extenso mit HLG und Kosten überzeugen und worauf es bei der Wahl ankommt.

Die Durchschnittswerte aus den Wintergerste-Sortenversuchen von Swiss Granum (ÖLN-Anbau) und Agroscope (Extenso) ähneln jenen von 2025. «Die Ergebnisse sind trotz des trockenen Frühjahrs und der darauffolgenden Hitzewelle wie schon im Vorjahr sehr gut», teilte die Branchenorganisation mit.

Die Kornerträge lagen im Durchschnitt bei 93,3 dt/ha im ÖLN-Anbau und bei 80,5 dt/ha auf den Extenso-Versuchsparzellen, was in etwa den Werten von 2025 entspricht. Das gilt ebenso für das Hektolitergewicht (HLG), das sowohl im ÖLN (im Mittel 69,6 kg/hl) als auch bei Extenso (im Mittel 69 kg/hl) auf hohem Niveau war.

Loona war 2026 am ertragsstärksten

In diesem Jahr erreichte SY Loona mit 97,1 dt/ha den höchsten mittleren Kornertrag über alle Standorte im ÖLN-Verfahren. Darauf folgen Esprit (95,6 dt/ha), Integral (94,7 dt/ha) und SY Galileoo (94,1 dt/ha). Bei den zweizeiligen Sorten erreicht Aleksandra mit 89 dt/ha den höchsten Ertrag.

Im Extenso-Anbau erzielt Esprit mit 83,4 dt/ha den höchsten Durchschnittsertrag. Gefolgt wird sie von den dreien Hybriden SY Galileoo (82,0 dt/ha) und SY Zoomba (80,8 dt/ha) sowie Integral (80,7 dt/ha). Bei den zweizeiligen Sorten liegt Arthene mit 77,3 dt/ha an der Spitze. Aleksandra (zweizeilig) bleibt mit einem Hektolitergewicht von 71,7 kg/hl im ÖLN-Anbau sowie 70,5 kg/hl im Extenso-Anbau weiterhin auf Platz 1. Thimea liegt mit 70,1 kg/hl an zweiter Stelle im ÖLN-Anbau und Arthene mit 69,7 kg/hl im Extenso-Anbau.

Integral passt für ÖLN und Extenso

Die diesjährigen Versuchsergebnisse bilden – zusammen mit den Vorjahreswerten – die Basis für die aktuelle Sortenempfehlung. Aufgrund der vom Forum Ackerbau berechneten Erlöse unter Berücksichtigung von Ertrag und Hektolitergewicht (HLG) 2025 und 2026 je Sorte ergeben sich die folgende Rangfolge und Empfehlungen (siehe auch Tabellen).

Integral erreicht unter den sechszeiligen Sorten im zweijährigen Schnitt mit dem höchsten Ertrag im Extenso-Anbau den ersten Platz, im ÖLN-Anbau den zweiten Platz und bleibt somit eine gute Wahl. Die beste Hybridsorte SY Loona erreicht im ÖLN-Anbau den höchsten Erlös. Jedoch sind in Tabelle 1 die höheren Saatgutkosten für Hybridsorten nicht berücksichtigt. Im Extenso-Anbau erreicht SY Loona den fünften Platz. Die Sorte Esprit erreicht in beiden Anbauverfahren den dritten Platz. Sie ist eine bekannte und bewährte Sorte. Die neue Sorte Thimea zeigt einen ähnlich hohen Ertrag wie Esprit, aber mit dem höchsten HLG der sechszeiligen Sorten, und erreicht im Extenso-Anbau aufgrund des Erlöses den zweiten Platz.

Erträge, HLG und Erlöse je Sorte im Extenso-Verfahren (ÖLN siehe Tabelle unten) im Durchschnitt der Erntejahre 2025 und 2026 (7 Standorte).(Bild: Forum Ackerbau)
Es wurde mit dem Ernterichtpreis 2021 (34.50 Fr.) gerechnet. Die Zuschlags- und Abzugsskala HLG stammt aus den aktuellen Übernahmebedingungen von Swiss Granum. *=zweizeilige Sorte.(Bild: Forum Ackerbau)

Zweizeilige Sorten: Aleksandra mit höchstem HLG

Bei den zweizeiligen erzielt die Sorte Aleksandra im zweijährigen Schnitt das höchste HLG aller Gerstensorten. Im ÖLN-Verfahren erreicht sie den achten Platz mit etwas mehr Ertrag als die zweizeilige Sorte Arthene, im Extenso-Anbau ist sie auf dem letzten Platz. Mit dem zweithöchsten HLG im Extenso- und dritthöchsten HLG im ÖLN-Anbau, einem guten Ertrag und der besseren Standfestigkeit als Aleksandra ist Arthene eine gute Wahl unter den zweizeiligen Sorten.

Wegen ihres tiefen PUI (Index für die Fettsäuren) werden die zweizeiligen Sorten, mit Ausnahme von der Sorte Aleksandra, bevorzugt für die Schweinefütterung eingesetzt. Sie sind für Betriebe, die eigenes Futter produzieren, immer noch die erste Wahl. Ein zu hoher PUI beeinflusst die Konsistenz des Körperfettes negativ.

Über 300 Fr./ha Unterschied

Die Erlöse werden hauptsächlich durch den Ertrag bestimmt (siehe Tabelle 1). Mit drei Ausnahmen liegen die Hektolitergewichte im Zweijahresschnitt alle im Zuschlagsbereich. Die HLG von Esprit, SY Galileoo und SY Loona sind im Extenso im neutralen Bereich. Es erhält keine Sorte einen Abzug.

Zur detaillierteren Beurteilung der Wirtschaftlichkeit müssten sortenspezifische Saatgut- und Behandlungskosten ebenfalls mitberücksichtigt werden. Die Tabelle 1 gibt somit lediglich einen Anhaltspunkt betreffend Wirtschaftlichkeit.

Im Extenso-Anbau beträgt die Differenz zwischen höchstem (Integral) und tiefstem (Aleksandra) Erlös je Sorte rund 342 Fr./ha. Im ÖLN-Anbau sind es vom höchsten (SY Loona) zum tiefsten (Arthene) Erlös 296 Fr./ha. Die Erlösdifferenzen zwischen den Sorten sind im Vergleich zu anderen Jahren gering.

20–26 dt/ha braucht es mehr im ÖLN

Um die Mehrkosten für den ÖLN-Anbau zu decken, müssen 20–26 dt/ha mehr Gerste gedroschen werden. Die Mehrkosten ergeben sich aus dem Einsatz von bis zu zwei Fungiziden, Wachstumsregulatoren, 30 kg zusätzlichem Stickstoff und den dafür nötigen Überfahrten sowie dem wegfallenden Beitrag «Verzicht auf Pflanzenschutzmittel». Im Sortenversuch lag der Ertragsunterschied zwischen den Anbauverfahren Extenso und ÖLN 2026 bei 13 dt/ha und im Vorjahr bei 17 dt/ha.

18 Sorten im Test

Swiss Granum testet jährlich in Zusammenarbeit mit Agroscope, der Groupe Cultures Romandie, dem Forum Ackerbau und der Delley Samen und Pflanzen AG (DSP) 18 Wintergerstensorten im ÖLN-Verfahren, die ebenfalls im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope getestet werden. Das Versuchsnetz umfasst acht Standorte in der ganzen Schweiz.

Die durchschnittliche Saatdichte liegt bei 180 Körnern/m2 für Hybridsorten, 280 Körnern/m2 für die sechszeiligen Sorten und 300 Körnern/m2 für die zweizeiligen Sorten. Die Stickstoffdüngung wird aufgrund der GRUD für jeden Standort spezifisch errechnet. Im Extenso-Anbau ist die Stickstoffzufuhr um rund 30 Einheiten reduziert. Im ÖLN-Netz erfolgen zudem 1–2 Fungizidapplikationen sowie 1–2 Wachstumsreglerapplikationen.

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